Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

ChefIn zu gewinnen ist eine Initiative der Handelsblatt Media Group. Die Inhalte dieser Seite wurden von Solutions by HMG und den teilnehmenden Unternehmen produziert.
Die Auswahl der teilnehmenden Unternehmen obliegt Solutions by HMG.
Chef zu gewinnen

27.05.2022

07:54

Gottfried Rüßmann, Vorstandsvorsitzender der DEVK

„Man muss sich über die eigenen Stärken und Vorlieben klar werden“

Von: Astrid Oldekop

Gottfried Rüßmann, Vorstandsvorsitzender der DEVK, begeisterte am Berufskolleg Neandertal in Mettmann den Projektmanagement-Kurs der Höheren Handelsschule.

Gottfried Rüßmann (vorne 2. v. r.) begeisterte am Berufskolleg Neandertal in Mettmann den Projektmanagement-Kurs der Höheren Handelsschule. Uta Wagner

„Chef zu gewinnen“

Gottfried Rüßmann (vorne 2. v. r.) begeisterte am Berufskolleg Neandertal in Mettmann den Projektmanagement-Kurs der Höheren Handelsschule.

Die Handelsblatt-Aktion „Chef zu gewinnen“ bringt jedes Jahr Topmanager in deutsche Schulen, wo sie sich den Fragen der angehenden Abiturienten rund um Berufs- und Karrierechancen stellen, aber auch ihre ganz persönlichen Erfolgstipps verraten.

Der Chef-Besuch in der Schule ist aber längst nicht alles: Bei einem Gegenbesuch auf der Chefetage erfahren die Oberstufenschüler, wie der Alltag „ihres“ Managers aussieht, wie in seinem Unternehmen gearbeitet wird – und ob es vielleicht sogar ein künftiger Arbeitsplatz für sie selbst sein könnte.

Die „Chef zu gewinnen“-Aktion ist ein fester Bestandteil der Initiative „Handelsblatt macht Schule“, mit der die Tageszeitung Wirtschafts- und Managementthemen stärker im Unterricht deutscher Schulen verankern möchte. Mehrere Dutzend Topmanager haben auf diese Weise schon ihre Erfahrungen mit Tausenden von Schülern geteilt.

Lust mitzumachen und einen Chef zu gewinnen? Hier geht es zu den Teilnahmebedingungen.


Herr Rüßmann, Sie arbeiten seit 33 Jahren bei der DEVK. Ist es nicht langweilig, den gesamten beruflichen Werdegang im selben Unternehmen zu verbringen? 

In den großen Versicherungskonzernen ist der Wechsel normaler Bestandteil einer Karriere. Meine lange Zeit bei einem Unternehmen ist eher ungewöhnlich, aber ich kann nicht anders. Es kamen immer mehr spannende Aufgaben hinzu, da bin ich klebengeblieben. Vor 15 Jahren haben die Headhunter aufgehört, bei mir anzurufen. 

Die DEVK wurde 1886 als Versicherungskasse für Eisenbahner gegründet. Wir sind ein Verein, die Kunden sind unsere Mitglieder, die Mitgliederversammlung bestimmt unsere Geschäftspolitik nachhaltig mit. 

Nach dem Studium sind Sie direkt in die Versicherungsbranche eingestiegen. Was hat Sie dazu gebracht, sich für diese Branche zu entscheiden?

Ich habe das Abitur auf einem altsprachlichen Gymnasium gemacht, war bei der Bundeswehr und habe BWL in Köln studiert. Danach wollte ich wie mein Vater zur Lufthansa, wo ich schon meine Diplomarbeit geschrieben hatte. Doch dort gab es einen Einstellungsstopp. 

Während des Studiums habe ich viel gejobbt: als DJ, in einer Spülküche, in einer Brillengläser-Fabrik – und bei der DEVK in der Postversandstraße. Als ich dort von einer Stelle im Controlling gehört habe, habe ich mich beworben und wurde genommen. Das war reiner Zufall. 

Nach zwei Jahren im Unternehmen habe ich ein Assessment Center durchlaufen. Die Verantwortlichen kamen zu dem Schluss, dass ich nicht für Führungsaufgaben geeignet sei. Ich habe mich aber geweigert, diese Beurteilung zu unterschreiben. Das hatte noch nie jemand vor mir getan. Ein Jahr später holte mich der Vorstandsvorsitzende als Assistent zu sich, weil es ihm imponiert hatte, dass ich der Beurteilung widersprochen hatte. Danach lief die Karriere ganz von allein, ich habe mich nie mehr beworben. Ich hatte immer das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Zum Unternehmen - DEVK

Branche

Versicherung

Mitarbeiter

7500 Menschen im Innen- und Außendienst: in der Zentrale in Köln, 19 Regionaldirektionen und 1200 Geschäftsstellen

Berufseinstieg

Ausbildung für Kaufleute für Versicherungen und Finanzen, Kaufleute für Büromanagement sowie duale Studiengänge Risk and Insurance, IT und BWL. Praktika für Schüler*innen und Studierende; Praxissemester und Abschlussarbeiten.

Kontakt

Was gefällt Ihnen besonders gut an Ihrer Aufgabe und was strengt Sie an?

Ich brauche den persönlichen Austausch mit Menschen und bin kein Homeoffice-Typ. Online-Konferenzen sind zwar hocheffizient. Aber durch ein persönliches Gespräch kann man oft ganz andere Dinge erreichen. 

