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20.01.2022

10:00

Betriebsärzte

Viele Absagen, wenig Impfstoff – Erste Firmen impfen nicht mehr

Von: Michael Scheppe, Anja Müller

Die Firmen-Impfkampagnen stocken erneut, weil der beliebte Biontech-Impfstoff knapp ist. Zudem sagen viele Beschäftigte ihren Termin beim Betriebsarzt ab.

Viele Absagen, wenig Impfstoff – Erste Firmen impfen nicht mehr dpa

Impfung bei der Landesbank Baden-Württemberg

Erste Firmen stellen die Impfkampagne im eigenen Haus ein.

Düsseldorf Bei der Commerzbank bekommen die Beschäftigten keinen Impfstoff mehr. Die Betriebsärzte des Geldhauses haben noch im Sommer und Herbst grundimmunisiert, den Booster müssen sich die Banker aber anderswo suchen. „Aktuell ist das externe Impfangebot so gut ausgebaut, dass eine interne Impfkampagne aus unserer Sicht keinen Mehrwert für unsere Mitarbeitenden darstellt“, begründet eine Sprecherin.

Wie in Frankfurt beteiligen sich in der gesamten Republik weniger Werksdoktoren an den Auffrischungsimpfungen. „Erste Firmen stellen die Impfkampagne im eigenen Haus ein“, sagt Anette Wahl-Wachendorf vom Verband der Betriebsärzte. Die Gründe sind zahlreich.

Erstens gibt es mehr niederschwellige Angebote in Impfzentren, bei Hausärzten oder in Impfbussen als vergangenes Jahr. Mitunter machen sich Beschäftigte mehrere Termine – und sagen kurzfristig ab. Wahl-Wachendorf schätzt, dass zehn Prozent der verabredeten Termine bei den Werksdoktoren abgesagt werden.

Oft nur zwölf Dosen Biontech pro Betriebsarzt

Zudem ist der Impfstoff knapp. Jeder Betriebsarzt kann von dem Biontech-Vakzin derzeit nur maximal 30 Dosen ordern. Tatsächlich geliefert bekommen viele Werksärzte aber nur zwölf bis 18 Dosen. „Die unzuverlässige Lieferung macht es für die Kollegen schwierig, die Impfungen zu planen“, so Wahl-Wachendorf. So reichen etwa bei SAP die Biontech-Lieferungen nicht aus. Auch die Allianz bezeichnet die knappe Versorgung mit diesem Impfstoff als „Handicap“.

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    Zwar können Betriebsärzte das Vakzin von Moderna in unbegrenzter Menge ordern. Doch das habe bei vielen Beschäftigten zu Unrecht ein Akzeptanzproblem, berichtet Medizinerin Wahl-Wachendorf. Hinzu kommt, dass die Behörden unter 30-Jährigen und Schwangeren nur die Impfung mit Biontech empfehlen. Entspannung ist aber in Sicht: In der fünften und sechsten Kalenderwoche soll es wieder größere Biontech-Liefermengen geben.

    Schon im Sommer liefen die betrieblichen Impfkampagnen nur stockend. Die Hoffnungen auf eine schnelle Immunisierung der Beschäftigten durch die Werksdoktoren waren seinerzeit groß, weil die bundesweit 12.000 Betriebsärzte direkten Zugang zu den 45 Millionen Angestellten haben. Viele große Unternehmen bauten rasch große Impfstraßen auf, konnten diese aber oft nicht voll auslasten, weil sie zu wenig Impfstoff geliefert bekamen.

    VW hat schon 107.000 Impfdosen verabreicht

    Auch wenn erste Firmen nun nicht mehr impfen: Großkonzerne und große Familienunternehmen immunisieren weiter. Seit Dezember bieten sie Beschäftigten und deren Verwandten Auffrischungsimpfungen an. BASF-Werksärzte haben bislang rund 17.000 Boosterimpfungen verabreicht, die Telekom hat ähnlich viele Termine für Januar vergeben. Volkswagen hat seit Beginn der betrieblichen Impfkampagne insgesamt 107.000 Dosen verabreicht.

    Die Angebote der Betriebsärzte stoßen vor allem dort auf Interesse, wo Beschäftigte nur wenige andere Möglichkeiten zur Impfung haben. So berichtet der Heizungs- und Klimaspezialist Viessmann mit Sitz im ländlichen Allendorf in Hessen von einer großen Nachfrage. Bei dem Kölner Handelsunternehmen Berner fällt diese geringer aus, weil viele Beschäftigte sich schon anderswo geboostert haben.

    Viele Betriebe rühmen sich, dass ihre Impfquote höher ist als der bundesweite Schnitt von etwa 73 Prozent. Beim Maschinenbauunternehmen Trumpf liegt sie nach eigenen Angaben bei 93 Prozent, der Energieversorger Eon kommt auf 95 Prozent. Beim Sportartikelhersteller Puma sind es gar 96 Prozent, bereits 50 Prozent sollen dort die Auffrischungsimpfungen bekommen haben. Gerade in Ostdeutschland verzeichnen Firmen aber niedrigere Zahlen: Der Mittelständler MN Maschinenbau berichtet, dass nur 20 Prozent der Beschäftigten geboostert sind.

    Beiersdorf plant, sein Impfzentrum bis Ende Januar geöffnet zu lassen, Viessmann bis Anfang Februar, Henkel hat bis in den Februar hinein Termine vergeben. Betriebsärztevertreterin Wahl-Wachendorf rechnet damit, dass die Boosterkampagne spätestens im März in allen Unternehmen abgeschlossen ist. Dann rechnet die Medizinerin auch mit einer Entspannung des Infektionsgeschehens.

    Mitarbeit: Martin Buchenau

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