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13.10.2018

15:33 Uhr

Wer sich im Alter sein gewohntes finanzielles Niveau leisten will, wird neben Rentenzahlungen des Staats und über den Arbeitgeber auch Geld aus seinem Vermögen brauchen. dpa

Seniorinnen

Wer sich im Alter sein gewohntes finanzielles Niveau leisten will, wird neben Rentenzahlungen des Staats und über den Arbeitgeber auch Geld aus seinem Vermögen brauchen.

Altersvorsorge

Die verschiedenen Wege zur Extra-Rente

VonAnke Rezmer

Immer mehr Menschen werden im Alter von ihrem Ersparten leben müssen. Die Kunst ist, dem Vermögen etwas zu entnehmen, ohne dass es zu stark dezimiert wird.

FrankfurtEines scheint gewiss: Mehr gesetzliche Rente wird es künftig nicht geben. Aktuell beträgt bei langjähriger Einzahlung die typische Alterszahlung auf ein Durchschnittseinkommen gut 48 Prozent des letzten Gehalts vor dem Abzug von Steuern. Die Tendenz ist fallend – auch wenn die Regierungskoalition trefflich darüber streitet, wenigstens dieses Niveau noch eine Weile zu halten.

Wer sich also im Alter sein gewohntes finanzielles Niveau leisten will, wird neben Rentenzahlungen des Staats und über den Arbeitgeber auch Geld aus seinem Vermögen brauchen. Um dies möglichst kapitalschonend zu machen, empfehlen Finanzberater wie Verbraucherschützer einhellig Auszahlpläne über Fonds. Welche Art Zusatzeinkommen für den Einzelnen infrage kommt, hängt von dessen Zeithorizont, Bedarf und Nervenkostüm ab.

„Bevor angehende Rentner an einen konkreten Plan denken, müssen sie ein paar Kernfragen beantworten“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. So sollte sich jeder fragen, ob er eine lebenslange Auszahlung haben möchte oder ob es ihm reicht, wenn das Geld über einen bestimmten Zeitraum fließt. Die Antwort hängt ab vom Sicherheitsempfinden des Einzelnen, aber auch von der Höhe seines Vermögens.

„Wer eine Million Euro ausgeben kann, dessen Geld dürfte allemal reichen, vermutlich auch noch für die Erben“, meint Nauhauser. Aber das muss ein Senior entscheiden: Darf sein Kapital verzehrt werden, oder will er etwas vererben? Letztlich geht es um seinen Bedarf: Viele Menschen sagen konkret, dass sie zum Beispiel 300 Euro im Monat zusätzlich brauchen, ist die Erfahrung des Verbraucherschützers.

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Sofortrente: Wer die Gewissheit braucht, dass lebenslang Geld fließt, wird sich für eine Sofort- oder Leibrente entscheiden. Dafür gibt der angehende Rentner einer Versicherung einen bestimmten Kapitalbetrag. Diese verzinst das Kapital und zahlt es in Etappen wieder aus. Der Versicherte bekommt bis zum Lebensende eine feste monatliche Summe. „Das ist eine sichere und bequeme, aber auch teure Lösung“, sagt Wolfgang Degenkolb, Leiter Vertrieb Private Kunden bei der Frankfurter Sparkasse (Fraspa). Die Versicherer rechnen neben Verwaltungskosten einen Sicherheitspuffer ein, um die Rente bis zum Lebensende garantieren zu können. Hinzu kommt manchmal ein Todesfallschutz für Angehörige, der auch Geld kostet. Aber wem Sicherheit wichtig sei, der bekomme so „vorkonfektionierte, verlässliche“ Angebote, resümiert Degenkolb. Man muss aber rund 90 Jahre alt werden, um wenigstens seine Einzahlungen zurückzuerhalten. Auch legen die Versicherer ihr Geld vor allem am Anleihemarkt an, der aktuell wenig Rendite abwirft.

Sparpläne: Wer keine lebenslange Garantie will, aber auch keine Wertschwankungen verträgt, kann eine Bank bitten, ihm eine angesparte Kapitalsumme regelmäßig auszuzahlen. Solche Bankauszahl- oder Entnahmepläne haben derzeit ein Manko: Real, also nach Abzug von Inflation, verbrennt der Sparer Geld. Banken zahlen nominal bis zu 1,25 Prozent Zinsen für eine Laufzeit von zehn Jahren, wie der Frankfurter Finanzdienst FMH-Finanzberatung feststellt (Grafik). Die Inflation lag zuletzt mit zwei Prozent deutlich höher. „Entnahmepläne sind unlukrativ geworden“, konstatiert daher Degenkolb von der Fraspa. Zu den besten Angeboten zählt FMH den Auszahlplan des Absatzfinanzierers Gefa Bank. Dort kann sich ein Sparer beispielsweise fünf Jahre lang jeden Monat 339 Euro auszahlen lassen, das verzehrt bei 1,25 Prozent Zinsen 20 000 Euro. Zehn Jahre lang 443 Euro verschlingen 50 000 Euro an Kapital.

