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19.10.2021

14:06

Altersvorsorge

Kapitulation vor Niedrigzinsen: Dritter großer Fonds-Riester-Anbieter bremst Neukundengeschäft

Von: Anke Rezmer

Die Deka bewirbt den eigenen Zukunftsplan nicht mehr. Damit reagiert die Sparkassen-Tochter auf das andauernde Niedrigzinsumfeld und bescheinigt der Politik mangelnden Reformwillen.

Die Riester-Anbieter wollen auch Druck auf die Parteien der Berliner Koalitionsverhandlungen ausüben. dpa

Deka-Bank

Die Riester-Anbieter wollen auch Druck auf die Parteien der Berliner Koalitionsverhandlungen ausüben.

Frankfurt Nun also die Deka: Mit der Sparkassen-Fondstochter gibt der dritte große Anbieter von Fonds-Riester-Renten die Vermarktung seines Produktes für die geförderte Altersvorsorge auf. Vom 1. November an stellt die Deka die Vertriebsunterstützung und die Werbung für ihr Produkt „Deka-Zukunftsplan Classic“ ein. Das bestätigte die Deka. Zuerst hatte das Magazin „Capital“ darüber berichtet.

Als Grund nennt der Fondsanbieter, dass es im andauernden Niedrigzinsumfeld unmöglich sei, die gesetzlich vorgeschriebene Garantie der eingezahlten Beiträge zu erfüllen und noch eine zufriedenstellende Rendite zu erzielen.

Die anderen beiden großen Anbieter von Fonds-Riester-Verträgen, die Deutsche-Bank-Tochter DWS und die genossenschaftliche Union Investment, haben bereits reagiert: Die DWS mit rund 665.000 Verträgen im Bestand hat ihr Riester-Neugeschäft im Juli eingestellt.

Der Marktführer Union mit knapp zwei Millionen Verträgen hat seine Mindestlaufzeit verlängert. Menschen ab Mitte 40 können dort keinen Riester-Vertrag mehr bekommen. Einige Versicherer haben ihr Riester-Geschäft ebenfalls eingestellt.

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    Damit wollen die Anbieter auch Druck auf die Parteien der Berliner Koalitionsverhandlungen ausüben, die um eine mögliche Reform der Altersvorsorge ringen. Seit Jahren verspricht die Bundesregierung, die als komplex, oft teuer und renditeschwach geltende Riester-Rente zu reformieren.

    Die Finanzbranche hat bereits vor zwei Jahren einen Vorschlag für ein einfacheres Riester-Modell auch ohne Kapitalgarantie unterbreitet. „Der Zwang zur 100-Prozent-Beitragsgarantie bei der Riester-Rente kostet die Riester-Sparer im anhaltenden Niedrigzinsumfeld zunehmend mehr Rendite“, heißt es bei der Deka. „Bisher ist es leider weder zu einer seit Jahren diskutierten umfassenden Riester-Reform noch zu einer Flexibilisierung der Beitragsgarantie bei Riester gekommen.“

    Riester-Vertragskunden sparen künftig Gebühren

    Der Gesamtbestand der Riester-Renten bröckelt seit Jahren leicht ab auf aktuell gut 16 Millionen Verträge. Versicherungen stellen mit gut zehn Millionen die mit Abstand meisten Riester-Renten, es folgen gut drei Millionen Fonds-Verträge, knapp 1,8 Millionen Immobilien-Riester-Verträge sowie knapp 580.000 Banksparpläne.

    Anleger können bei der Deka aber grundsätzlich noch Riester-Verträge abschließen. Für die Kundenberater in Sparkassen wird der Verkauf von Riester-Renten aber unattraktiver: Denn sie erhalten für die Fondssparpläne keine Ausgabeaufschläge – also Vertriebsprovisionen – mehr.

    Bislang zahlen Kunden für den „Deka-Zukunftsplan Classic“ 1,5 Prozent je Beitrag, für das zweite Produkt, die „Bonusrente“, 3,5 Prozent. Die etwas weniger flexibel gestaltete „Deka Bonusrente“ bewirbt der Anbieter schon seit 2017 nicht mehr. Die 710.000 Riester-Vertragskunden aber besparen ihren Vertrag damit künftig sogar günstiger. Denn für sie fällt der Ausgabeaufschlag ebenfalls weg.

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