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19.08.2022

06:15

Energiepreise

Techem-Vorstandschef rechnet wegen Energiepreisen mit Privatinsolvenzen von Mietern

Von: Kerstin Leitel, Carsten Herz

Steigende Energiekosten und Gasumlage setzen Mieter unter Druck. In dem Thema steckt laut Matthias Hartmann sozialer Sprengstoff.

Der große Immobilien-Energiedienstleister Techem erwartet, dass die stark steigenden Energiepreise im kommenden Winter einige Mieter finanziell überfordern werden. „Es wird teurer – und nicht jeder wird sich das leisten können“, sagte Vorstandschef Matthias Hartmann dem Inside Real Estate Newsletter. „Ich rechne mit Privatinsolvenzen bei einigen Mietern, wenn der Staat nicht eingreift.“ Dass Vermieter flächendeckend in Liquiditätsschwierigkeiten kämen, sieht der Topmanager dagegen weniger.

„Im schlimmsten Fall muss er vielleicht eine Einheit in seinem Mehrfamilienhaus verkaufen“, sagte Hartmann. Doch natürlich stecke in dem Thema sozialer Sprengstoff. „Es könnte ein wilder Ritt im Winter werden“, sagt er voraus. Nach einer Studie des Forschungsinstituts für Wärmeschutz e.V. München (FIW) müssen sich Eigentümer und Mieter bei energetisch schlechten, ungedämmten Häusern auf Preissteigerungen von 150 Prozent einstellen. Die Energiepreise sind in den vergangenen Monaten ohnehin bereits stark gestiegen. Nun kommen mit der beschlossenen Gasumlage weitere Kosten hinzu.

Techem sieht allerdings noch viel Potenzial zum Energiesparen im Heizungssektor. „Viele Heizungsanlagen in Deutschland sind überaltert und zu groß“, sagte Hartmann. Wie eine Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums zeige, seien 80 Prozent der Heizungssysteme bundesweit überdimensioniert. 40 Prozent liefen im Sommer wie im Winter unverändert durch. 80 Prozent seien im Schnitt zu hoch eingestellt und verbräuchten zwischen acht und 15 Prozent zu viel Energie. „30 Prozent sind noch in Werkseinstellung“, sagte Hartmann, und seien damit nicht optimiert. Es gebe also noch viele Möglichkeiten, beim Sparen anzusetzen.

„Wir können bei der gleichen Heizung, mit der gleichen Dämmung zehn bis 15 Prozent Energie einsparen, indem man die Temperatur des Heizkessels anpasst”, betont der Techem-Vorstandschef. „Das ist technologisch schon lange möglich – wird aber häufig nicht gemacht.“ Die digitale Überwachung von Verbrauch bringe deswegen viel. „Natürlich ist in einem milden Winter eine andere Heizungseinstellung geboten als in einem harten Winter.“

Niemand müsse sich dabei Sorgen machen, dass sich im Haus Schimmel bilde, wenn ein wenig weniger geheizt werde, sagte Hartmann. Erst wenn die Temperatur auf unter 14 oder 15 Grad falle, bestehe die Gefahr von Schimmelbildung. Hier könne jedoch die Einstellung mit dem Halbmond auf dem Thermostat unterstützen. „Diese entspricht der Nachtabsenkung und hält die Temperaturen konstant auf 14 Grad“, so Hartmann.

Der Topmanager warnt allerdings, die Geschwindigkeit der angestrebten Energiewende in Deutschland zu überschätzen. „Ich vermute, dass es Jahrzehnte dauern wird, bis der Anteil der Gasheizungen, der heute bei 60 Prozent liegt, auf unter 20 Prozent sinkt“, sagt Hartmann. Ein Grund sei, dass nur weniger Neubauten als geplant jedes Jahr hinzukommen würden. Und das bedeute, dass Deutschland ein Problem mit dem Bestand habe.

„Einen klassischen Altbau mit 30 bis 50 Wohneinheiten bekomme ich mit einer Wärmepumpe nicht warm“, warnt der Techem-Chef. Die Gebäude seien meist nicht gut gedämmt, hätten keine Radiatoren oder Fußbodenheizung und müssten kostenintensiv nachgerüstet werden. „Bis wir also die Wärmepumpe im Bestand bekommen, wird es Jahrzehnte dauern“, sagt Hartmann voraus. „Wir brauchen deshalb für eine vernünftige Versorgung eine hybride Versorgung.“

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