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14.06.2018

18:00 Uhr

Global Wealth Report

Diese Studie erklärt, warum die Deutschen nicht zu den Reichsten der Welt zählen

VonMichael Brächer

Das globale Vermögen wächst auf mehr als 200 Billionen Dollar – so eine Studie der BCG. Aber weil die Deutschen das Risiko scheuen, hinken sie hinterher.

Global Wealth Report: Warum Deutsche nicht zu den Reichsten zählen mauritius images

Wertvolles Messwerkzeug

Wie das Vermögen in Deutschland verteilt ist, lässt sich nur schwer bestimmen.

ZürichWer Geld hat, spricht nicht darüber: Die Welt der Reichen zu vermessen gilt deshalb als schwieriges Unterfangen. Große Beratungsfirmen versuchen sich regelmäßig daran. Das Ergebnis des diesjährigen „Global Wealth“-Reports der Boston Consulting Group (BCG): Die globalen Vermögen sind im vergangenen Jahr um sieben Prozent auf 201,9 Billionen Dollar (rund 170 Billionen Euro) gewachsen. Das entspricht dem zweieinhalbfachen der Weltwirtschaftsleistung.

Der Studie zufolge ist der Reichtum auch in Deutschland gewachsen. Doch weil die Deutschen ihr Geld ziemlich konservativ anlegen, hinken sie im internationalen Vergleich hinterher.

Dass die globalen Vermögen 2017 zugelegt haben, erklären die Experten von BCG vor allem mit der guten Entwicklung am Aktienmarkt. Unterm Strich kletterte beispielsweise der deutsche Leitindex Dax im vergangenen Jahr um gut zwölf Prozent.

Rechnet man hinzu, dass viele Währungen gegen den Dollar zugelegt haben, ist das globale Vermögen nahezu so stark gewachsen wie der Index. „Das Hoch an den Börsen und die Stärke vieler Währungen gegenüber dem Dollar haben dem weltweiten Vermögenswachstum einen enormen Schub gegeben“, resümiert Anna Zakrzewski, BCG-Partnerin und Autorin der Studie.

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Doch von der positiven Entwicklung an den Börsen haben nicht alle Regionen gleichermaßen profitiert. In Asien legten die globalen Vermögen im vergangenen Jahr währungsbereinigt um zwölf Prozent zu, in Amerika um sieben Prozent. In Deutschland wuchs das Gesamtvermögen dagegen nur um rund vier Prozent auf insgesamt 7,5 Billionen US-Dollar (6,3 Billionen Euro). Demnach wurden also auch die Deutschen reicher, ihr Vermögen wuchs aber langsamer als im globalen Durchschnitt.

Die BCG-Berater führen die vergleichsweise schwache Performance vor allem auf das konservative Anlageverhalten der Deutschen zurück. Rund 36 Prozent des Privatvermögens seien hierzulande in Spareinlagen oder Bargeld investiert – und damit deutlich mehr als im internationalen Vergleich. In Aktien und Fonds mit höheren Renditechancen, aber auch größeren Verlustrisiken stecken dagegen nur rund 19 Prozent des deutschen Vermögens.

„Durch den relativ niedrigen Anteil der Anlagen in Aktien und Fonds haben die Deutschen entsprechend weniger von den starken Börsen profitiert“, sagt BCG-Partnerin Zakrzewski. Der geringe Risikoappetit ist hierzulande zwar besonders ausgeprägt, die Deutschen sind damit aber nicht alleine. Die Studie zeigt, dass sich die Europäer mit Aktieninvestments insgesamt zurückhalten.

Die Erkenntnis ist nicht ganz neu: Seit Jahren lamentieren Vertreter der Finanzbranche, dass die Kundschaft hierzulande nur widerwillig in Aktien oder Anleihen investiert – und deshalb die Rally an den Märkten verpasst. Zugleich wächst das Vermögen auf Bankkonten wegen der niedrigen Zinsen kaum. Für größere Summen werden mitunter sogar Strafzinsen fällig.

China holt kräftig auf

Regional sind die globalen Vermögen sehr ungleich verteilt. Würde man eine Karte des Reichtums zeichnen, dann wären die USA, China, Japan und Großbritannien die größten Länder – gefolgt von Deutschland auf dem fünften Platz. Doch die Kontinente verschieben sich. Noch halten Nordamerika und Westeuropa rund 65 Prozent des globalen Vermögens.

Aber Asien macht kräftig Boden gut. Haupttreiber ist dabei China. Die BCG-Experten erwarten, dass die Volksrepublik in den kommenden fünf Jahren mehr neuen Reichtum schaffen wird als die Vereinigten Staaten. Von insgesamt 22 Billionen Dollar ist die Rede.

Doch auch innerhalb der jeweiligen Staaten ist der Reichtum ungleich verteilt. Besonders deutlich zeigt sich das in den USA, wo die Gruppe der Ultrareichen kräftig wächst. Gemeint sind Menschen mit einem Vermögen von über 50 Millionen Dollar. So schätzt der „Wealth Report“ der Immobilienfirma Knight Frank, dass die Zahl der Ultrareichen im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf rund 44 000 gestiegen ist. Auch in Europa und Asien legte die Zahl der Superreichen zu.

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Es gilt das, was Soziologen nach der Bibel den „Matthäus-Effekt“ nennen: Wer hat, dem wird gegeben. Laut der BCG-Studie besitzen Millionäre inzwischen rund die Hälfte des weltweiten Vermögens. Im Jahr 2012 waren es noch 45 Prozent. Der Reichtum sei in allen Segmenten gewachsen, „aber die obersten Segmente wuchsen schneller als alle anderen“, stellen die Berater fest. Mit anderen Worten: Die Ungleichheit nimmt zu.

