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22.09.2022

14:26

Altersvorsorge

Das sind die besten fondsgebundenen Rentenversicherungen

Von: Heinz-Peter Arndt

Die Geldentwertung mindert die Attraktivität klassischer Sparprodukte. Eine Alternative sind fondsgebundene Rentenversicherungen. Eine Analyse zeigt die besten Produkte für Anleger.

Verbraucher müssen sich auf weiter steigende Lebenshaltungskosten einstellen. Getty Images

Passanten in der Innenstadt

Verbraucher müssen sich auf weiter steigende Lebenshaltungskosten einstellen.

Köln Die Inflation hält die Deutschen in Atem. Getrieben von steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen erreichte die jährliche Teuerungsrate im August 7,9 Prozent. Nach dem Auslaufen von Neun-Euro-Ticket und Tankrabatt werden Lebenshaltungskosten in den kommenden Monaten wohl weiter kräftig steigen. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel erwartet zum Jahresende zweistellige Inflationswerte. Gleichzeitig gibt es auf dem Sparkonto weiter keine oder nur minimale Zinsen.

Und Anfang 2022 wurde auch noch der sogenannte Höchstrechnungszins in der Lebens- und Rentenversicherung von 0,90 auf 0,25 Prozent gedrittelt. Das schmälert die Attraktivität der einstigen Lieblingsanlagen der Deutschen weiter.

„Bei Sparprodukten wie klassischen Kapitallebens- oder Rentenversicherungen ist wegen der hohen Inflation keine positive Realverzinsung möglich“, sagt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei der Kölner Ratingagentur Assekurata. Das dürfte auch mittel- bis langfristig so bleiben. Eine Alternative ist die Anlage an den Börsen. Zwar gibt es auch hier Rückschläge. 2022 etwa ist bisher ein schwaches Börsenjahr.

Aber mittel- und langfristig liegen die Renditen von Aktien und offensiven Fonds weit über denen von Anleihen und Sparkonten. Wer sich nicht allein an die Finanzmärkte traut, hat andere Möglichkeiten – etwa fondsgebundene Rentenversicherungen.

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    ETF-Indexfonds im Fokus

    Anders als bei den traditionellen klassischen Rentenversicherungen fließen bei fondsgebundenen Policen die Sparbeiträge in Investmentfonds oder ETF-Indexfonds. Die Versicherungen bieten meist Musterlösungen für defensive, ausgewogene oder offensive Strategien an. Der Kunde darf sich aber auch selbst einen oder mehrere Wunschfonds aussuchen und diese während der Laufzeit nahezu nach Belieben austauschen.

    Zur Auswahl stehen vor allem Aktien- und Mischfonds als aktiv gemanagte Varianten oder ETF-Indexfonds. Renten- und Geldmarktfonds runden das Angebot ab. Sie sind aber für langfristig orientierte Sparer kaum geeignet – gerade in zinsarmen und inflationären Zeiten.

    Fondsgebundenen Versicherungen ohne Garantien gehört daher die Zukunft. Seit 2017 ist laut Branchenverband GDV das Geschäft um 117 Prozent gewachsen. „Für den langfristigen Erfolg der Policen kommt es entscheidend auf die Qualität der ausgewählten Fonds an“, sagt Assekurata-Experte Heermann. Die auf Versicherungen spezialisierte Ratingagentur hat für das Handelsblatt die führenden Anbieter von fondsgebundenen Rentenversicherungen geprüft.

    Assekurata untersucht dabei die Qualität aller für die jeweilige Police angebotenen Fonds. In die Bewertung geht vor allem die erzielte Rendite in den vergangenen drei, fünf und zehn Jahren ein. Außerdem wird ermittelt, welches Risiko die Fondsmanager eingegangen sind und wie sie dafür belohnt wurden. Zudem zählt, wie die Fonds in besonders schwachen und starken Märkten abgeschnitten haben. Die Ergebnisse sind laut Heermann erfreulich. „Trotz des schwierigen Börsenumfeldes hat sich die Fondsqualität auf sehr hohem Niveau stabilisiert. Viele Gesellschaften pflegen ihre Produkte sorgfältig.“ 15 von 31 teilnehmenden Versicherern und damit fast die Hälfte haben im Jahr 2022 mindestens 60 Punkte und damit die Bestnote „sehr gut“ erreicht. Die anderen 16 schnitten mit „gut“ ab.

    Besonders auffällig ist der fortgesetzte Trend zum Einsatz von preisgünstigen ETF-Indexfonds. Diese bilden einfach einen Index wie den Dax, Euro Stoxx, S&P 500 oder MSCI World ab. Sie kosten in der Regel nur 0,1 bis 0,5 Prozent Gebühren pro Jahr und sind damit viel günstiger als aktiv gemanagte Fonds mit 1,5 bis 2,0 Prozent.

    Angebote der Versicherer spiegeln den Trend

    Aktive Manager können zwar in schwierigen Börsenjahren mit geschicktem Taktieren und einer hohen Cash-Reserve durchaus ihre höheren Managementgebühren einspielen. Je länger die Vergleichsperiode aber wird, umso schwieriger ist es in der Regel für sie. Kritische Kunden wissen das und setzen diese Erkenntnis um. Im Schnitt rund 46 Prozent der neu in Aktienfonds investierten Gelder wandern inzwischen in ETFs auf Aktienindizes.

