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30.06.2022

13:40

Währungen

Schweizer Franken übersteigt Wert des Euro – Notenbank macht Ernst gegen die Inflation

Von: Jakob Blume

Die Schweizerische Nationalbank könnte schon bald Euro und Dollar auf den Markt werfen. Doch die Strategie birgt Risiken für die Wirtschaft.

Euro und Schweizer Franken dpa

Euro und Schweizer Franken

Die eidgenössische Landeswährung gewinnt gegenüber dem Euro deutlich an Kaufkraft.

Zürich Nach der überraschenden Zinswende der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hat der Euro deutlich gegenüber dem Schweizer Franken abgewertet. Der Euro-Franken-Wechselkurs fiel am Donnerstag zwischenzeitlich auf den tiefsten Wert seit der Freigabe des Franken-Wechselkurses im Jahr 2015. Mittlerweile hat sich die Gemeinschaftswährung leicht erholt und kostet 0,997 Franken.

Vor zwei Wochen hatte die SNB den Leitzins in der Schweiz um 0,5 Prozentpunkte erhöht, von minus 0,75 auf minus 0,25 Prozent. Seither hat der Franken gegenüber dem Euro rund vier Prozent aufgewertet. Analysten halten es nun auch für möglich, dass die Notenbank Euro und Dollar aus ihrer Devisenreserve verkauft und damit den Höhenflug des Frankens weiter befeuert.

Maxime Botteron, Ökonom und SNB-Experte bei der Credit Suisse, sagt: „Angesichts der steigenden Inflation strebt die SNB nicht länger eine Abschwächung des Frankens an und dürfte daher ihre Devisenkäufe einstellen.“ Darüber hinaus habe die Notenbank sogar Verkäufe aus der Devisenreserve in Aussicht gestellt.

Schweizer Franken: Inflationsrate in Schweiz zuletzt bei 2,9 Prozent

In der Schweiz ist die Teuerungsrate zuletzt auf 2,9 Prozent gestiegen. Damit fällt sie zwar deutlich geringer als die Inflationsrate der Euro-Zone aus, die im Mai auf den Rekordwert von 8,1 Prozent gestiegen war. Allerdings liegt der Schweizer Wert auch deutlich über dem Ziel der Geldwertstabilität, dem sich die SNB verschrieben hat. Geldwertstabilität sieht die Notenbank bei einer Inflation leicht unter zwei Prozent.

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    Unklar ist, welches Wechselkursniveau die SNB für verkraftbar für die schweizerische Exportwirtschaft hält. Die Notenbank selbst kommuniziert keine Wechselkursziele.

    SNB überrascht die Märkte

    In der Vergangenheit hatte die SNB jedoch oft kurz vor der Parität zum Euro mit Devisenankäufen reagiert, um den Franken wieder zu schwächen. Doch diese Marke ist nun nachhaltig gefallen. Ulrich Leuchtmann, Devisenmarktexperte der Commerzbank, sagt, die Finanzmärkte würden das neue Wechselkursniveau nur durch „Ausprobieren herausfinden.“

    Mit seiner strikten Geldpolitik hatte SNB-Chef Thomas Jordan die Märkte überrascht. Viele Marktteilnehmer waren davon ausgegangen, dass die SNB erst nach der Europäischen Zentralbank (EZB) die Leitzinsen anhebt, um eine zu starke Aufwertung des Frankens zu vermeiden. Doch die geldpolitische Wende in Europa vollzieht sich nach Jordans Ansicht offenbar nicht schnell genug, um die Inflation zu bekämpfen.

    Auf dem Notenbankertreffen im portugiesischen Sintra hatte EZB-Chefin Christine Lagarde erneut betont, im Juli die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte anzuheben. In Sintra sei deutlich geworden, wie sehr die EZB den übrigen Notenbankern bei der Zinswende hinterherhinkt, so Commerzbank-Experte Leuchtmann. „Daher die allgemeine Euro-Schwäche, die voll auf den Euro-Franken-Wechselkurs durchschlägt.“

    Ein starker Franken hilft der SNB bei ihrem Kampf gegen die Inflation. Importgüter werden dadurch billiger. Credit-Suisse-Analyst Botteron rechnet vor: Ein Rückgang des Euro-Franken-Wechselkurses um zehn Prozent senkt die Inflation in der Schweiz um rund 0,5 Prozentpunkte.

    Die jüngste Aufwertung des Frankens hatte daher nur einen begrenzten Einfluss auf die Inflationsrate in der Schweiz. „Auf der Grundlage unserer Schätzung zu den Auswirkungen von Wechselkursveränderungen müsste der Franken um 20 Prozent aufwerten, also auf etwa 80 Cent pro Franken sinken, damit die Inflation unmittelbar unter zwei Prozent fällt.“

    Ende der Nullzinsphase in der Schweiz eingeläutet

    Eine derart drastische Abwertung dürfte die SNB nicht zulassen. Die Notenbank hatte angekündigt zu intervenieren, wenn der „Franken übermäßig aufwertet“ und wenn sich der Franken abschwächen sollte. Leuchtmann liest daraus, dass eine graduelle Aufwertung des Frankens aus Sicht der SNB das ideale Szenario wäre.

    Dann könnte die Notenbank einen ähnlichen Effekt erzielen wie bei einem vorsichtigen Zinsanstieg. Das Problem sei jedoch: „Ein effizienter Devisenmarkt kann einen solchen glatten Pfad niemals liefern.“ Die Trader würden in den kommenden Wochen die „SNB-Schmerzgrenze auf der Unterseite des Euro-Franken-Wechselkurses ausloten“.

    Unterdessen sind die Auswirkungen der Zinswende in der Schweiz bereits zu spüren: Die Zinsen für eine Hypothek mit zehnjähriger Laufzeit sind gemäß dem Vermittler Moneypark im Durchschnitt von rund 1,3 Prozent Ende 2021 auf mehr als drei Prozent gestiegen.

    Zudem ist für Sparer in der Schweiz ein Ende der Negativzinsen auf hohe Einlagen in Sichtweite. Als erste Bank hat die Credit Suisse am Mittwoch Minuszinsen auf Millionenvermögen wieder abgeschafft. Auch damit sind die Schweizer deutlich früher dran als viele europäische Institute.

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