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21.04.2022

14:00

mutterschaft dpa

Schwangerschaft

Karrierecoach Nane Nebel: „Ich würde die Schwangerschaft als Miniprojekt definieren und das auch genauso angehen.“

Mutterschutz

Mutterschaftsgeld richtig beantragen und berechnen

Vor und nach der Geburt erhalten Mütter Mutterschaftsgeld. Doch nicht alle haben ein Anrecht auf die Leistung. Wer Mutterschaftsgeld bekommt, wie lange es gezahlt und wie es berechnet wird.

Einige Wochen vor der Geburt erhalten Schwangere das sogenannte Mutterschaftsgeld. Das Gleiche gilt für die Zeit nach der Geburt. Da die Zahlung in die Zeit des Mutterschutzes fällt, heißt es oft auch Mutterschutzgeld. Es soll Mütter finanziell absichern, sodass sie rund um den Geburtstermin nicht arbeiten müssen.

Was sind Mutterschaftsgeld und Mutterschaftslohn?

Das Mutterschaftsgeld zahlt die Krankenkasse, und der Arbeitgeber gibt einen Zuschuss für den Zeitraum vor und nach der Entbindung. Sowohl das Mutterschaftsgeld als auch der Arbeitgeberzuschuss sind steuer- und sozialabgabenfrei.

Mütter, die aus medizinischen Gründen bereits vor Beginn des Mutterschutzes nicht mehr arbeiten können oder dürfen, erhalten einen sogenannten Mutterschutzlohn oder auch Mutterschaftslohn. Grundlage für seine Berechnung ist der durchschnittliche Bruttolohn der vergangenen drei Monate vor der Schwangerschaft – inklusive Zuschläge. Auch Lohnerhöhungen werden voll weitergegeben. Daher muss Mutterschutzlohn auch versteuert werden, und es fallen Sozialabgaben an.

Wie lange wird Mutterschaftsgeld gezahlt?

Der Zeitraum für die Zahlung von Mutterschaftsgeld erstreckt sich über sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt. Insgesamt beträgt die Bezugsdauer also 14 Wochen. Verzögert sich die Entbindung, verlängert sich die Bezugsdauer automatisch.

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    Kommt das Kind dagegen zu früh auf die Welt, oder hat es eine Behinderung, verlängert sich der Mutterschutz und damit die Zahlung nach der Geburt von acht auf zwölf Wochen.

    Wer bekommt Mutterschaftsgeld?

    Wer als Voll- oder Teilzeitarbeitnehmerin gesetzlich versichert ist, hat Anspruch auf ein Mutterschaftsgeld von bis zu 13 Euro pro Tag. Das gilt für Pflichtversicherte und freiwillig Versicherte in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV). Vom Arbeitgeber kommt noch ein Aufstockungsbetrag hinzu, sodass das bisherige Nettogehalt erreicht wird.

    Mütter mit einer privaten Krankenversicherung erhalten kein Mutterschaftsgeld. Sie erhalten einen einmaligen Zuschuss in Höhe von maximal 210 Euro. Gezahlt wird das vom Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS). Arbeitet die Mutter, gibt es darüber hinaus einen Arbeitgeberzuschuss. Im Endeffekt erhalten privat versicherte Mütter ihr Nettogehalt abzüglich 13 Euro pro Tag, das entspricht einem Abzug von 390 Euro pro Monat.

    Wer über seinen Ehepartner familienversichert ist und nicht arbeitet, hat keinen Anspruch auf Mutterschaftsgeld.

    Mütter mit einer geringfügigen Beschäftigung erhalten ebenfalls einen einmaligen Zuschuss von 210 Euro vom BAS. Das gilt zumindest für privat oder familienversicherte Mütter. Wer selbst in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert ist, beantragt das Mutterschaftsgeld dort. Sie zahlt maximal 13 Euro pro Tag, das heißt 390 Euro pro Monat. Alle geringfügig Beschäftigten haben Anspruch auf den Arbeitgeberzuschuss, wenn sie vor dem Mutterschutz mehr als 390 Euro netto verdient haben. Der Arbeitgeber stockt auch hier die Lücke zwischen Mutterschutzgeld der Krankenkasse und dem Nettolohn auf. Wer bislang 450 Euro verdient hat, erhält demnach 60 Euro vom Arbeitgeber, wer 400 Euro verdient hat, bekommt zehn Euro.

    Als Selbstständige bekommen Mütter nicht immer Mutterschaftsgeld. Wer privat versichert ist, hat keinen Anspruch. Wer eine private Krankentagegeldversicherung abgeschlossen hat, kann diese für die Zeit des Mutterschutzes in Anspruch nehmen. Als freiwillig gesetzlich Versicherte haben Mütter nur dann Anspruch auf Mutterschutzgeld, wenn sie den Zusatz „mit Krankengeld“ eingeschlossen haben und nicht den ermäßigten Satz zahlen. Das Mutterschaftsgeld fällt dann so hoch aus wie das Krankengeld, also 70 Prozent des regelmäßigen Einkommens. Auf dieses Mutterschaftsgeld wird seit 2019 kein Beitrag zur Krankenversicherung mehr fällig, sollte es kein weiteres Einkommen in dieser Zeit geben.

