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14.12.2010

08:08

Berufsunfähigkeit

Die Existenz leichtfertig aufs Spiel gesetzt

Von: Christoph Sandt

Die eigene Arbeitskraft schätzen die meisten Bundesbürger offensichtlich nicht besonders wertvoll ein. Weniger als 25 Prozent der Haushalte verfügen über eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Und der vorhandene Schutz gegen dieses existenzbedrohende Risiko ist meist dürftig. Experten empfehlen deshalb einen Versicherungs-Check.

Mann im Rollstuhl: Jeder Berufstätige sollte seine Arbeitskraft absichern. IMAGO

Mann im Rollstuhl: Jeder Berufstätige sollte seine Arbeitskraft absichern.

FRANKFURT. Was bedeutet die neue Winterreifenpflicht für die Vollkaskoversicherung? Die Antwort: Wer bei Matsch und Schnee mit Sommerreifen unterwegs ist, muss damit rechnen, dass er bei einem Unfall auf einem Teil seines Schadens sitzen bleibt. Das leuchtet ein. Wenn es um solch konkrete Angelegenheiten geht, kennen sich die Deutschen mit Versicherungen aus. Besonders bei der Kfz-Versicherung vergleichen sie regelmäßig gegen Jahresende die Angebote und wechseln rasch den Anbieter, um Geld zu sparen. Der Branchenspruch "Versicherungen werden verkauft, nicht gekauft" gilt hier ausnahmsweise nicht. Die Kunden kümmern sich selbst um die Police - und sorgen so für Preisdruck, Wettbewerb und günstige Konditionen. Zwar trägt dazu auch der Zwang zur Kfz-Haftpflichtversicherung bei, aber auch die freiwillige Vollkasko ist beliebt.

Rund ein Drittel der Haushalte sichert nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit einer solchen Police sein Auto rundum am. Die eigene Arbeitskraft schätzen die meisten Bundesbürger dagegen offensichtlich nicht als so wertvoll ein; denn weniger als 25 Prozent der Haushalte verfügen über eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Und der vorhandene Schutz gegen dieses existenzbedrohende Risiko ist meist dürftig.

Dabei gibt jeder Deutsche statistisch pro Jahr 2 200 Euro für private Versicherungen aus. Nicht eben wenig, und nach Ansicht von Fachleuten lassen sich damit die größten Risiken absichern. So schätzt Hajo Köster, Fachmann beim verbrauchernahen Bund der Versicherten (BdV), dass sich die Hälfte des Versicherungsbudgets besser nutzen lässt. Entweder gibt es billigere Policen mit gleichen Konditionen - oder es gibt bessere Bedingungen zum gleichen Preis. "Zu viele Menschen sind gar nicht, falsch oder zu teuer versichert", berichtet Köster. Allerdings muss der Kunde auch Zeit investieren, um seinen Versicherungsschutz zu planen - etwa so viel Zeit wie für den Kauf eines neuen Autos.

Kunden sollten ihren Bedarf genau abklären

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    Zunächst muss der Bedarf geklärt werden. Das geht relativ schnell. Entscheidend ist die Lebenssituation. So braucht ein Single andere Policen als eine Familie. Und bei Senioren ist die Lage wieder anders. Dabei sollten Verbraucher drei Grundsätze beherzigen. Erstens: Zunächst müssen Risiken abgesichert werden, die den finanziellen Ruin bedeuten können. Zweitens: Diese Absicherung hat Vorrang vor der Altersvorsorge. Drittens: Viele Versicherungen, die nur geringe Werte absichern, sind überflüssig.

    Extrem wichtig ist die Privathaftpflichtversicherung. Denn wer einen anderen schädigt, etwa mit dem Fahrrad anfährt und schwer verletzt, haftet unbegrenzt. Im Gegensatz zur Kfz-Haftpflicht ist diese Police nicht gesetzlich vorgeschrieben, sodass nach Branchenangaben rund 30 Prozent der Bevölkerung darauf verzichtet. Dabei ist dieser Schutz schon für unter 100 Euro zu haben.

    Jeder Berufstätige sollte außerdem seine Arbeitskraft absichern. Hier gilt: möglichst früh absichern, solange man jung und gesund ist. Später wird es teuer oder sogar unmöglich, eine Berufsunfähigkeitspolice zu erhalten, weil die Versicherer Kunden mit Vorerkrankungen häufig ablehnen.

    Kommentare (9)

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    Mc Fee

    14.12.2010, 11:06 Uhr

    Warum werde ich den Eindruck nicht los, dass dieser Artikel von meinem Versicherungsvertreter geschrieben wurde?

    Honsen

    14.12.2010, 12:57 Uhr

    berufsunfähigkeitsversicherungen zahlen im "Schadensfall" eh nicht.
    Entweder es werden in diesem Fall vom Versicherten plötzlich "versäumte" meldepflichtige Kleinigkeiten zum Gesundheitszustand gefunden,
    oder aber, und das ist noch viel krimineller,
    die Zahlungen werden zurückgehalten,
    in der Hoffnung der Versicherte verstirbt vor der letzten gerichtlichen instanz,
    oder er zerbricht seelisch bevor er zu seinem Recht kommt.

    berufsunfähigkeitsversicherungen sind eindeutig Abzocke, besser privat sparen für den Ernstfall,
    dies muss dann aber auch sehr tatkräftig angegangen werden.

    Des weiteren macht es Sinn sich Kinder zuzulegen,
    die einem im Ernstfall weiterhelfen.

    Sicher beides Wege mit vielen Unsicherheiten,
    aber immer noch sicherer als eine Versicherung,
    die schon von vornherein plant den Versicherten zu betrügen.


    MfG

    Ich

    14.12.2010, 14:16 Uhr

    Tja, was nützen einem die Weisheiten, wenn man zu einer Generation gehört, die vom Staat vera**** worden ist.
    Früher hieß es "Nein, ihr braucht keine private bU-Versicherung, gibt doch die bU-Rente. Damit seid ihr für den Ernstfall bestens abgesichert."

    Tja, und dann wurde die gesetzliche bU-Rente gekippt.

    Danach rannten einem die Versicherungsvertreter die bude ein, um einem eine private bU-Versicherung anzudrehen. Allerdings - so hieß es - wäre man ja nun schon etwas "alt". Die beiträge wären daher empfindlich hoch.
    Warum man denn nicht schon früher eine private bU-Versicherung abgeschlossen hätte? in jungen Jahren wäre doch alles viel günstiger gewesen.

    Haha - wie witzig??

    Welcher über 40jährige möchte (und kann) denn von seinem Nettoentgelt mal eben monatlich > 300 EUR als Vers.beitrag abzweigen - nur so ins blaue hinein?

    Und dann wird im Ernstfall - wie mein werter Vorposter schon erwähnte - womöglich noch nicht mal gezahlt.

    Nein Danke! Sowas brauche ich nicht!!

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