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Versicherungen ohne Garantiezins bergen Risiken

Was also tun? Wer einen neuen Vertrag abschließt, sollte das Produkt genau prüfen und nicht blind den Ratschlägen des Versicherungsvertreters folgen. Denn neue Produkte ohne garantierten Zins, die die Vertriebler Kunden seit Monaten anpreisen, bieten nicht nur neue Chancen, sondern auch neue Risiken. Anbieter wie die Allianz versprechen hier zwar eine höhere Rendite im Vergleich zu klassischen Policen mit Garantiezins. Dies hängt aber von der Entwicklung der Kapitalmärkte in den kommenden Jahrzehnten ab, kann also jederzeit auch anders ausgehen. Denn garantiert wird bei den neuen Policen lediglich, dass der Kunde mindestens das herausbekommt, was er hingesteckt hat.

Für die Versicherer hat dies einen angenehmen Nebeneffekt: Denn neue Regeln, die ab 2016 gelten, verpflichten die Anbieter, für Verträge, die Zinsen garantieren, mehr Kapital vorzuhalten. Versicherer entlasten sich also mit jedem verkauften neuartigen Vertrag selbst. Das ist allerdings auch bitter notwendig. Denn der Druck auf die Branche steigt. Die Solvabilitätsquote (SCR) – die eine wichtige Kennzahl für die finanzielle Wetterfestigkeit ist – der 84 von der Finanzaufsicht Bafin überwachten Lebensversicherer brach in den ersten drei Monaten des Jahres von 283 auf 209 Prozent ein, wie aus dem jüngsten Branchenbericht der Bonner Behörde hervorgeht.

Niedrigzinsen zehren am Kapitalpolster: Deutsche Lebensversicherer unter Druck

Niedrigzinsen zehren am Kapitalpolster

Deutsche Lebensversicherer unter Druck

Die deutsche Finanzaufsicht will Lebensversicherern „verstärkt auf die Finger schauen“: Die Unternehmen haben Probleme, geforderte Kapitalpolster zu stellen. Vor allem die Niedrigzinsen belasten.

Es ist ein rapider Verfall, der neue Sorgen über die Stabilität der Branche weckt. Denn ohne die Übergangsregelungen, die den Unternehmen die Umstellung auf das neue EU-Eigenkapital-Regelwerk 'Solvency II' erleichtern sollen, hätten den Lebensversicherern Ende März insgesamt 12,3 Milliarden Euro an Eigenmitteln gefehlt, um ihren Zusagen an die Kunden nachkommen zu können. Ende 2015 waren es nur 3,5 Milliarden.

„Wenn mir das Bild erlaubt ist: Manche Unfallversicherer sind erkältet, aber viele Lebensversicherer haben eine schwere Grippe“, analysiert der Geschäftsführer der Kölner Ratingagentur Assekurata, Reiner Will, die schwierige Lage. Als Kur verordnen sich darum viele Lebensversicherer eine Flucht ins Neugeschäft ohne Garantiezins. Rund 42 Prozent aller Neuverträge im Lebensversicherungssektor machen beim Giganten aus München, Allianz, diese neuen Abschlüsse bereits aus - Tendenz steigend. Der attraktive Nebeneffekt: Bei den neuen Versicherungen trägt das Kapitalmarktrisiko nicht mehr allein der Versicherer - sondern auch der Kunde.

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