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25.04.2017

14:10 Uhr

Bei Super-GAU

Atomkraftwerke unzureichend versichert

Eine Studie zeigt: Die Kernkraftwerke in Deutschlands Nachbarländern wären bei einem Super-GAU nur unzureichend vor den Folgen versichert. Internationale Haftungsgrenzen sind demnach viel zu gering angesetzt.

Dampf steigt aus dem Atomkraftwerk Tihange in Belgien. Das Kraftwerk gilt als pannenanfällig. Deutschlands Nachbarländer setzen nach wie vor auf Atomstrom. dpa

Atomkraftwerk Tihange

Dampf steigt aus dem Atomkraftwerk Tihange in Belgien. Das Kraftwerk gilt als pannenanfällig. Deutschlands Nachbarländer setzen nach wie vor auf Atomstrom.

BerlinFür die enormen Kosten eines schweren Atomunfalls sind die Kernkraftwerke in Deutschlands Nachbarländern einer Studie zufolge nicht ausreichend versichert. Die wahrscheinlichen Kosten eines Super-GAUs in Europa lägen bei 100 bis 430 Milliarden Euro, heißt es einer Analyse des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag des Ökoenergieanbieters Greenpeace Energy. Die international vereinbarte „Haftungs- und Deckungsvorsorge“ sei aber meist auf dreistellige Millionenbeträge begrenzt. Damit würden die Kosten die Haftungsgrenzen um das Hundert- bis Tausendfache überschreiten.

So erforderten in Paris, Brüssel und Wien geschlossene Haftungsübereinkommen Deckungsvorsorgen von maximal 381 Millionen Euro. Die höchsten vom Kraftwerksbetreiber vorzuhaltenden Vorsorgesummen in Belgien, den Niederlanden und der Schweiz betrügen jeweils rund eine Milliarde Euro. Zudem sei in allen europäischen Staaten außer Deutschland und der Schweiz die Haftung der Kraftwerksbetreiber begrenzt. Laut FÖS-Studie besteht weltweit jedes Jahr eine Wahrscheinlichkeit von einem Prozent, dass ein nuklearer Unfall mit einem Schaden von mindestens 312 Milliarden Euro eintritt.

Sicher, sauber und bezahlbar: So soll die Energiewende aussehen

Drei Ziele

Die Energiewende wurde 2011 nach der Atomkatastrophe von Fukushima ausgerufen. Die drei Ziele: sicher, sauber, bezahlbar.

Atomausstieg

Acht Atomkraftwerke wurden sofort stillgelegt, im Sommer 2015 folgte das bayerische AKW Grafenrheinfeld. Die letzten Meiler sollen 2022 vom Netz gehen.

Ökostrom

Der Ökostrom-Anteil an der Versorgung soll 2025 bis zu 45 Prozent betragen.

Klimaschutz

Der Treibhausgasausstoß soll bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken, bis 2050 sogar um 80-95 Prozent. Erreicht wurden bis 2014 aber nur 27,7 Prozent Minderung.

Netze

Windstrom muss vom Norden in den Süden, aber oberirdische Hochspannungsleitungen sind bei Anwohnern unbeliebt. Wenn die Netze überlastet sind, müssen die Verbraucher für den Ausfall der Produktion aufkommen – der Netzausbau ist deshalb ein Zankapfel.
(Quelle: dpa)

In Deutschland geht 2022 das letzte Atomkraftwerk vom Netz. Viele Nachbarländer setzen aber weiter auf Atomkraft. Anlagen nahe der deutschen Grenze, etwa Tihange und Doel in Belgien oder Fessenheim in Frankreich, machen immer wieder mit Problemen Schlagzeilen.

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Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Hofmann Marc

25.04.2017, 14:47 Uhr

Eine Studie, die von Anti-Kernkraft Lobbyisten und damit von Anti-Wissenschaftler in Auftrag und erstellt worden ist!
Die größte Gefahre für unser Leben und unseren Wohlstand in Europa sind die Wissenschaftsfeindlichen Anti-Kernkraft, und Anti-CO2 Nicht Regierung Mafiaorganisationen von den Grünen über die Linken und den WWF bis hin zu Greenpeace und Co.

Herr Holger Narrog

25.04.2017, 14:55 Uhr

Faszinierend ist das bei Atomartikeln regelmässig anstelle fachlich kompetenter Organisationen Ökoorganisationen als Quelle dienen.

Grundsätzlich ist es nicht sinnvoll Infrastruktureinrichtungen wie Stauseen, Kernkraftwerke etc. hoch zu versichern. Die Schadenhäufigkeit ist gering, die Schadenshöhe hoch. Dies schätzen Versicherungen nicht. Sinnvoller ist wenn der Staat, der jährlich Steuereinnahmen in 2-3 stelliger Millionenhöhe aus einem KKW erzielt, die Schäden trägt. Die Staaten beeinflussen im Fall der KKW den Schaden durch ihre Anordnungen massgeblich.

Kernenergie und radioaktive Strahlung löst neben sachlichen Erwägungen in vielen Altindustriestaaten religiöse Atomstrahlenängste aus. Der Grund ist das man Strahlung nicht sehen kann. Die Qualitätsmedien berichten unter zur Hilfenahme nicht seriöser Quellen sehr phantasievoll, die Leser fügen ihre eigene Phantasie hinzu. Das hat zur Konsequenz dass Kernkraftunfälle sachlich nicht gerechtfertigte, ökoreligiös motivierte Schäden verursachen.

Die Kernschmelze, GAU, im Kernkraftwerk TMI (Harrisburg) 1979 verursachte Kosten von 2 Mrd. $, die Hälfte für das nagelneue Kernkraftwerk. Es gab Kontaminationen im Umfeld des KKW. Die US Behörden reagierten relativ sachlich. Auf sinnlose, grossflächige Umsiedlungen wurde verzichtet.

Der GAU in Fukushima kann dagegen Kosten von bis zu 200 Mrd. $ verursachen. Die eigentlich bettroffenen Reaktorblöcke waren alt, ein Block stand zur Stilllegung an. Damit dürfte der sachlich unvermeidbare Schaden im 1-stelligen Milliardenbereich liegen. Allerdings wurden grossflächige sachlich nicht gerechtfertigte Evakuierungen vorgenommen, Erdboden abgetragen der nur sehr schwach kontaminiert war (Kritik IAEA). Lebensmittel wurden sinnlos vernichtet. Die Kernkraftwerke Japans stehen mit wenigen Ausnahmen still.

In Deutschland wäre gleichfalls mit einer sachlich nicht gerechtfertigten Atompanik zu rechnen.

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