Viele Neurentner planen zunächst bis zum Ende des 85. Lebensjahres. „Nicht wenige fühlen sich sogar damit wohl, zunächst die kommenden fünf bis zehn Jahre zu regeln“, sagt Nauhauser. Ein Grund dürfte sein, dass der persönliche Finanzbedarf über Jahrzehnte hinweg schwer abzuschätzen ist. „Die Erfahrung zeigt, dass viele Menschen im Laufe der Zeit eher weniger Geld brauchen als geplant“, erklärt Tom Friess, Chef des Beratungshauses VZ Vermögenszentrum in München. „Klassisch bewegen sich die Menschen in den ersten zehn Jahren ihres Ruhestands in der ganzen Welt und in Europa, in den zweiten zehn Jahren in Deutschland und in der dritten Dekade vorwiegend im eigenen Garten“, bringt er es auf den Punkt. Der Berater plädiert für flexible Pläne, um etwa Kapital für Reisen oder, wenn nötig, für Pflege zur Verfügung zu haben.

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Gemischte Strategie: Ratsam sind daher gemischte Strategien. So macht vielleicht ein Bankauszahlplan Sinn, wenn jemand für die nächsten zehn Jahre sicher bestimmte Zahlungen einplanen möchte. Sein restliches Vermögen sollte er aber möglichst auch am Aktienmarkt anlegen, um noch erkennbare Rendite zu erzielen. Verbraucherschützer Nauhauser rät, etwa ein Fünftel eines Vermögens „sicher“ in Festgeld oder Sparbriefen anzulegen. Den Rest des Vermögens sollten Menschen, die Schwankungen am Aktienmarkt aushalten können, in Dividendentiteln anlegen. „Die Wahrscheinlichkeit für Verluste nach zehn Jahren ist relativ gering“, betont Nauhauser – aber man sollte nicht vergessen, dass es sie gebe. Wer damit nicht schlafen könne, sollte diesen Anteil des Vermögens weiter aufteilen – etwa zu 70 Prozent in Aktien, den Rest in Anleihen.

Selbst gebaute Pensionskasse: Alternativ können sich Anleger auch aus Fondsvermögen einen Auszahlplan bauen lassen. „Dahinter steckt die Idee, sich eine eigene Pensionskasse zu schaffen“, erklärt Berater Friess. Auch hier teilt der angehende Rentner sein Geld auf: Auszahlungen fließen aus wertstabileren Renten- oder Immobilienfonds. In Aktienfonds soll Vermögen aufgebaut werden. Viele Kunden der Fraspa präferierten derzeit solche Fondslösungen, erzählt Degenkolb.

Berater Friess hat ein Modell entwickelt, das Kunden Vermögen erhalten und dennoch messbare regelmäßige Auszahlungen möglich machen soll. Bei einer eher konservativen Renditeerwartung von rund zwei Prozent im Jahr bräuchte ein Sparer für eine Auszahlung von 500 Euro im Monat ein Vermögen von rund 300 000 Euro (Grafik), wie er erklärt. Nimmt man vier Prozent Rendite an, reduziert sich das eingesetzte Vermögen um die Hälfte – allerdings muss ein Anleger dann Wertschwankungen am Aktienmarkt aushalten können.

Für seine „Etappenstrategie“ teilt Friess das Geldvermögen in einen Verbrauchs- und einen Wachstumsteil ein. Der erste dient der Entnahme, der zweite dem Erhalt des Kapitals. Die Etappenstrategie arbeitet in Zehnjahresphasen. Für die erste Dekade werden die gewünschten Auszahlungen festgelegt, und entsprechendes Kapital wird eingeplant. Dieser sogenannte Verbrauchsteil, der je nach Bedarf des Anlegers nach Friess’ Erfahrung ein Drittel bis die Hälfte des Vermögens ausmacht, fließt in Fonds mit geringen Wertschwankungen wie Anleihefonds mit Firmenbonds guter Qualität oder Staatsanleihen.

Mit denen will er zwei bis zweieinhalb Prozent Rendite nach Kosten pro Jahr erzielen. Der Rest wandert renditeorientiert in einen separaten Wachstumstopf, der breit in Aktienfonds investiert wird. Aus dessen Erträgen speist sich nach dem Modell ab der zweiten Dekade der neue Verbrauchsteil, der wiederum regelmäßige Auszahlungen ermöglicht. Das ursprüngliche Kapital des Wachstumstopfs bleibt unverändert investiert. Friess’ Zielrendite beträgt dafür vier bis sechs Prozent im Jahr. Vorteil der Strategie: „Der Senior erhält regelmäßig Geld, ohne dass sein angelegtes Vermögen durch die Auszahlungen zusammenschmilzt.“

Die Kosten: Vergleichen sollten Sparer zudem Kosten. Entnahmepläne aus Fonds kosten in der Regel nichts extra. Bei Auszahlungen aus den generell deutlich billigeren, Börsenindizes abbildenden ETFs fallen allerdings Gebühren an, auch weil die Anteile über die Börse verkauft werden. Beim Broker Flatex kostet jeder Verkauf 1,50 Euro, beim S-Broker der Sparkassen 2,5 Prozent der Auszahlung. VZ bietet seine Etappenstrategie ab einem Vermögen von 200 000 Euro für 0,7 bis 1,5 Prozent des Vermögens im Jahr an.

Fazit: Es gibt viele Wege, regelmäßig etwas dem Vermögen zu entnehmen. Wichtig ist, sich die Bedingungen bewusst zu machen, um keine Überraschungen zu erleben.

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