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18.05.2022

06:00

Ranking

Die besten Zusatzversicherungen für gesetzlich Versicherte

Von: Dirk Wohleb

Gesetzliche Kassen übernehmen die Kosten nach den Vorgaben des Sozialgesetzbuchs. Private Policen können eine sinnvolle Ergänzung sein.

Arztpraxis

Arztpraxis auf dem Land

Mit Zusatzversicherungen können gesetzlich Versicherte Leistungen außerhalb des Katalogs des Sozialgesetzbuchs absichern.

Düsseldorf Das deutsche Gesundheitssystem schneidet im internationalen Vergleich gut ab. Nach einer Auswertung der britischen Agentur für medizinische Berufe ID Medical belegt Deutschland nach Japan den zweiten Platz. Basis für das Gesundheitswesen sind die gesetzlichen Krankenkassen, bei denen 90 Prozent der Bundesbürger versichert sind. Sie müssen Menschen unabhängig von Vorerkrankungen aufnehmen.

Kosten für teure Dialysen oder Krebsbehandlungen werden übernommen. Grundsätzlich müssen die Leistungen der Krankenkassen aber „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ sein, wie es im Sozialgesetzbuch heißt. Sie dürfen das „Maß des Notwendigen“ nicht überschreiten.

Zusatzversicherungen kommen für Behandlungen auf, die nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen gehören. „Auf dem Markt findet sich eine Vielzahl von Angeboten. Die Wahl sollte vom individuellen Bedarf abhängen “, sagt Michael Franke, Geschäftsführer der Ratingagentur Franke und Bornberg. Sie hat die Produkte für das Handelsblatt analysiert. Und zwar Zusatzversicherungen für die Behandlung beim Zahnarzt, für den stationären und den ambulanten Bereich.

Mehr als 28 Millionen Bundesbürger haben laut dem Bundesverband der privaten Krankenversicherungen mindestens eine Zusatzversicherung abgeschlossen. Die Anbieter fragen vorab den Gesundheitszustand ab. „Sie müssen alle Gesundheitsfragen im Antrag vollständig und wahrheitsgemäß beantworten“, betont Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Sollte dies nicht der Fall sein, muss der Versicherer im Leistungsfall nicht bezahlen. Vorerkrankungen können zur Ablehnung, zum Ausschluss von Krankheiten oder zu einem Risikozuschlag führen.

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    Zahnzusatzversicherung: Kosten für Zahnersatz decken

    Beliebt sind Zahnzusatzversicherungen. 17 Millionen Bundesbürger sind im Besitz einer Police. Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich beim Zahnersatz an den Kosten mit einem Festzuschuss, der nur für eine Basisversorgung mit einfachen Kronen oder Prothesen reicht. „Der Zahnersatz mit Implantaten setzt sich immer stärker durch. Mit dem Zuschuss der gesetzlichen Krankenkassen lässt sich aber nur ein kleiner Teil der Kosten decken“, sagt Bianca Boss.

    Von insgesamt 23 untersuchten Tarifen erhalten 15 die Höchstnote sehr gut. Ein Großteil der Versicherungen bildet keine Alterungsrückstellungen: Bei den mit sehr gut ausgezeichneten Tarifen liegen die monatlichen Prämien im Musterfall einer Person im Alter von 30 Jahren zwischen 12,41 Euro und 23,50 Euro.

    Versicherte müssen bei diesen Tarifen mit einem stärkeren Anstieg des Beitrags als bei den Tarifen rechnen, die Alterungsrückstellungen bilden. Hier liegen die Prämien der mit sehr gut ausgezeichneten Tarifen zwischen im Musterfall zwischen 31 Euro und 34,57 Euro monatlich.

    Gleich drei Zahnzusatzversicherungen schneiden im Test von Franke und Bornberg mit der Höchstzahl von 100 Punkten ab. Sie bieten eine sehr hohe Qualität, überzeugen aber durch ihre Prämie: Schließlich macht das Rating, das die Qualität der Tarife untersucht, 70 Prozent der Gesamtnote aus, die Prämie geht zu 30 Prozent ein.

