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08.08.2019

12:59

Halbjahreszahlen

Der Allianz-Rivale Zurich übertrifft die Erwartungen der Börse

Von: Michael Brächer

Der Schweizer Versicherungskonzern Zurich hat im ersten Halbjahr rund zwei Milliarden Dollar verdient. Firmenchef Mario Greco sieht sich dadurch gestärkt.

Der Allianz-Rivale Zurich übertrifft die Erwartungen der Börse dpa

Zurich Insurance Group

Ihre selbst gesteckten Ziele dürften die Schweizer in diesem Jahr übertreffen.

Zürich Mario Greco hat einen Lauf: Der CEO der Versicherungsgruppe Zurich verkündete für das erste Halbjahr einen Gewinn von 2,04 Milliarden Dollar – das waren 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Erwartungen der Börse haben die Schweizer damit übertroffen. Und die selbst gesteckten Finanzziele des Allianz-Konkurrenten will Greco in diesem Jahr nicht nur erreichen, sondern übertreffen.

Mit dem Halbjahresergebnis zeigte sich der Zurich-Chef „sehr zufrieden“. Der dreijährige Umbau des Konzerns sei ein Erfolg. „Wir haben ein völlig anderes Risikoprofil, wir konnten die Kosten senken und haben zugleich in neue Plattformen und Technologien investiert“, sagte Greco im Gespräch mit dem Handelsblatt. Was die künftigen Ziele des Konzerns betrifft, will sich der Zurich-Chef aber noch nicht in die Karten schauen lassen.

Den größten Beitrag zu den Einnahmen liefern bei Zurich die Schaden- und Unfallversicherungen. Dort sank der sogenannte Schaden-Kosten-Satz in der ersten Jahreshälfte um 2,4 Prozentpunkte auf 95,1 Prozent. Laut Zurich handelte es sich dabei um den tiefsten Wert seit zehn Jahren. Bei einem Wert niedriger als 100 bleibt Geld in der Kasse des Versicherers hängen. Je niedriger der Wert ist, desto besser. Dabei profitierten die Schweizer auch davon, dass es weniger Naturkatastrophen gab als im Vorjahr.

Der deutsche Markt entwickelt sich laut Firmenchef Greco positiv: „Das Geschäft in Deutschland verbessert sich, worüber ich sehr froh bin.“

Die Schweizer hatten ihre Deutschland-Sparte umgebaut und das Management ausgetauscht. Seit Februar 2018 führt Carsten Schildknecht die Deutschland-Tochter des Konzerns. Dort sei Zurich neue Partnerschaften eingegangen und habe die Beziehung zur Deutschen Bank „revitalisiert“, so Greco. Beide Konzerne verbindet eine Vertriebspartnerschaft.

Dass die Deutsche Bank selbst mitten in einem großangelegten Umbau steckt, sieht er gelassen: „Wir haben ein sehr enges Verhältnis, und das Geschäft wächst.“

Rätselraten über die kommenden Ziele

Ihre selbst gesteckten Ziele dürften die Schweizer in diesem Jahr übertreffen. So will der Konzern die Kosten bis Ende des Jahres um insgesamt 1,5 Milliarden Dollar reduzieren – 1,3 Milliarden der geplanten Einsparungen konnten bereits umgesetzt werden. Auch die Rendite, bezogen auf den Betriebsgewinn, liegt mit 15 Prozent über dem angepeilten Zwölf-Prozent-Ziel. Bei den kumulierten Mittelzuflüssen dürfte das Jahresziel von 9,5 Milliarden Dollar ebenfalls übertroffen werden.

An der Börse wurden die Ergebnisse des Konzerns positiv aufgenommen: Am Vormittag legte der Kurs der Zurich-Papiere um rund vier Prozent zu. Der Versicherer sei auf gutem Weg, seine Ziele zu erreichen, urteilt ZKB-Analyst Georg Marti. „Es ist zu erwarten, dass sich Zurich Insurance für die kommenden drei Jahre die Messlatte klar höher setzen wird.“

Welche strategischen Ziele sich der Konzern in Zukunft vornimmt, will CEO Greco erst auf dem Investorentag im November verraten. „Ich verstehe, dass die Leute das wissen wollen, aber da müssen Sie sich noch etwas gedulden“, sagte Greco. Man sei sich der hohen Erwartungen bewusst. „Aber wenn wir etwas ankündigen, machen wir es auch.“

Dass sich die globale Konjunktur eintrübt, verfolgt der Zurich-Chef mit Sorge. Der Versicherer sei jedoch robust aufgestellt. Das Ergebnis hänge anders als bei manchem Konkurrenten kaum von den Finanzmärkten ab. „Das beschäftigt uns als Bürger mehr denn als Versicherer“, sagte Greco.

Aber eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums sei natürlich auch für den Konzern nicht ganz ohne Folgen. Viele Regierungen gingen die Wachstumsprobleme nicht entschieden genug an, sagte Greco. Zugleich bringe die Niedrigzinspolitik der Notenbanken nicht die erhoffte langfristige Abhilfe. 

Angesichts der schwierigen Lage plädiert der Zurich-Chef für mehr Investitionen durch die öffentliche Hand: „Die Welt verändert sich, und Europa investiert nicht genug, um dabei an der Spitze zu bleiben.“

Auch der Klimawandel treibt die Schweizer um: Im Juni hatte der Versicherer die UN-Verpflichtung zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs unterzeichnet. Als Versicherer sehe man die verheerenden Folgen des Klimawandels aus erster Hand, heißt es bei dem Konzern.

Der Versicherer achte nicht nur im eigenen Haus auf mehr Nachhaltigkeit, so Greco – sondern auch bei den Kunden. „Wir prüfen, wie nachhaltig die Firmen wirtschaften, die wir versichern.“ Notfalls sei man bereit, sich von Kunden zu trennen. „Wenn wir herausfinden, dass es in einer Firma keine Kultur für Nachhaltigkeit gibt, und keine Pläne, sich zu verbessern, dann gehen wir.“

Dass der menschgemachte Klimawandel noch immer von Skeptikern bezweifelt wird, lässt den Zurich-Chef kalt: „Ich muss niemanden überzeugen“, sagte Greco. Der Klimawandel sei offensichtlich, die Forschungslage eindeutig. „Selbst am letzten Tag auf diesem Planeten wird es noch Menschen geben, die behaupten werden, dass sich das Klima nicht verändert hat. Wir müssen jetzt handeln.“

Mehr: Mario Greco sieht die Branche vor gewaltigen Herausforderungen. Der Chef des Versicherers Zurich spricht im Interview über Digitalisierung, Zukäufe und Globalisierung.

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