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Vermögensforscher im Interview (Teil II)

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Medial dargestellt Reiche sind meist nur Karikaturen

Vermögensforscher Druyen im Gespräch mit Jessica Schwarzer, Chefkorrespondentin Börse des Handelsblatt. Rudolf Wichert für Handelsblatt

In Gespräch vertieft

Vermögensforscher Druyen im Gespräch mit Jessica Schwarzer, Chefkorrespondentin Börse des Handelsblatt.

Aber das ist ein Vorurteil?
Es ist bewiesen, dass die Generation, die auf große Denker, Kaiser, Könige und Unternehmer folgt, große Schwierigkeiten hat, selber Fuß zu fassen. Diese Energie, diesen Enthusiasmus, diese Obsession, die ihre Väter oder Mütter hatten, haben die Kinder natürlich nicht mehr. Es fehlt ein Antrieb. Das heißt nicht, dass es in der ersten Generation nicht auch Kinder gibt, die etwas Tolles leisten. Zumal die Zahl derjenigen wächst, die ihr Geld selbst verdienen und zu Reichtum kommen.

Trotzdem gibt es aber doch die sogenannte Erbengeneration?

Die Zahl derer, die Relevantes erben, ist deutlich geringer, als viele denken. Natürlich wird in Deutschland wahnsinnig viel vererbt, aber es sind relativ viele kleine Beträge. Nur eine ganz kleine Prozentzahl erbt wirklich ein Vermögen. Um auf die Vorurteile zurückzukommen: Grundsätzlich ist Erben natürlich auch eine Vorsorge für die Familie. Diesen Gedanken finde ich alles andere als schlecht. In den älteren Generationen hieß es immer wieder, dass es die Kinder mal besser haben sollen. Dies gilt nach wie vor in allen Milieus und ist ohne Zweifel eine Triebfeder des Handelns. Wenn man erben so betrachtet, ist das eine hochkonstruktive Angelegenheit.

So legen Vermögende ihr Geld an

Ab wann ist man „vermögend“?

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln gehört man bereits mit einem Nettovermögen von rund 261.000 Euro zum reichsten Zehntel der erwachsenen Bevölkerung. Das bedeutet, dass 6,7 Millionen Menschen in Deutschland vermögend sind. Durchschnittlich kommen sie auf ein Nettovermögen von 639.000 Euro je Erwachsener.

Wie viel Vermögen hat der deutsche Durchschnittsbürger?

Das durchschnittliche Nettovermögen beträgt 115.000 Euro.

Wie viele Millionäre gibt es in Deutschland?

Über ein Nettovermögen von mindestens 1 Million Euro verfügt nur ein Prozent der Erwachsenen, das sind rund 670.000 Menschen.

Wie wird man reich?

Ein Blick auf die Altersstruktur der Vermögenden zeigt: Reichsein ist häufig das Ergebnis eines Lebenswerkes. Fast drei Viertel des reichsten Bevölkerungszehntels sind mindestens 50 Jahre alt, rund 40 Prozent sogar bereits in Rente. Und: Neben dem Alter ist vor allem der berufliche Status wichtig. Im vermögensstärksten Zehntel sind gut 21 Prozent Selbstständige – dreimal so viel wie in der gesamten Bevölkerung.

Wie legen Vermögende ihr Geld an?

Durchschnittlich hat ein Vermögender in Deutschland 41.000 Euro auf dem Sparkonto, 16.000 Euro Fondsanteile sowie 11.500 Euro in Anleihen und 12.000 Euro in Aktien. Außerdem sind 199.000 Euro im Eigenheim angelegt und 202.000 Euro in sonstigen, beispielsweise vermieteten Immobilien.

Wie legt der Durchschnittsdeutsche sein Geld an?

Der durchschnittliche Erwachsene hat 12.000 Euro auf dem Sparkonto, 3.000 Euro Fondsanteile, 1.500 Euro Anleihen und 2.000 Euro Aktien sowie 54.000 Euro im Eigenheim und 27.000 in sonstigen, beispielsweise vermieteten Immobilien angelegt.

Aber so läuft es nicht immer.

Wenn ich darunter allerdings verstehe, das Geld weitergeschoben wird, damit die Erben auf den Putz hauen können, entspricht das sicherlich nicht unserem Fairness-Gedanken. In der Öffentlichkeit werden natürlich diese Erben – denken Sie nur an Paris Hilton – viel stärker wahrgenommen als die Tausenden von Erben, die verantwortlich mit ihrem Erbe umgehen und beispielsweise eine Firma weiterführen. Es sei hier gesagt, dass man auch die unternehmerische Kompetenz von Frau Hilton nicht unterschätzen sollte.

Reichtum verpflichtet?
Ohne Wenn und Aber. Dennoch können wir das Leben der wirklichen Superreichen kaum beurteilen.  Wichtig ist zu wissen, dass die, die medial als Reiche dargestellt werden, in den meisten Fällen leider Karikaturen sind. Wenn wir uns die 130 reichsten Deutschen im Manager Magazin anschauen, dann haben wir 90 Prozent der Namen noch nie gehört. Darauf legen diese Menschen auch großen Wert. Oberflächlicher Reichtum als Mythos ist gefährlich. Denken Sie nur an all die jungen Leute, die glauben und hoffen mit einem TV-Auftritt reich und berühmt werden zu können. Dieser Trugschluss ist tragisch.

Könnten diese jungen Menschen mit echtem Reichtum überhaupt umgehen?
Wenn man verfolgt, was aus Popstar-Karrieren oder aus Lottogewinnern wird, wohl eher nicht. Bei letzteren wissen wir es wissenschaftlich genau: 75 Prozent der Lotto-Gewinner über eine Million sind nach vier Jahren pleite. Der Traum vom Lotto-Gewinn wird meistens zum Albtraum, wenn er wahr wird. Geld ist eine schwierige Materie.

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