Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

16.11.2022

14:37

Bitkom-Umfrage

In Deutschland fehlen 137.000 IT-Fachkräfte

Von: Frank Specht

Unternehmen müssen im Durchschnitt sieben Monate warten, bis sie eine offene IT-Fachkraftstelle besetzen können. Und der Personalmangel könnte sich noch verschärfen.

Die Bitkom machte sich für eine weitere Erleichterung der Zuwanderung für ausländische IT-Fachkräfte stark. dpa

Rechenzentrum

Die Bitkom machte sich für eine weitere Erleichterung der Zuwanderung für ausländische IT-Fachkräfte stark.

Berlin In der deutschen Privatwirtschaft fehlen derzeit quer durch alle Branchen 137.000 IT-Fachkräfte. Dies geht aus einer repräsentativen Befragung des Branchenverbands Bitkom unter 854 Unternehmen hervor. Bitkom-Präsident Achim Berg sagte bei der Präsentation der Ergebnisse: „Wir sehen hier ein riesiges Problem.“ Der Mangel an Expertinnen und Experten sei das „Haupthindernis bei der digitalen Transformation“.

Die Zahl der nicht besetzten Stellen für IT-Expertinnen und -Experten ist damit sogar höher als vor der Coronapandemie. Im Jahr 2019 lag sie bei 124.000. Im Schnitt müssen Unternehmen gut sieben Monate warten, bis eine ausgeschriebene IT-Stelle besetzt ist, 2021 waren es im Schnitt 6,6 Monate. Bei rund jedem siebten Unternehmen dauert die Stellenbesetzung sogar sieben bis neun Monate.

74 Prozent der Unternehmen klagen entsprechend über einen Mangel an IT-Fachkräften – fast zehn Prozentpunkte mehr als bei der Befragung vor einem Jahr. Sieben von zehn Befragten erwarten zudem, dass sich der Fachkräftemangel im IT-Bereich weiter verschärfen wird.

Dies liegt unter anderem daran, dass das Interesse an einem Informatikstudium nachlässt. Im vergangenen Jahr wurden hier rund 72.000 Studienanfängerinnen und -anfänger gezählt – gut vier Prozent weniger als im Vorjahr und 7,5 Prozent weniger als im Jahr 2019.

Bitkom-Präsident Berg machte sich deshalb für eine weitere Erleichterung der Zuwanderung für ausländische IT-Fachkräfte stark. Diese werden zwar schon durch das noch von der Großen Koalition verabschiedete Fachkräfteeinwanderungsgesetz gegenüber anderen Berufsgruppen privilegiert. Sie dürfen auch ohne formalen Berufsabschluss einreisen und in Deutschland arbeiten, wenn sie entsprechende Berufserfahrung nachweisen können.

Großes Potenzial sieht die Branche in Einwanderung 

Aus Sicht von Bitkom sollten die Voraussetzungen aber weiter gelockert werden. So sei der erforderliche Nachweis von Deutschkenntnissen in den meisten Fällen „völlig überflüssig“, weil die Programmiersprache ohnehin Englisch sei, sagte Berg. Auch müsse das Einwanderungsverfahren weiter entbürokratisiert und digitalisiert werden. Auch müsse in den Herkunftsländern noch stärker für eine Tätigkeit in Deutschland geworben werden.

Fachkräfte in IT-Berufen sind Mangelware. ddp images

Datenzentrale

Fachkräfte in IT-Berufen sind Mangelware.

Großes Potenzial sieht der IT-Branchenverband in der Einwanderung von Fachkräften aus Russland und Belarus. Nach Schätzungen von Bitkom könnten rund 59.000 Expertinnen und Experten aus diesen Ländern – nach einer entsprechenden Sicherheitsüberprüfung – in deutschen Unternehmen eingestellt werden.
>> Lesen Sie hier: Die Einwanderungsillusion – warum uns mehr Zuwanderung nicht vor dem Arbeitskräftemangel bewahren wird

Jedes vierte der befragten Unternehmen kann sich vorstellen, IT-Fachkräfte aus Russland und Belarus einzustellen. Elf Prozent der Befragten gaben an, es seit Beginn des Ukrainekriegs am 24. Februar bereits versucht zu haben, aber an bürokratischen Hürden gescheitert zu sein. Nur ein Prozent der Firmen hat seit Kriegsbeginn russische oder belarussische IT-Kräfte eingestellt. 16 Prozent der Befragten gaben an, dass dies für sie wegen Sicherheitsbedenken im Augenblick keine Option sei.

Eine gezielte Anwerbung von IT-Fachkräften aus der Ukraine hält Bitkom-Präsident Berg für nicht angebracht. Damit schwäche man das von Russland angegriffene Land weiter. Von den nach Deutschland geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern hat inzwischen rund ein Fünftel eine Arbeit gefunden, wie aus einer nicht repräsentativen Stichprobenbefragung des Ifo-Instituts hervorgeht. Mehr als die Hälfte von ihnen arbeitet nach eigener Aussage aber unter ihrer formalen Qualifikation.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×