Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

23.08.2017

11:28

Krankenversicherung

Zwei-Klassen-Gesellschaft der Privatkassen wächst

Von: Carsten Herz

Die Kluft unter den privaten Krankenversicherern wächst. Die Branche teilt sich auf in Gewinner und Verlierer, was die politische Debatte befeuert. Schuld sind die Niedrigzinsen. Vor allem der Marktführer setzt sich ab.

Die private Krankenversicherung gerät zunehmend unter Kostendruck. dpa

Stethoskop

Die private Krankenversicherung gerät zunehmend unter Kostendruck.

Frankfurt Sie gelten als die bessere, aber teurere Welt des Gesundheitswesens: die privaten Krankenversicherer. Wer mit einer privaten Police ausgestattet ist, wird häufig im Wartezimmer bevorzugt, erhält mehr Aufmerksamkeit vom Arzt und wird im Krankheitsfall mit Luxus verwöhnt - so lautet das gängige Klischee. Doch das vermeintliche Paradies der Krankenversicherung stößt inzwischen immer deutlicher an seine Grenzen. Massive Beitragssteigerungen, Niedrigzinsen und Kritik aus der Politik: Die privaten Krankenversicherer haben seit längerem zu kämpfen.

Wie schwierig das Umfeld für die Unternehmen geworden ist, beweist jetzt der neue Report des Branchendienstes Map zur Bilanzanalyse der Branche. Die Kluft zwischen den Anbietern geht danach immer weiter auseinander. Es „wird sichtbar, wie die Gesellschaften weiter auseinander driften und sich zunehmend in schrumpfende, stagnierende und wachsende Unternehmen unterteilen“, lautet die knappe Analyse der Experten.

Private Krankenversicherung: Hamburg lotst Beamte in GKV

Private Krankenversicherung

Hamburg lotst Beamte in GKV

Die SPD verspricht im Wahlprogramm Beamten bundesweit ein Wahlrecht für die gesetzliche Kasse. Hamburgs Senat setzt die Idee für Landesbeamte schon mal um. Die Bundes-SPD ist begeistert – der Beamtenbund ist empört.

Die Zwei-Klassengesellschaft ist da: Das Neugeschäft in der politisch umkämpften Branche schwächelt im Schnitt bereits seit fünf Jahren. Allerdings verliert die Talfahrt allmählich an Schwung: „2016 gelang es den privaten Krankenversicherern, den Bestandsabrieb in der Vollkostenversicherung deutlich zu reduzieren“, heißt es in dem Report. Denn im vergangenen Jahr ging der Bestand netto nur um 14.600 Kunden zurück, 2015 waren es noch 47.200. Doch der Kundenexodus trifft nicht alle Versicherer gleichermaßen. Zwischen den einzelnen Unternehmen gibt es große Unterschiede – und die Kluft wird immer größer.

Zu den großen Gewinnern zählt demnach die auf Beamte spezialisierte Debeka, mit einem Plus von knapp 33.000 Kunden für das vergangene Jahr. Aber auch Hansemerkur mit einem Plus von rund 7400 Kunden, Huk-Coburg mit 4600 Kunden sowie Signal (3670 Kunden) sowie Axa (2900 Kunden) legten gegen den Trend zu.

Gewinner und Verlierer: Veränderung der verdienten Bruttobeiträge in 2016

Top 5

Envivas:

104 Millionen Euro Beitragseinnahmen – plus 7,5 Prozent

Top 4

R+V Versicherung:

506 Millionen Euro Beitragseinnahmen – plus 8,5 Prozent

Top 3

Concordia:

54 Millionen Euro Beitragseinnahmen – plus 8,6 Prozent

Top 2

Württembergische:

216 Millionen Euro Beitragseinnahmen – plus 9,1 Prozent

Top 1

Mecklenburgische:

18 Millionen Euro Beitragseinnahmen – Plus 9,1 Prozent

Flop 5

Gothaer:

824 Millionen Euro Beitragseinnahmen – minus 0,5 Prozent

Flop 4

Signal:

2,0 Milliarden Euro Beitragseinnahmen – minus 0,6 Prozent

Flop 3

Deutscher Ring:

651 Millionen Euro Beitragseinnahmen – minus 1,7 Prozent

Flop 2

Central:

1,9 Milliarden Euro Beitragseinnahmen – minus 2,16 Prozent

Flop 1

Hansemerkur:

1,15 Milliarden Euro Beitragseinnahmen – minus 2,18 Prozent

Zwölf der 33 Anbieter mit Vollversicherten in den Büchern konnten laut dem Report die Bestände ausbauen. Doch es gibt auch Verlierer. „Den größten Bestandsabrieb mussten wie in den Vorjahren die DKV (minus 18.899), Central (minus 11.531) und Allianz (minus 9.620) verkraften“, heißt es in dem Bericht. Ein schwacher Trost: Die Bestandsverluste seien dabei jedoch deutlich geringer als noch im Vorjahr ausgefallen.

Für viele private Krankenversicherer wird die Lage damit immer unangenehmer. Denn hinzu kommt, dass die allgemeine Zinsentwicklung immer stärker auf die Kunden der privaten Krankenversicherer durchschlägt, wie es in der Analyse heißt. Für die Branche werde es „zunehmend schwieriger, einen ausreichenden Zinssatz zu erzielen“. Deutlich zeigt sich diese Entwicklung am Rückgang der laufenden Durchschnittsverzinsung.