    Die Angebote der Versicherer spiegeln den Trend. Neun der insgesamt verwendeten 1322 Fonds werden von zehn oder mehr Unternehmen angeboten. Acht davon sind ETF-Indexfonds, und der neunte, der „Dimensional Global Core Equity“, ist ein ETF-ähnliches Produkt mit einem sehr breiten Portfolio. Erfreulich für die Kunden, dass fast alle der ETF-Favoriten überdurchschnittliche Noten erreichen. Die einzigen beiden Ausnahmen sind ETFs mit Schwerpunkt auf den asiatisch-pazifischen Raum. In diesem schwerer zu durchschauendem Anlagemarkt zahlt sich die Expertise aktiver Fondsmanager aktuell noch stärker aus.

    Dass man schon mit wenigen ETFs die Finanzmärkte sehr effizient abbilden kann, zeigt Huk-Coburg. Der Versicherer legte im Vergleich zum Vorjahr um sechs auf 72 Punkte zu und sprang damit vom sechsten auf den ersten Platz. „Unser Motto für Kunden und Vertrieb lautet: Keep it simple“, sagt Michael Martin, der im Produktmarketing der Huk-Coburg für die fondsgebundene Rentenversicherung zuständig ist.

    Zudem sei Transparenz wichtig. „Entsprechend haben wir uns auf sieben sorgfältig ausgewählte Fonds beschränkt, mit denen wir die wichtigsten Finanzmärkte abdecken.“ Sechs davon sind preisgünstige ETFs von iShares, der siebte ist der hauseigene „Huk Welt Fonds“. Der chancenorientierte Mischfonds investiert mindestens 80 Prozent in die globalen Aktienmärkte, den Rest in defensivere Anlagen. Zwei Drittel der Kunden vertrauen gleich ganz auf diese gemanagte Variante.

    Europa mit Rückstand

    Den zweiten Platz belegt der Versicherer im Raum der Kirchen. Das ist wenig erstaunlich, steuert doch Huk-Coburg das Portfolio für den Anbieter. So sind genau die sechs ETFs im Portfolio vertreten, die die Huk-Coburg ganz nach vorn brachten. Nur der gemanagte Fonds unterscheidet sich. Das ist beim Kirchenversicherer ein Ethikfonds, der sich auf Europa konzentriert. „Der europäische Markt blieb in den vergangenen Jahren vor allem hinter den USA zurück“, erklärt Martin den kleinen Rückstand gegenüber dem Huk-Schwesterportfolio. Insgesamt legte der Kirchenversicherer gegenüber dem Vorjahr drei auf 69 Punkte zu.

    Abgespeckt hat Cosmos. Bis 2018 hatte der Direktversicherer noch rund 4000 Fonds im Angebot. „Das war viel zu viel und hat unsere Kunden teilweise überfordert“, räumt Produktmanager Michael Wenzel ein. Zunächst reduzierte Cosmos die Fondsanzahl. Aktuell sind es nur noch 39 Produkte, die regelmäßig überprüft und bei schlechter Performance ausgewechselt werden. 2021 setzte die Gesellschaft dann zur grünen Revolution an.

    Es gibt seitdem nur noch nachhaltige Fonds gemäß Artikel 8 und 9 der Europäischen Offenlegungsverordnung. „Wir wollten als Direktversicherer ein Zeichen setzen und der erste hundertprozentig nachhaltige Anbieter sein“, sagt Wenzel. Für die Kunden hat es sich gelohnt. Fonds mit Nachhaltigkeitskriterien schneiden in der Analyse mit 59 Punkten (Artikel-8-Fonds) und 64 Punkten (Artikel-9-Fonds) im Durchschnitt um 1,5 bis 6,5 Punkte besser ab als konventionelle Angebote. Cosmos hat unter den schon überdurchschnittlichen Nachhaltigkeitsfonds eine gute Auswahl getroffen und erreicht 68 Punkte.

    Zufrieden sein kann auch Basler auf Rang vier. Nach zwei zweiten Plätzen 2020 und 2021 gab die Hamburger Tochtergesellschaft des Schweizer Versicherungskonzerns nur minimal auf 65 Punkte nach. Weiterhin positiv wirkt sich das Großreinemachen im Portfolio aus dem Jahr 2019 aus. „Wir profitieren von der Anlagekompetenz unserer Konzernmutter Baloise“, sagt Produktmanagerin Marlies Tiedemann. Zuletzt investierte Basler in Servicequalität. „Mit dem neuen Fonds-Checker bieten wir Kunden laufend Informationen zu allen Fonds, die in den Policen bespart werden können.“

    Wie Basler bieten fast alle Versicherer ein Ablaufmanagement. Dabei wird das ersparte Vermögen zum Laufzeitende des Vertrags schrittweise in defensive Fonds umgeschichtet. Das soll verhindern, dass Kunden auf den letzten Metern eines langjährigen Ansparprogramms in eine schwache Börsenphase geraten. Das lohnte sich 2022. Zwar kam es nicht zu einem Crash wie im Coronafrühling 2020. Aber 15 bis 20 Prozent haben die meisten Indizes im ersten Halbjahr verloren. „Wer rechtzeitig auf das Ablaufmanagement gesetzt hat, konnte Verluste minimieren“, sagt Michael Martin von der Huk-Coburg.

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