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17.06.2021

16:45

Altersvorsorge

DWS stellt Neugeschäft bei der Riester-Rente ein

Von: Anke Rezmer

Wegen anhaltender Niedrigzinsen und mangelnder Reform geraten Anbieter der geförderten Vorsorge zunehmend unter Druck. Mit der DWS reagiert bereits der zweite große Anbieter.

Bei der Riester-Rente steht insbesondere die Kapitalgarantie in der Kritik: Sie lässt kaum Freiraum für Anlagen mit Renditechancen. Reuters

DWS

Bei der Riester-Rente steht insbesondere die Kapitalgarantie in der Kritik: Sie lässt kaum Freiraum für Anlagen mit Renditechancen.

Frankfurt Mit der DWS reagiert der zweite große Anbieter von Fonds-Riester-Renten auf die Niedrigzinsen und die ausbleibende Reform der geförderten Altersvorsorge: Zum 1. Juli stellt die Deutsche-Bank-Fondstochter ihr Neugeschäft mit der Förderrente ein.

Die DWS begründet ihren Schritt mit dem Kapitalmarktumfeld und der Untätigkeit der Bundesregierung: Die vollständige Beitragsgarantie bei den Riester-Produkten erweise sich im Umfeld anhaltender Niedrigzinsen zunehmend als Bürde für Vorsorgesparer, die ihr Kapital fast ausschließlich in konservative und negativ rentierende Anleihen investieren müssen. „Es bleibt kein Spielraum für chancenreiche und substanzwertbasierte Aktienanlagen“, erklärt die DWS.

„In unserer Funktion als Treuhänder für unsere Kundinnen und Kunden zwingt uns die unterlassene Reform der Riester-Gesetzgebung leider dazu, bis zu einer Änderung keine neuen Verträge mehr anzunehmen“, sagt Sebastian Mentel, verantwortlich für private Vorsorge bei der DWS. Die Verträge im Riester-Bestand werden unverändert weitergeführt. Die DWS nennt 665.000 Verträge, ein Großteil davon wird ähnlich wie Versicherungen provisioniert.

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    Das genossenschaftliche Fondshaus Union Investment bietet indes neue Verträge für die Förderrente für die private Altersvorsorge ab Juli nur noch mit einer Mindestlaufzeit von 20 Jahren an. Zudem will der Anbieter lang laufende Verträge künftig mit einer höheren Aktienquote ausstatten, um die Chance auf höhere Renditen zu verbessern.

    Verträge mit kürzerer Laufzeit rechneten sich im andauernden Niedrigzinsumfeld wegen der Kapitalgarantie der eingezahlten Beiträge nicht mehr, begründet der Anbieter mit seinen knapp zwei Millionen Riester-Verträgen im Bestand. Damit erhalten Menschen ab Mitte 40 beim Marktführer für Fonds-Riester-Renten künftig keinen geförderten Vertrag mehr.

    Seit Jahren diskutieren die Finanzbranche, Verbraucherschützer und Politiker über eine Reform der als kompliziert, oft teuer und renditeschwach geltenden Riester-Rente. Die Bundesregierung hatte 2018 im Koalitionsvertrag versprochen, angesichts der abschmelzenden gesetzlichen Rente die Verbreitung der privaten Altersvorsorge zu verbessern. In der zu Ende gehenden Legislaturperiode konnte sich die Bundesregierung aber offenbar nicht auf eine Reform einigen.

    Vor allem mit der Abschaffung der Kapitalgarantie kann sich die SPD dem Vernehmen nach nicht anfreunden. Die Finanzbranche hatte einen Vorschlag für ein einfaches, preiswerteres Standard-Riester-Produkt ohne Kapitalgarantie gemacht. Verbraucherschützer sowie die schwarz-grüne hessische Landesregierung plädieren für einen staatlich organisierten Vorsorgefonds.

    Auch die Versicherungsindustrie schlägt Alarm

    Bisher gibt es gut 16 Millionen Riester-Verträge, Anspruch auf eine Förderung haben doppelt so viele Menschen im Land. Vor allem Geringverdiener haben keine Zusatzvorsorge. Versicherungen stellen mit gut zehn Millionen Verträgen die mit Abstand meisten Riester-Renten, es folgen gut drei Millionen Fonds-Verträge, knapp 1,8 Millionen Immobilien-Riester-Verträge sowie 592.000 Banksparpläne.

    Insbesondere steht bei der Riester-Rente die Kapitalgarantie der eingezahlten Beiträge in der Kritik: Um sie zu erfüllen, müssen Riester-Anbieter in der Welt niedriger Kapitalmarktzinsen so viel Kapital in wertstabile, unrentable Bonds stecken, dass kaum noch etwas für Anlagen mit Renditechancen übrig bleibt.

    Auch die Versicherungsindustrie hat in Sachen Riester-Rente bereits Alarm geschlagen. Erste Anbieter haben sich aus dem Geschäft zurückgezogen. Nachdem beschlossen worden ist, dass der Garantiezins für Lebensversicherungen Anfang 2022 auf 0,25 Prozent sinkt, rechnet der Hauptgeschäftsführer des Versichererverbands GDV, Jörg Asmussen, sogar damit, dass sich „viele Riester-Anbieter ab 2022 vom Markt zurückziehen“.

    Die Anbieter „können dann den vom Gesetzgeber verlangten 100-Prozent-Beitragserhalt unter dem neuen Höchstrechnungszins nicht mehr garantieren“, erklärte der Versicherungsexperte kürzlich.
    Der niedrigere Garantiezins bringt die Versicherer in eine Zwangslage, weil sie das Kapital garantieren und zugleich künftig nur mit einer jährlichen Verzinsung von 0,25 Prozent kalkulieren dürfen. So fällt es ihnen schwer, bis zum Ablauf des Vertrags ihre Kosten zu decken, die bis zu zehn Prozent der Beiträge ausmachen.

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