    Arbeitslose Mütter, die Arbeitslosengeld 1 beziehen, oder eine berufliche Weiterbildung absolvieren, bekommen Mutterschaftsgeld. Der Auszahlungsbetrag bleibt derselbe, wird jedoch von der Krankenkasse gezahlt.

    Übersicht: Wer hat welchen Anspruch auf Mutterschaftsgeld?

    Die Mutter ...

    Höhe des Mutterschaftsgeldes

    Wer zahlt?

    ... arbeitet und ist gesetzlich pflichtversichert

    13 Euro pro Tag plus Arbeitgeberzuschuss

    GKV und Arbeitgeber

    ... arbeitet und ist privat versichert

    Maximal 210 Euro einmalig plus Arbeitgeberzuschuss

    Bundesamt für Soziale Sicherung und Arbeitgeber

    ... ist familienversichert 

    ohne Arbeit

    Es wird kein Mutterschaftsgeld gezahlt


    mit Minijob

    Maximal 210 Euro einmalig plus Arbeitgeberzuschuss

    Bundesamt für Soziale Sicherung und Arbeitgeber

    ... ist selbstständig und freiwillig gesetzlich versichert

    mit Krankengeldanspruch

    Mutterschaftsgeld (70 Prozent des regelmäßigen Einkommens)

    GKV

    ohne Krankengeldanspruch

    Es wird kein Mutterschaftsgeld gezahlt


    ... ist selbstständig und privat versichert

    Krankentagegeldanspruch statt Mutterschaftsgeld

    Private Krankenversicherung

    ... ist arbeitslos mit ALG 1

    13 Euro pro Tag plus Zuschuss der Agentur für Arbeit

    GKV und Agentur für Arbeit

    ... ist arbeitslos mit ALG 2

    Kein Mutterschutzgeld, aber ALG 2 wird weitergezahlt plus einem Betrag für Mehrbedarf ab der 13. Schwangerschaftswoche

    Jobcenter

    Wie lässt sich die Höhe des Mutterschaftsgeldes berechnen?

    Wie hoch das Mutterschutzgeld zusammen mit dem Arbeitgeberzuschuss ausfällt, hängt vom Durchschnitt der letzten drei vollständigen Nettogehälter vor Beginn des Mutterschutzes ab. Aus der Berechnung heraus fallen Einmalzahlungen wie Weihnachtsgeld, Boni oder Urlaubsgeld. Auch Kurzarbeit aufgrund der Covidpandemie oder ein Wechsel der Steuerklasse nach Beginn des Mutterschutzes haben keinen Einfluss.

    Die Krankenkasse zahlt maximal 13 Euro pro Kalendertag. Das sind pro Monat 390 Euro. Wer mehr verdient, erhält auf jeden Fall sein bisheriges Nettogehalt. Der Arbeitgeber stockt den Differenzbetrag also komplett auf.

    Beispiel: Eine Frau arbeitet für ein Nettogehalt von 1.500 Euro. Auf den Kalendertag (30 Tage pro Monat) umgerechnet sind das 50 Euro. Während des Mutterschutzes erhält sie pro Tag daher 13 Euro von der Krankenkasse und 37 Euro vom Arbeitgeber.

    Wie wird Mutterschaftsgeld richtig beantragt?

    Die Krankenkasse zahlt Mutterschaftsgeld nicht automatisch. Arbeitnehmerinnen müssen es beantragen. Für den Antrag ist eine Bescheinigung über den voraussichtlichen Geburtstermin erforderlich. Diese stellt der Arzt aus. Für die Zeit nach der Geburt benötigt die Krankenkasse die Geburtsurkunde des Kindes, um weitere acht Wochen zu zahlen.

    Den einmaligen Zuschuss in Höhe von 210 Euro erhalten Antragsberechtigte über das Bundesamt für Soziale Sicherung. Das BAS verlangt neben der Bescheinigung zum voraussichtlichen Geburtstermin zusätzlich eine Bescheinigung, die der Arbeitgeber ausfüllt.

    Für den Arbeitgeberzuschuss benötigen Antragstellerinnen wiederum die Bescheinigung zum voraussichtlichen Geburtstermin. Diese legen sie im Unternehmen vor und erhalten ihr reguläres Nettogehalt weiterhin zum gleichen Zeitpunkt wie bisher.

    Mutterschaftsgeld während der Elternzeit

    Mütter, die sich noch in Elternzeit befinden und erneut in Mutterschutz gehen, erhalten von ihrer Krankenkasse Mutterschaftsgeld. Wer während der Elternzeit jedoch nicht arbeitet, bekommt auch keinen Arbeitgeberzuschuss.

    Dabei wird das Mutterschutzgeld komplett auf das Elterngeld angerechnet. Gezahlt wird entweder Mutterschafts- oder Elterngeld, nie beides zusammen. Das gilt nicht für den Einmalzuschuss des BAS, der wird nicht angerechnet.

    Von

    Dörte Neitzel

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