In Deutschland zählt BCG rund 443 000 Millionäre aus. Derlei exakte Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Denn eine amtliche Statistik zum Reichtum gibt es in Deutschland nicht. konomen greifen deshalb auf Befragungen oder Schätzungen zurück, die naturgemäß nur Näherungswerte darstellen.

Auch die BCG-Berater können nicht verbindlich sagen, wie viel Geld auf den Konten von Deutschlands Reichen schlummert – sie nutzen für ihren „Wealth Report“ verschiedene öffentlich verfügbare Daten zur Vermögensverteilung, die sie in ihre Modelle einfließen lassen.

Lukrative Kundschaft

Mit der Studie, die in diesem Jahr zum 18. Mal erscheint, vermessen die Berater einen lukrativen Markt für die Bankenbranche. Denn in der Vermögensverwaltung für die wohlhabende Kundschaft locken attraktive Margen. Zudem gilt das Geschäft als vergleichsweise risikoarm. Entsprechend haben viele Banken nach der Finanzkrise die Vermögensverwaltung forciert.

Doch der harte Wettbewerb hat Folgen: Während das verwaltete Vermögen 2017 weltweit um neun Prozent gewachsen ist, legten die Erträge der Institute im gleichen Zeitraum nur um rund sechs Prozent zu. „Die goldenen Jahre sind vorbei“, konstatiert BCG-Partner Matthias Naumann.

Laut BCG liegen rund vier Prozent des globalen Vermögens „Offshore“. Bei den ausländischen Vermögen bleibt die Schweiz demnach un‧angefochtener Spitzenreiter. Daran hat offenbar auch die Abschaffung des Bankgeheimnisses nichts geändert. Trotz des sogenannten automatischen Informationsaustauschs mit ausländischen Steuerbehörden ist das verwaltete Vermögen in der Schweiz gewachsen. Rund 2,2 Billionen an Offshore-Vermögen finden sich in dem Alpenland, so die Studie. Damit liegt die Schweiz weiter deutlich vor den asiatischen Wettbewerbern Hongkong und Singapur.

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Auch in Niedrigzinszeiten sparen sich die Deutschen reich. Im dritten Quartal 2017 stieg das Geldvermögen laut Bundesbank auf einen Rekordwert. Allerdings bevorzugen die Deutschen weiterhin renditeschwache Anlageformen.

Das meiste ausländische Kapital, das von den schweizerischen Banken verwaltet wird, stammt von den Nachbarn aus Deutschland und Frankreich, gefolgt von Saudi-Arabien. Während die eidgenössischen Institute in den vergangenen Jahren die Superreichen mit einem Gesamtvermögen von mehr als 100 Millionen Dollar umgarnt haben, entdecken sie nun verstärkt die Millionäre für sich.

„Auf diesen Bereich stürzen sich nun alle Institute“, sagt BCG-Experte Naumann, „aber da werden nicht alle gewinnen“.

Immerhin müssen die Banken wohl nicht befürchten, dass ihnen die wohlhabende Kundschaft ausgeht. Die Berater erwarten, dass das globale Vermögen in Zukunft weiter wächst. Im besten Fall prognostizieren sie ein durchschnittliches Plus von rund sieben Prozent. Selbst im konservativen Szenario, in dem es zu einer Krise bei den großen Wirtschaftsnationen kommt, dürfte das globale Vermögen bis zum Jahr 2022 auf 212 Billionen US-Dollar steigen, lautet das Fazit der Studie.

Auch wenn es schwierig ist, die Welt der Reichen zu vermessen, lässt sich eines festhalten: Die Betuchten werden wohl nicht ärmer.

Kommentare (2)

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Herr Andre Peter

14.06.2018, 18:42 Uhr

.... Die Deutschen hauen so gerne auf ihre eigenen Unternehmen drauf:
Sei es mit der Energiepolitik - da leiden RWE und EON
Sei es mit der Finanzpolitik - da leiden Commerzbank und Deutsche Bank
Sei es mit der Dieselkrise - da leidern VW, BMW und Daimler
Dabei sind alles recht gute, gesunde Unternehmen!
Wer etwas mutig ist, kauft Aktien von Unternehmen mit niedrigem KGV und schöner Dividende - irgendwann wird es eine andere Regierung geben, die nicht soviel Mist baut.

Herr Volker Kobelt

15.06.2018, 10:36 Uhr

In meinem Buch "Was mach ich nur mit all dem Geld" habe ich auch die Frage des Reichtums diskutiert. Da jedoch selbst die sog. Reichen nicht wissen wie reich sie wirklich sind, bleiben alle Studien über Reichtum weitgehend Phantasiegebilde mit viel Ideologie.
Natürlich werden die Reichen immer reicher, denn sonst würden sie ihren Reichtum schlecht verwalten. Doch einfach wegnehmen, um umzuverteilen, führt historisch gesehen nicht zu einem Erfolg Besser wäre es, wenn die Politik weniger eingreift, sondern den Menschen die freie Entfaltung ließe. Also lasst dem Erblasser die Freude, seinen Kindern was zu vererbe, lasst den Märkten etwas mehr Raum und nehmt den Berufstätigen nicht ihre Altersvorsorge, indem sie ohne Verzinsung bleibt und deshalb nicht die Basis der späteren Rente ist.Da wäre es besser, wenn jefer für seine spätere Rente selber sorgen würde.e

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