Handelsblatt Premium

Kommentare (16)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Günther Reinelt

23.08.2017, 11:49 Uhr

Natürlich kommen solche Meldungen nicht zufällig vor der Wahl. Aber dass sich ausgerechnet der ewig in der zweiten oder dritten Reihe darbende Professor Lauterbach so aufspielt, ist schon bemerkenswert. Lauterbachs unerträgliche ideologische Hetze gegen 9 Millionen Privatversicherte ist genauso unverschämt wie die Treibjagd auf Dieselfahrer. Es muss für alle, die etwas Erlaubtes nutzen, auch Vertrauensschutz gelten. Und zwar auch für das System. Das gezielte Austrocknen der PKV hat aber mit Vertrauensschutz gar nichts zu tun. Theoretiker wie den Linkspopulisten Lauterbach in seiner Professorenhängematte mit Mandat braucht dieses Land nun wirklich überhaupt nicht.

Herr peter gramm

23.08.2017, 14:40 Uhr

die privaten Krankenversicherer sind doch lediglich ein Finanzierungsinstrument für nieder gelassene Ärzte und Krankenhäuser. Der abzurechnende Steigerungsfaktor macht es möglich. Alleine das Begrüßungsgeld beträgt schon mal 230% der gesetzlichen Gebühr. Alle anderen auch vom Chefarzt gar nie erbrachten Leistungen werden üppig honoriert abgerechnet. Eine Gruppe von Asistenzärzten erbringt die Leistung, der Chef darf dann abrechnen. Bei den niedergelassenen Ärzten sieht es ähnlich aus nur mit dem Unterschied dass dort die Leistung angeblich so viel mehr Wert sein soll. Richtig ist, dass man als Privatpatient schneller einen Termin bekommt. Was ein Wunder. Der Herr Doktor kommt schneller an mehr Kohle für dieselbe Leistung. Der Privatpatient ist ein Finanzier von vielen niedergelassenen Ärzten die ohne Privatpatienten sicherlich Einkommensprobleme hätten. Der Gekniffene ist der Privatpatient, der aufgrund der gesetzlich verordneten Versicheurngspflicht seitens der Privatversicherer ausgenommen werden kann wie eine Weihnachtsgans und sich dagegen nicht wehren kann. Den Überversorgten und gepamperten Politiker sei Dank. Sie schaffen halt gerne an ohne zu sagen woher die Betroffenen die Mittel dafür nehmen sollen. Die Zuwachsrate bei den Notlagentarifen legt Zeugnis davon ab. Der Zwang in unserer ach so freien und sozialen Marktwirtschaft steht lediglich noch auf dem Papier. Alle Nutzniesser dieses maroden Systems bis hin zur Pharmaindustrie freut es. Alles was von Politikern den Leuten übergestülpt wird und wurde ist immer nur ineffizient und teuer. Ob Gesundheitswesen, öffentl. recht. Rundfunk und Fernsehen, der ganze Kammernklamauk, das Steuerwesen und die genzen Berater drum herum, das ganze Justiz -und Anwaltswesen u.a.m..

Herr F. Gessw.

23.08.2017, 16:25 Uhr

Na, bei den beiden Vorgänger-Kommentaren muss doch aber noch einer hierhin, der den "armen Privatpatienten" (nur zur Erinnerung, das sind die gesunden Gutverdiener, die sich bewusst dafür entscheiden mussten!; die anderen kamen bis bis vor kurzem ja gar nicht da rein) nochmal ein wenig ins richtige Licht rückt.

Wer trocknet denn gezielt die PKV aus? Wie denn?? Die dürfen Ihre Beiträge selber festlegen, ihre Risiken auswählen und bei Nichtzahlung der Beiträge sogar de facto rauswerfen; und kommen trotzdem mit dem Geld nicht aus!

Niemand hetzt gegen Privatversicherte; und es hetzt auch niemand gegen Dieselfahrer (ja, leidtragend, sollten auch entschädigt werden, aber das ist ein anderes Thema), um das zu sehen, muss man schon ziemlich verbohrt sein. Aber Privatversicherte (genauer: Privat Vollversicherte) haben jahrelang bessere Leistungen für weniger Geld bekommen; das darf man auch mal wieder abstellen. Dadurch ist niemand gekniffen, es wird nur eine Ungerechtigkeit beseitigt. Die Gutverdiener, die weiterhin privat versichert sein wollen, dürfen gerne nach Ihrem Beitrag zum Allgemeinwohl über das gesetzliche System noch zusätzlich Geld für bessere Versorgung investieren. Das wäre gerecht.

Wenn man die PKV abschaffen würde, wäre nicht weniger Geld im System, sondern mehr. Auch ohne eine ebenso notwendige Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze. Bei gleicher Anzahl Personen (und damit Krankheiten) sehe ich keine Einbußen für Ärzte oder Krankenhäuser insgesamt. Klar, es verteilt sich ein wenig anders - aber Ärzte, die bisher nur Privatpatienten behandelt haben, dürfen, nichts für ungut, auch ruhig mal ein bißchen mehr arbeiten.

Dass Herr Gramm direkt das ganze Gesundheits-, Steuer- und Justizwesen abschaffen möchte, ist dermaßen verstrahlt, dass ich nicht mehr drauf eingehen werde. Ja, GEZ nervt, vieles könnte besser laufen, Politker machen Fehler und sind stellenweise schlicht korrupt - aber etwas mehr Maß und Reflektion täte Ihnen definitiv gut.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×