    Mit der vollen Punktzahl wird der Tarif „ZP 9“ der Süddeutschen Krankenversicherung ausgezeichnet. Für Zahnersatz und Zahnbehandlungen wie zum Beispiel eine Wurzelbehandlung übernimmt die Versicherung gemeinsam mit der gesetzlichen Kasse 90 Prozent der Gesamtkosten. Zum Leistungskatalog gehört auch die Übernahme der Kosten für eine professionelle Zahnreinigung zu 100 Prozent, maximal jedoch 150 Euro pro Jahr.

    Die Süddeutsche Krankenversicherung kommt gemeinsam mit dem Festzuschuss der gesetzlichen Kassen für 90 Prozent der Kosten für Zahnersatz auf. Ein Beispiel: Beim Verlust eines Zahns im Frontbereich fallen Gesamtkosten von 3580 Euro bei einer Versorgung mit einem Implantat an. Der Festzuschuss beträgt 661,54 Euro. Die Zusatzpolice übernimmt Kosten von 2560,46 Euro. Es bleibt unterm Strich ein Eigenanteil von 358 Euro. Ohne Zusatzpolice müsste der Kassenpatient 2976 Euro hinzuzahlen.

    Der ebenfalls mit sehr gut ausgezeichnete Tarif „CEZE“ der Continentale Krankenversicherung deckt die Kosten für Zahnersatz sogar zu 100 Prozent ab. Hier liegt die monatliche Prämie im Musterfall bei 34,57 Euro, mit der auch Alterungsrückstellungen aufgebaut werden. „ Die Beiträge steigen somit nicht aufgrund des Älterwerdens wie bei vielen anderen Zahnzusatztarifen“, sagt Helmut Hofmeier, Vorstand Kranken- und Lebensversicherung im Continentale Versicherungsverbund. „Im Trend liegen Tarife, die hohe Erstattungen garantieren bei gleichzeitig annehmbaren Beiträgen“, fügt Hofmeier hinzu.

    Stationärer Bereich: Chefarzt und Einzelzimmer

    Wer als Kassenpatient im Krankenhaus wie ein Privatpatient behandelt werden will, für den kann eine Zusatzversicherung für den stationären Bereich infrage kommen. Dafür haben sich in Deutschland 8,2 Millionen gesetzlich Krankenversicherte entschieden. Von den untersuchten Tarifen werden elf mit der Höchstnote sehr gut bewertet. All diese Tarife berücksichtigen Alterungsrückstellungen.

    Mit der Höchstzahl von 94 Punkten schneidet der Tarif „MediClinic Premium“ der Gothaer Krankenversicherung am besten ab. Der monatliche Beitrag für eine Person im Alter von 30 Jahren liegt bei 39,60 Euro. Dieser Tarif umfasst die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer.

    Dabei werden auch die Kosten für privatärztliche Behandlungen übernommen, die über die Höchstsätze der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) hinausgehen. Das Interesse an einer stationären Krankenzusatzversicherung nimmt zu: „Die Covid-19-Pandemie hat das Bewusstsein für Gesundheit und entsprechende Absicherung durch Zusatzversicherungen weiter geschärft“, sagt Sylvia Eichelberg, Vorstandsvorsitzende der Gothaer Krankenversicherung.

    Ambulanter Bereich: Naturheilverfahren

    Die dritte Gattung privater Zusatzversicherungen zielt auf die ambulante Behandlung ab. Von den untersuchten Tarifen werden fünf mit der Höchstnote sehr gut ausgezeichnet. Franke und Bornberg hat dabei Tarife mit Leistungen für Sehhilfen, Naturheilverfahren und Vorsorge berücksichtigt.

    Im Musterfall einer 30 Jahre alten Person schneidet die Barmenia Krankenversicherung mit dem Tarif „Mehr Gesundheit 1000, Mehr Sehen“ mit 95 von 100 Punkten am besten ab. Eine Person im Alter von 30 Jahren muss monatlich 21,50 Euro bezahlen. Die Versicherung übernimmt die Kosten für Naturheilverfahren oder auch für einen Heilpraktiker. Auch Vorsorgeuntersuchungen zählen zum Leistungskatalog, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Das Spektrum der Leistungen der ambulanten Zusatzangebote ist vielfältig: „Für die einzelnen Bereiche gibt es unterschiedliche Grenzen, bis zu der eine Versicherung für Behandlungskosten aufkommt“, sagt Franke.

    Die Beispiele zeigen: Wer eine Zusatzversicherung abschließt, sollte sich individuell beraten lassen. Spezialisierte Makler und Honorarberater können Interessenten dabei begleiten.

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