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11.09.2017

10:37 Uhr

Rückversicherer-Konferenz

Irma kostet die Versicherer Milliarden

VonCarsten Herz

Hurrikan „Irma“ könnte die Versicherer bis zu 40 Milliarden Dollar kosten. Diese Schadenbilanz wird Thema sein, wenn sich in Monte Carlo die großen Rückversicherer beraten. Zwei Topmanager schildern ihre Erwartungen.

Carsten Herz beim Branchentreffen der Rückversicherer

„Die kalkulierten Schäden sind auf 40 Milliarden Dollar gesunken“

Carsten Herz beim Branchentreffen der Rückversicherer: „Die kalkulierten Schäden sind auf 40 Milliarden Dollar gesunken“

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Monte-CarloHurrikan „Irma“ wütet in Florida – und verursacht hohe Kosten für die Versicherungsbranche. Die versicherten Schäden in den USA könnten zwischen 20 und 40 Milliarden Dollar liegen, erklärte der Fachdienst Air Worldwide in einer aktualisierten Schätzung. Auch die Ratingagentur Moody's und der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück gehen von erheblichen Schäden für die Branche aus. Unter dem Eindruck der Verwüstung ist in Monte Carlo der Branchentreff der Rückversicherungsbranche gestartet. „Irma“ und die Folgen ist das beherrschende Thema in den Hotels und Konferenzräumen an der Côte d'Azur.

Rund 3000 Manager, Experten und Berater kommen in Südfrankreich zusammen, um über die Preise der Rückversicherer für das Jahr 2018 zu reden. Dem Handelsblatt vertrauten zwei Topmanager – Jean-Jacques Henchoz, Chief Executive Officer von Swiss Re, sowie Torsten Jeworrek, der zuständige Vorstand des Dax-30-Konzerns Munich Re – vorab an, mit welchen Erwartungen sie in die Gespräche im Fürstentum gehen.

Was wird das vorherrschende Thema in Monte Carlo sein?

Henchoz: Die Nachwirkungen von „Harvey“ und „Irma“ werden ein wichtiges Thema sein. „Harvey“ hat uns vor Augen geführt, dass ein Bedarf besteht, Deckungslücken zu schließen und „Irma“ könnte signifikante Auswirkungen auf die Branche haben. Zudem erwarten wir, dass das sich verändernde Marktumfeld und das Tempo dieser Veränderungen für Gesprächsstoff sorgen werden. Beides wirkt sich auf die Strategien unserer Kunden aus. Denn diese wenden sich heute neuen Technologien zu, um ihr Versicherungsgeschäft entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu optimieren. Dazu gehören auch Themen wie Konsumentenbindung, risikoadäquate Preisabstimmung, die Administration sowie die Schadenbearbeitung. Die Nachfrage steigt nach maßgeschneiderten und schlüsselfertigen Lösungen und Dienstleistungen, die über das traditionelle Kerngeschäft der Rückversicherung hinausgehen.

Jeworrek: Solche Hurrikane verdeutlichen die enorme Volatilität in diesem Geschäft, das nur mit nachhaltig adäquaten Preisen profitabel gezeichnet werden kann. Doch meiner Meinung nach haben wir viel wichtigere Zukunftsthemen zu besprechen. Zum Beispiel: Wie können wir Versicherungslücken bei Naturkatastrophen schließen und so zu mehr Widerstandsfähigkeit von Staaten beitragen? Wie können wir den technologischen Fortschritt nutzen und gleichzeitig seine Risiken mit neuen Deckungen begrenzen? Wie erschließen wir uns neue Kundengruppen?

Die größten Rückversicherer der Welt

Platz 10

Partner Re: 5,2 (gebuchte Nettoprämien 2015 in Mrd. US-Dollar)

Platz 9

Everest Re: 5,4

Platz 8

China Re: 7,7

Platz 7

Reinsurance Group of America: 8,6

Platz 6

Lloyds: 10,0

Platz 5

Scor: 13,1

Platz 4

Berkshire Hathaway: 13,4

Platz 3

Hannover Rück: 16,1

Platz 2

Swiss Re: 30,4

Platz 1

Munich Re: 33,6


Wie würden Sie die Marktsituation für die Rückversicherer derzeit einschätzen?

Henchoz: Der Markt war in den letzten Jahren hart umkämpft und durch das Überangebot an Kapital ist die Profitabilität gesunken. Die Erstversicherer konnten vom aktuellen Marktzyklus profitieren, aber viele von ihnen schätzen auch langfristige Partnerschaften und wollen die Kontinuität in ihren Rückversicherungspanels sicherstellen. Um über den Zyklus hinweg profitabel zu bleiben, braucht es im heutigen Umfeld eine disziplinierte Underwriting-Strategie. „Harvey“ und „Irma“ erinnern uns einmal mehr daran, dass die Prämienniveaus auf die zugrunde liegenden Risiken abgestimmt sein müssen.

Jeworrek: Das Marktumfeld hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr wenig verändert: Es steht ausreichend Rückversicherungskapital zur Verfügung und die Preise sind in vielen Bereichen nach wie vor unter Druck, auch wenn der Druck langsam geringer wird. Dabei zeigt sich keine einheitliche Entwicklung weltweit, sondern in ausgewählten Märkten und Branchen gibt es noch lukratives Geschäft. Bemerkenswert ist auch, dass es selbst in entwickelten Märkten immer noch große Versicherungslücken gibt, zum Beispiel bei der Versicherung von Naturgefahren. Dies zeigt sich an öffentlich-privaten Partnerschaften, wie Flood Re in Großbritannien oder dem National Flood Insurance Program (NFIP) in den USA. Erst- und Rückversicherer beteiligen sich an solchen Pools mit ihrem Risikowissen, ihrer Kapazität und ihrer Vertriebsinfrastruktur. Auch in Schwellen- und Entwicklungsländern spielen solche Pools eine immer größere Rolle. Staaten transferieren Teile ihres Länderrisikos auf die Versicherung, um im Schadenfall schnell reagieren zu können und so die Schäden begrenzen zu können.

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