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06.12.2018

17:23

Aufnahmestopp

Immer mehr Pensionskassen geraten unter Druck

Von: Christian Schnell

Drei Pensionskassen sind in ernsten finanziellen Problemen. Die Finanzaufsicht fordert jetzt ein Einschreiten der Träger. Diese schieben sich jedoch häufig gegenseitig die Verantwortung zu.

Die Finanzaufsicht sieht Probleme bei mehreren Pensionskassen. Reuters

Bafin in Bonn

Die Finanzaufsicht sieht Probleme bei mehreren Pensionskassen.

MünchenDass es um etliche Pensionskassen in Deutschland nicht gut steht, war spätestens seit dem spektakulären Aufruf der Finanzaufsicht Bafin im Mai bekannt. Es zeichne sich ab, dass bei einem Anhalten der Niedrigzinsphase einige Pensionskassen Mittel von Dritten benötigen, sagte Frank Grund, der Leiter der Versicherungsaufsicht. Drei der 136 deutschen Pensionskassen hätten schon zum Jahresende 2017 die Kapitalanforderungen nicht erfüllt. Namen wollte er damals noch keine nennen – jetzt kommen sie zum Vorschein.

So darf die Pensionskasse der Caritas seit Ende Oktober keine neuen Verträge mehr abschließen, bestehende erhöhen oder weitere Personen aufnehmen. Das wurde ihr von der Bafin untersagt, die einen Sanierungsplan als unzureichend ablehnte. Es ist die härteste Form der Abstrafung durch die Aufseher.

Auch deren Schwesterunternehmen, die Kölner Pensionskasse, ist betroffen. Sie darf seit September kein Neugeschäft mehr betreiben. Allerdings läuft hier aktuell noch eine Widerspruchfrist gegen den Bescheid. Ob ihr ein ähnliches Schicksal wie der Pensionskasse der Caritas droht, ist damit noch offen.

Mit finanziellen Schwierigkeiten kämpft auch die Deutsche Steuerberater-Versicherung, die Pensionskasse der steuerberatenden Berufe. Sie hat in dieser Woche gemeldet, dass der Jahresabschluss und der Lagebericht für das Jahr 2017 noch einmal geändert wurden.

Zwei Zahlen zeigen das ganze Dilemma: Zum 31. Dezember 2017 beträgt die Solvabilitäts-Kapitalanforderung in diesem Fall nun 39,7 Millionen Euro. Die gesamten Eigenmittel belaufen sich zu diesem Stichtag aber lediglich auf 21,96 Millionen Euro. Es fehlten somit rund 17,8 Millionen Euro in der Kasse, nur knapp mehr als die Hälfte der Verpflichtungen waren vor einem Jahr gedeckt.

Dass es mit einem ähnlichen Missverhältnis auch in diesem Jahr weitergehen wird, lässt sich bereits erahnen. „Es droht weiterhin die Nichtbedeckung der Mindestkapitalanforderung zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2018“, heißt es wörtlich in einer Meldung des Hauses.

Nun sind alle drei Häuser in intensivem Kontakt mit den Aufsehern der Bafin. Letztlich geht es in allen Fällen darum, dass die Träger frisches Geld überweisen, damit die Pensionskassen weiterhin ihren Verpflichtungen nachkommen.

Bei der Pensionskasse der BASF ist genau das passiert. Dort hatte das weltgrößte Chemie-Unternehmen 317 Millionen Euro überwiesen, um die finanzielle Schieflage der hauseigenen Kasse auszugleichen.

Bei den jetzt betroffenen Pensionskassen ist das nicht ganz so einfach, da die Trägerschaft sehr heterogen ist. Unter dem Dach der Pensionskasse der Caritas sind beispielsweise etliche Einrichtungen der katholischen Kirche vertreten. Die hätten sich zuletzt nicht darauf einigen können, wer mit welchem Anteil zur Hilfe kommt.

„Beim Thema Geld hört die Nächstenliebe ganz schnell auf“, war von einem Insider zu hören. Ähnlich verhält es sich bei den Steuerberatern. Die Branche ist sehr zersplittert in einzelne Freiberufler und kleine Sozietäten.

Generell haben die 136 deutschen Pensionskassen zuletzt aber erkannt, dass sie etwas für ihre Kapitalausstattung tun müssen. Standen im Frühjahr noch 45 Unternehmen unter intensivierter Aufsicht der Bafin, so sind es jetzt nur noch 31.

Die Solvabilitätsquote, mit der die Kapitalausstattung der Branche gemessen wird, lag im Schnitt Ende vergangenen Jahres bei 131 Prozent. Es war somit generell 1,3 mal mehr in der Kasse, als an Verpflichtungen gegenüber stand.

Bedeutende Lebensversicherer wie die Allianz meldeten zuletzt bei der Kapitalausstattung freilich eine Quote von 229 Prozent.

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