Was mich anstrengt, sind Dinge, die von außen kommen und die man nicht beeinflussen kann. Wir möchten beispielsweise in Köln einen Büroturm in ökologischer Bauweise mit einem Stadtgarten und einer Markthalle bauen und dafür 750 Millionen Euro investieren. Darüber sprechen wir seit 2,5 Jahren mit der Stadt, aber es bewegt sich nichts. So etwas ist anstrengend. 

Wie lassen Sie Luft ab, wenn Sie sich ärgern? 

Auf meinem Sport-Trampolin kann ich mich gut auspowern. Ich arbeite zehn, elf Stunden pro Tag. Zu Hause brauche ich erst mal zehn Minuten, um richtig anzukommen, und die verbringe ich oft auf dem Trampolin. In dieser Zeit spricht mich niemand an. 

Was war das wichtigste Ereignis für die DEVK in der jüngsten Zeit?

Die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen 2021 war für uns ein Jahrhundertereignis, für das wir 300 Millionen Euro ausgegeben haben. Über 100 Beschäftigte waren persönlich betroffen. Ich bin in Stolberg bei Aachen geboren, dort hat der Vichtbach die Stadt verwüstet. 

Wie verändert die Digitalisierung Ihre Branche? 
Viele einfache Tätigkeiten werden wegrationalisiert, Kunden machen immer mehr selbst: online. Zugleich werden die Aufgaben spannender. Heute beschäftigen wir uns mit Künstlicher Intelligenz. Aktuell werten wir über eine App das Fahrverhalten von 40.000 Versicherten aus. 

Auch die Cybersicherheit wird wichtiger, ist aber kein klassisches Versicherungsthema. Wir bieten eine Cyber-Versicherung für Privatkunden mit limitiertem Schutz an. In den Privathaushalten gibt es viele anfällige Geräte von Alexa bis hin zu Kameras. Doch eigentlich kann man Cyber-Risiken gar nicht versichern. Denn wenn Schäden eintreten, sind sie plötzlich überall. Die klassische Versicherung funktioniert anders. 

80 Prozent Ihres Unternehmens sind zurzeit im Homeoffice, Bewerbungsgespräche führen Sie jetzt online. Wie sieht die Arbeitswelt der Zukunft aus?

Technisch sind wir gut aufgestellt für Homeoffice und mobiles Arbeiten: Alle Mitarbeiter sind technisch gut ausgestattet. Aber nicht jeder will dauerhaft im Homeoffice arbeiten. Ich erwarte, dass künftig jeder Dritte im Betrieb anwesend sein wird. Wir haben eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen, die vorsieht, dass wir eine zwei-Tage-Regelung einführen werden: Wer regelmäßig mehr als einen Tag pro Woche im Homeoffice ist, verliert das Recht auf einen festen Arbeitsplatz. Stattdessen gibt es Anlaufarbeitsplätze.

Vita - Gottfried Rüßmann

Alter

60

Job

Vorstandsvorsitzender der DEVK Versicherungen

Karriere

BWL-Studium an der Uni Köln. 1988 Jobeinstieg im Controlling der DEVK, von 1991 bis 1995 Vorstands-Assistent. Zuständig für die Bereiche Unternehmensplanung, Rechnungswesen, Steuern, Compliance, Recht, Datenschutz und Revision. Seit 2008 Vorstandsmitglied, seit 2016 Vorstandsvorsitzender mit Sitz in Köln

Neue Themen und Produkte erfordern auch neues Wissen und Weiterbildung. Wie ist das Thema lebenslanges Lernen bei der DEVK angesiedelt?

Abiturienten und Absolventen sind heute besser ausgebildet als wir es waren und wissen mehr. Doch wer aufhört zu lernen, bleibt stehen, sein Job fällt irgendwann weg. 

Im Unternehmen gelte ich als Weiterbildungs-Junkie und nehme pro Jahr an mindestens 15 Weiterbildungsstunden in unserem DEVK-Campus teil. Kürzlich hat mich der Kurs „Führung auf Distanz“ begeistert. Und in unserem hausinternen Future Lab gibt es einen Ideenwettbewerb mit einem Auswahlverfahren im Format „Höhle der Löwen“, wo Mitarbeiter neue Ideen präsentieren. Das finde ich auch immer sehr spannend.

Würden Sie Abiturientinnen und Abiturienten ein Studium empfehlen?

Nicht unbedingt. So viele Chancen wie heute hatte keine Generation. Handwerksbetriebe beispielsweise finden keinen Nachwuchs. Man muss sich über die eigenen Stärken und Vorlieben klar werden. Ein Studium kann man immer noch nachlegen. 

Ich selbst habe gleich nach der Schule studiert, weil ich nicht wusste, was ich tun sollte. Ein Studium darf man nicht unterschätzen, das erfordert viel Selbstdisziplin. Als ich als DJ gejobbt habe, kam ich oft erst um drei Uhr nach Hause und saß um sieben Uhr morgens wieder am Schreibtisch. Das war hart.

Eine Ausbildung bietet auch tolle Chancen. Bei uns im Unternehmen bilden wir noch mehr aus als früher. Unsere Ausbildungsquote liegt bei neun Prozent, und wir übernehmen nahezu alle Azubis.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×