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Chef zu gewinnen

15.08.2018

20:00

André Maeder, Geschäftsführer der KaDeWe Group

„Luxusgüter werden weiter offline verkauft“

Von: Ulrike Heitze

Onlineshopping ist keinesfalls das Ende des stationären Handels. Davon ist André Maeder überzeugt und sieht im Handel noch gute Chancen für schnelle Karrieren.

KaDeWe Group: „Luxusgüter werden weiter offline gekauft“ Viviane Wild für Handelsblatt

André Maeder

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der KaDeWe Group, zu der auch das KaDeWe in Berlin gehört. Er traf am Berliner Droste-Hülshoff-Gymnasium Schüler aus dem Wirtschaftsgrundkurs der 12. Klasse.

Das KaDeWe hat keinen Online-Shop, nur eine Webseite mit Infos. Können Sie sich das leisten?

Stimmt, wir verkaufen bislang nichts im Internet. Unsere Ware bekommt man nur in unseren Häusern in Berlin, Hamburg und München. Was klingt, als hätten wir da was verpasst, war bisher aber eine bewusste Entscheidung. Wir werden erst die umfangreichen Umbauten in unseren Häusern abschließen. Eine Frage des Geldes und der personellen Kapazitäten.

Aber auch wir denken intensiv über das Thema Omnichannel nach. Der Haken dabei ist: Das KaDeWe führt eine Million unterschiedliche Artikel – zum Vergleich: ein großer ZARA hat rund 8.000.Wenn wir nur zehn Prozent unseres Sortiments online stellen, sind das immer noch 100.000 Produkte, die wir irgendwo separat vorhalten müssen. Und der Online-Kunde ist trotzdem enttäuscht, weil es nur zehn Prozent sind. Wir müssen also etwas finden, was zu uns passt, sowohl von Sortimentsseite als auch vom Experience-Charakter, der bei uns immens ist.

Wenn alle Welt online einkauft, haben Jobs im stationären Handel überhaupt noch eine Zukunft?

Was unsere Häuser betrifft bin ich da ganz sicher. Wir sind im Premiumsegment tätig. Da möchten die Kunden Hilfestellung und gut beraten werden. Dafür brauchen wir immer fähige Mitarbeiter. Und noch ein Beispiel: Wir haben allein im KaDeWe 100 Köche in 36 Restaurants. Wir backen unser Brot und mehrere hundert Torten täglich selbst. Unsere legendäre sechste Etage, das Food Department, ist ein absoluter Publikumsmagnet. All das geht nicht ohne Menschen.

Wie verändert die Digitalisierung Ihr stationäres Geschäft?

Sie verändert vor allem die Werbung und die Kundenansprache. Mehr als 20 Prozent unserer Werbung läuft mittlerweile digital. Das wird in den nächsten drei Jahren auf rund 50 Prozent steigen. Vor fünf Jahren spielten Facebook, Instagram und Co keine Rolle, heute sind sie essenziell für uns. Drei Mitarbeiterinnen kümmern sich bei uns ausschließlich um die Sozialen Medien.

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    Was das Einkaufserlebnis angeht, möchte ich es künftig gerne ins Digitale verlängern: Der Kunde kauft zum Beispiel Schuhe bei uns und bekommt ein digitales Dankeschön, Pflegetipps und die Quittung aufs Smartphone. Damit nehmen wir ihm die Zettelwirtschaft ab.

    André Maeder

    Alter

    59 Jahre

    Job

    Vorsitzender der Geschäftsführung der KaDeWe Group GmbH

    Karriere

    Lehre in einem Sportartikelgeschäft, mit 20 Jahren Verkaufsleiter beim Schweizer Warenhaus ABM, mit 25 Filialleiter bei der Modehauskette PKZ, danach deren Zentraleinkäufer. Sechs Jahre später Wechsel als Einkaufschef zur Modehauskette Charles Vögele. Mit 35 Umzug nach London zum Luxuskaufhaus Harrods: zunächst als Einkaufschef für Fashion, dann als Gesamtchef für Ein- und Verkauf zuständig. Ab 2002 Vorstand bei den Modelabels S. Oliver und Hugo Boss, danach bei den Kaufhausketten Charles Vögele und Karstadt. Seit 2014 CEO der KaDeWe Group.

    Branche

    Handel

    Mitarbeiter

    4000 Mitarbeiter in Berlin, Hamburg, München.

    Kontakt

    Warum können Sie uns eine Karriere im Handel empfehlen?

    Wenn ihr schnell Verantwortung übernehmen und selbstständig arbeiten wollt, dann solltet ihr in den Handel oder in die Hotellerie gehen. Dort geht das heute noch – egal, ob mit Ausbildung oder Studium. Wer sich reinhängt, kann schnell eine Abteilung, eine Filiale oder ein ganzes Haus leiten. Unser Alsterhaus wird von einem 34-Jährigen geführt, unsere Einkaufschefin für Beauty & Accessories hat den Posten mit Anfang 30 angetreten. So früh eine solche Verantwortung zu übernehmen, ist in anderen Branchen praktisch ausgeschlossen.

    Sie haben in Ihrer Karriere öfter das Unternehmen gewechselt. Haben Sie einen neuen Job mal bereut?

    Ein Wechsel hat sich rückblickend tatsächlich als falsch erwiesen. Als ich mich 2009 zur Rückkehr in die Schweiz zu Charles Vögele entschloss, habe ich nicht auf mein Herz gehört, sondern habe mich von der Position – CEO eines börsennotierten Unternehmens – und vom Gehalt leiten lassen. So ein Angebot schmeichelt einem natürlich. Ich habe aber nicht berücksichtigt, dass ich mit Harrods und Hugo Boss schon zu lange im Luxussegment gearbeitet hatte, um mich nochmal im preisbewussten Einzelhandel wohl zu fühlen. Wir sind beide nicht glücklich miteinander geworden. Nach zwei Jahren haben wir uns getrennt. Deshalb mein Rat an euch: Hört bei Karriereentscheidungen immer auch auf eure Herzen. Lasst euch nicht von Geld oder Titeln blenden.

    Hat sich der Anschlag 2016 auf den Berliner Weihnachtsmarkt im KaDeWe bemerkbar gemacht?

    Ja, die Folgen haben wir deutlich gespürt und tun es noch heute. In den zwei Tagen nach dem Anschlag haben wir nur halb so viel umgesetzt wie sonst. Die Berliner kehrten danach ziemlich schnell zurück, aber bei den internationalen Besuchern liegt der Umsatz bis heute um 20 Prozent niedriger als zuvor. Viele Überseetouristen haben nach solchen Schlagzeilen Angst, nach Europa zu kommen. Deshalb ist es für ein Haus wie unseres wichtig, auch für Ortsansässige attraktiv zu sein. Glücklicherweise machen die Berliner die Hälfte unserer Kunden aus. Im Zuge der Terroranschläge in ganz Europa haben wir in den letzten drei Jahren unsere Ausgaben für die Sicherheit verdreifacht.

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