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21.04.2022

16:00

familienversicherung dpa

Vater mit Kinderwagen

Die neue Familienministerin will Vätern nach der Geburt ihres Kindes mehr Freiraum verschaffen.

Familienversicherung

Wie Sie die Familie kostenlos krankenversichern

Wer gesetzlich krankenversichert ist, kann seine Kinder oder den Ehegatten kostenfrei über die sogenannte Familienversicherung mitversichern. Doch es gibt einige Ausschlusskriterien.

Ein großer Vorteil der gesetzlichen Krankenversicherung ist die Familienversicherung. Danach können gesetzlich Versicherte ihre Familienmitglieder kostenlos mitversichern. Meist sind das Kinder sowie Ehe- und eingetragene Lebenspartner. Unter Umständen können auch Enkelkinder in der Familienversicherung abgesichert werden. 

Voraussetzungen für die Familienversicherung

Der Vorteil der Familienversicherung ist finanziell immens: Ein Beitrag sichert mehrere Familienmitglieder ab. Das heißt: Jeder Versicherte kann die volle Leistung der gesetzlichen Krankenkasse in Anspruch nehmen. Eine Ausnahme bildet lediglich das Krankengeld. Zum Vergleich: Bei einer privaten Krankenversicherung muss jedes Familienmitglied einen eigenen Vertrag abschließen und seinen Beitrag zahlen. Auch Kinder zahlen extra. 

Wie der Verband der Ersatzkassen mitteilt, waren im Juli vergangenen Jahres von den 73 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland mehr als 16 Millionen Familienangehörige über die Familienversicherung kostenlos versichert. Allerdings kann nicht jeder Angehörige diese Möglichkeit in Anspruch nehmen. 

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    • muss in Deutschland wohnen.
    • darf nicht selbst versicherungspflichtig sein. Das ist abhängig davon, ob bestimmte Einkommensgrenzen überschritten werden. Diese variieren mit der Einkommensart.
    • darf nicht versicherungsfrei sein, beispielsweise als Beamter oder Angestellter mit einem hohen Einkommen.
    • darf nicht hauptberuflich als Selbstständiger arbeiten, also mehr als 18 Stunden pro Woche.

    Für eine Familienversicherung müssen alle Punkte erfüllt sein. Ist das nicht der Fall, muss sich der Angehörige selbst krankenversichern.

    Ehepartner: Welche Verdienstgrenze gilt für die Familienversicherung?

    Je nach Einkommensart gibt es unterschiedliche Einkommensgrenzen für die Familienversicherung von Ehepartnern. Wer darüber liegt, muss sich selbst versichern. Generell gilt: Angehörige, die in die Familienversicherung wollen, dürfen nur ein geringes Einkommen erwirtschaften. Als Einkommen zählen zudem alle Einkünfte im steuerlichen Sinn, also neben Arbeitseinkommen aus einer Anstellung oder Selbstständigkeit auch Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, aus Kapitalerträgen sowie aus Renten oder anderen Versorgungsbezügen.

    Die Einkommensgrenze liegt 2022 bei 470 Euro pro Monat. Wer regulär sozialversicherungspflichtig angestellt ist, darf jedoch Werbungskosten in Höhe von 83,33 Euro pro Monat (1000 Euro pro Jahr) abziehen. Insgesamt darf das Arbeitseinkommen also nicht höher sein als 553,33 Euro pro Monat beziehungsweise 6639,96 Euro im Jahr. Dazu zählen auch Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld.

    Da Minijobber keine Werbungskosten geltend machen können, ist für sie die Grenze von 470 Euro pro Monat maßgeblich.

    Für Einkünfte aus Kapitalvermögen gibt es einen Sparerfreibetrag von 801 Euro pro Jahr. Erst Einkünfte, die darüber liegen, werden angerechnet.

    Beispiel: Ein gesetzlich krankenversicherter Alleinverdiener kann seinen Ehepartner familienversichern, wenn dieser ein Bruttoeinkommen von 300 Euro pro Monat erhält. Wird der bislang familienversicherte Ehepartner eines gesetzlich Pflichtversicherten dagegen arbeitslos, fällt er aus der Familienversicherung, da Bezieher von ALG 1 selbst pflichtversichert sind.

    Getrennt lebende Ehepartner können übrigens so lange in der Familienversicherung bleiben, bis ein Scheidungsurteil rechtskräftig ist.

    Wann dürfen Kinder in die Familienversicherung?

    Ganz klassisch werden Kinder kostenlos familienversichert, doch auch hier gibt es Ausnahmen. Unstrittig sind Fälle, bei denen beide Elternteile gesetzlich versichert sind und das minderjährige Kind bei einem Elternteil familienversichert ist. Das gilt seit Mai 2019 übrigens auch für Stief- und Enkelkinder, sofern diese im selben Haushalt wie das Mitglied wohnen, über das sie versichert sind.

    Ein minderjähriges Kind kann bei seiner alleinerziehenden und pflichtversicherten Mutter problemlos familienversichert werden. Ist dagegen ein Elternteil privat versichert, kommt die Familienversicherung für Kinder nur in folgenden Fällen infrage:

    1. Das Einkommen des privatversicherten Ehepartners ist geringer als das des gesetzlich versicherten Ehepartners. Oder:
    2. Das monatliche Gesamteinkommen des privatversicherten Ehepartners ist geringer als ein Zwölftel der jeweils gültigen Jahresarbeitsentgeltgrenze. Diese liegt 2022 bei 5362,50 Euro pro Monat. Oder:
    3. Die Eltern sind keine Ehe- oder Lebenspartner.

    Beispiel: Verdient die privatversicherte Ehefrau mehr als ihr gesetzlich versicherter Ehemann und mehr als die gültige Jahresarbeitsentgeltgrenze, kann das Kind nicht über diesen in die Familienversicherung aufgenommen werden.

    Studierende in der Familienversicherung

    Studierende können unter zwei Voraussetzungen familienversichert werden: Sie sind maximal 25 Jahre alt und liegen mit ihrem Gesamteinkommen unter der Grenze von 470 Euro monatlich. Keine Rolle spielt das Einkommen bei kurzfristigen Beschäftigungen. Diese dürfen allerdings zusammengenommen nicht länger als drei Monate bzw. 70 Tage im Kalenderjahr dauern. Die klassischen Semesterferienjobs sind also kein Problem.

    Von

    Dörte Neitzel

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