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02.07.2022

11:45

Bewerbung

Wie man die eigenen Erfolge im Bewerbungsgespräch am besten bewirbt

Von: Claudia Obmann

Karrierecoach Heike Cohausz hat Hunderten Managern bei der Neuorientierung geholfen. Hier zeigt sie die beste Methode, um persönliche Stärken zu identifizieren.

Bewerbungsgespräch: Karriere-Coach Heike Cohausz Daniel Schmitt

Karriere-Coach Heike Cohausz

„Die meisten Bewerber haben im Vorstellungsgespräch ihre relevanten Erfahrungen nicht parat.“

Düsseldorf Im Vorstellungsgespräch heißt es „hopp oder top“: Ist ein Bewerber der oder die Richtige für die freie Stelle? Expertise und Erfahrung sind gefragt. „Belegen Sie knallhart, was Sie für den neuen Chef leisten können“, rät Karrierecoach Heike Cohausz Kandidaten. „Führen Sie Ihre konkreten Erfolge an – sie sind das Ergebnis Ihrer Stärken.“

Doch genau daran scheiterten die meisten Bewerber, weiß die Chefin der Düsseldorfer Beratung P4Career. „Sie haben ihre relevanten Erfahrungen nicht parat.“ Ganz oft stöhnten die Kandidaten nach der Vorstellungsrunde: „Warum ist mir das nur nicht eingefallen.“

Seit mehr als zehn Jahren ist Heike Cohausz im Outplacement-Geschäft tätig. Mehr als 300 Kandidaten hat sie bei der beruflichen Neuorientierung beraten. Ihre Hauptkunden sind Führungskräfte über 45. Sie haben oft eine lange Konzernkarriere hinter sich und müssen sich nun aufgrund von Umstrukturierungen oder wegen der Transformation des Geschäfts einen neuen Job suchen. Ihr Arbeitgeber spendiert ihnen professionelle Unterstützung.

Daneben beobachtet die Beraterin, dass auch viele Anfang 30-Jährige wissen wollen, wo ihre persönlichen Stärken liegen, „um sich gezielt als Marke aufzubauen und künftige Positionen strategisch zu wählen“.

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Standort erkennen

    In beiden Fällen ist die Praxis-Matrix eine exzellente Vorbereitungsmethode. Cohausz: „Damit lassen sich wie mit einer Grubenlampe die persönlichen Goldklumpen aufspüren, die für einen neuen Arbeitgeber wertvoll sind.“

    Und so lassen sich die eigenen Stärken Schritt für Schritten identifizieren:

    Schritt eins: Die größten Leistungen und Erfolge der letzten zehn Jahre Revue passieren lassen

    Es empfiehlt sich, den Lebenslauf rückwärts durchzugehen. Und zunächst mindestens fünf, besser zehn herausragende Leistungen der aktuellen beziehungsweise letzten Position jeweils als Spaltenüberschrift aufzulisten. Danach noch je drei bis vier Erfolge der vorherigen Positionen ebenfalls am oberen Spaltenende notieren. Speziell für Führungskräfte sei es dabei wichtig, jeweils Beispiele für folgende Teilaspekte zu finden – und zu beleuchten, inwiefern die eigene Arbeit darauf positiv eingewirkt hat:

    • Unternehmensstrategie
    • Fachliche und operative Themen
    • Prozesse und Strukturen
    • Führung und Kommunikation
    • Werte und Kultur

    Um den Erfolg zu dokumentieren, rät Cohausz konkret zu folgendem Prozedere: „Notieren Sie auf dem Arbeitsblatt unter Ihrer jeweiligen Position und dem betreffenden Jahr den jeweiligen Sachverhalt. Am besten, indem Sie diese Frage beantworten: „Was war die Herausforderung, das Problem oder die Aufgabenstellung für Sie?“

    Schildern Sie dann in der nächsten Zeile, wie Sie reagiert haben, wie Sie genau vorgegangen sind oder was Sie veranlasst haben. „Nicht vergessen, die erfolgskritischen Faktoren festzuhalten“, rät die Beraterin. Etwa „Vorstand mit ins Boot geholt“ oder „Budget nachverhandelt“.

    Schritt zwei: Quantitative als auch qualitative Beurteilung der Leistungen

    In einer weiteren Zeile rät die Düsseldorfer Expertin den Kandidaten, zu jedem ihrer aufgelisteten Beispiele ein Fazit zu ziehen: „Analysieren Sie, was Sie mit Ihrer jeweiligen Aktivität sowohl quantitativ als auch qualitativ aus Sicht Ihres Unternehmens erzielt haben.“

    Cohausz veranschaulicht das an einem Beispiel: „Neue Vertriebsstrategie entwickelt“ sei eine typische Aussage eines Sales-Chefs. Besser sei aber, konkret festzuhalten: „Meine neue Vertriebsstrategie für Deutschland führte im Zeitraum x zu y Millionen Euro mehr Gesamtumsatz und stärkte somit die Marktposition des Unternehmens. Aufgrund des Erfolgs wurde meine Strategie im Folgejahr von den Tochtergesellschaften in drei weiteren Ländern übernommen.“

    Cohausz’ Extratipp für diese kurzen, aussagekräftigen Erfolgsstorys: „Beschränken Sie sich nicht nur auf den Ausschnitt, an dem Sie unmittelbar beteiligt waren, sondern schildern Sie die Auswirkungen auf die Gesamtorganisation.“

    Schritt drei: Leiten Sie Ihre Eigenschaften ab

    In der letzten Zeile der Matrix halten Sie nun Ihre entscheidenden persönlichen Eigenschaften für den jeweiligen Erfolg fest. Welche individuellen Stärken haben Sie eingesetzt, um dieses Ergebnis zu erzielen?

    Kommunikationstalent, strategischer Weitblick, Führungsgeschick oder Einfühlungsvermögen beziehungsweise Durchsetzungskraft könnten hier zum Beispiel stehen. Und noch vieles mehr. „Diejenigen Eigenschaften, die in dieser Matrix ganz unten immer wieder auftauchen, sind neben Ihrer Fachkompetenz Ihre persönlichen Stärken“, sagt Cohausz.

    Geschafft. Der Überblick steht. Den Vorteil der Praxis-Matrix gegenüber Online-Fragebögen zur Selbsteinschätzung, wie sie gern von Headhuntern eingesetzt werden, erklärt Cohausz so: „Der Kandidat profitiert davon, dass neben jeder entscheidenden Fachkompetenz und jedem wichtigen Persönlichkeitsmerkmal gleich vermerkt ist, zu welchem konkreten Erfolg sie geführt hat. Wer das einmal durchdacht und zu Papier gebracht oder in einer Excel-Tabelle gespeichert hat, hat seine beruflichen Highlights später im Gespräch mit dem potenziellen Chef garantiert parat.“

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