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Chef zu gewinnen

27.05.2022

07:55

Klaus Engberding, bis Januar 2022 CEO der EOS Gruppe

„Fehler sind eine Möglichkeit zu lernen“

Von: Liane Borghardt

Angehende Abiturientinnen und Abiturienten des Nicolaus-Kistner-Gymnasiums im baden-württembergischen Mosbach befragten Klaus Engberding zu seinem Werdegang. Der 54-Jährige schaltete sich aus Hamburg per Video-Call dem Leistungskurs Wirtschaft zu.

Angehende Abiturientinnen und Abiturienten des Nicolaus-Kistner-Gymnasiums im baden-württembergischen Mosbach befragten Klaus Engberding zu seinem Werdegang. Der 54-Jährige schaltete sich aus Hamburg per Video-Call dem Leistungskurs Wirtschaft zu. Jürgen Altmann

„Chef zu gewinnen“

Angehende Abiturientinnen und Abiturienten des Nicolaus-Kistner-Gymnasiums im baden-württembergischen Mosbach befragten Klaus Engberding zu seinem Werdegang. Der 54-Jährige schaltete sich aus Hamburg per Video-Call dem Leistungskurs Wirtschaft zu.

Die Handelsblatt-Aktion „Chef zu gewinnen“ bringt jedes Jahr Topmanager in deutsche Schulen, wo sie sich den Fragen der angehenden Abiturienten rund um Berufs- und Karrierechancen stellen, aber auch ihre ganz persönlichen Erfolgstipps verraten.

Der Chef-Besuch in der Schule ist aber längst nicht alles: Bei einem Gegenbesuch auf der Chefetage erfahren die Oberstufenschüler, wie der Alltag „ihres“ Managers aussieht, wie in seinem Unternehmen gearbeitet wird – und ob es vielleicht sogar ein künftiger Arbeitsplatz für sie selbst sein könnte.

Die „Chef zu gewinnen“-Aktion ist ein fester Bestandteil der Initiative „Handelsblatt macht Schule“, mit der die Tageszeitung Wirtschafts- und Managementthemen stärker im Unterricht deutscher Schulen verankern möchte. Mehrere Dutzend Topmanager haben auf diese Weise schon ihre Erfahrungen mit Tausenden von Schülern geteilt.

Lust mitzumachen und einen Chef zu gewinnen? Hier geht es zu den Teilnahmebedingungen.

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    Herr Engberding, Was ist Ihrer Erfahrung nach wichtig für den beruflichen Erfolg?

    Für den Einstieg ins Berufsleben sind Abi- und Examensnote wichtig. Aber auch, an welcher Hochschule man studiert, wo man Praktika macht, als Werkstudent arbeitet und wo man seinen Einstieg findet. Wenn es also mal nicht „eins plus“ beim Abi oder im Studium läuft, heißt das noch lange nicht, dass einem der berufliche Erfolg verwehrt bleibt. 
    Welche persönliche Eigenschaft spielt dabei eine Rolle?
    Flexibel sein ist immer gut. Zum Beispiel bereit sein, ins Ausland zu gehen, zu reisen oder auch, andere Aufgaben zu übernehmen. Als ich bei EOS zunächst für Osteuropa verantwortlich war, war ich an vier von fünf Tagen die Woche im Flieger, nur am Wochenende zu Hause und das über ein paar Jahre. Das gehört dann eben dazu.

    Hatten Sie als 18-Jähriger schon den Plan, Karriere zu machen?

    Es gibt ja das berühmte Zitat: Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von deinen Plänen. Ich hatte keinen Plan. Mit 18 wusste ich überhaupt noch nicht, was ich werden will. In der Rückschau betrachtet war ich fast froh, dass ich zur Bundeswehr musste. Weil ich dann noch mal Zeit hatte nachzudenken. Ich kann euch ganz offen sagen: BWL in Münster zu studieren war eine kollektive Entscheidung meines Freundeskreises. Wir haben gesagt, wir gehen zusammen nach Münster und hoffen, wir haben eine gute Zeit.

    Zum Unternehmen - EOS

    Branche

    Finanzdienstleistung

    Mitarbeiter

    mehr als 6.000 in über 20 Ländern, davon rund 2.000 in Deutschland

    Berufseinstieg

    für Schüler: Ausbildung sowie duale Studiengänge in kaufmännischen und IT-Berufen; 

    für Studenten: Praktika, Werkstudentenjob, Abschlussarbeiten; für Absolventen: Direkteinstieg, Trainee-Programm

    Kontakt

    Um es etwas ernsthafter zu machen: Abitur- und Examensnoten sind wie gesagt nicht alles, es kommt nachher darauf an, wie man im Job performt. Man muss seine Leistung bringen und durch gewisse Qualifikationen herausstechen. Man darf sich aber nichts vormachen: Man braucht auch einen oder mehrere Unterstützer, ob das eine Patin ist oder ein Vorgesetzter. Wenn man im Unternehmen nicht gesehen wird, ist das schwierig. Und man muss auch ein bisschen Glück haben, zur rechten Zeit am rechten Ort sein.

    Sollte man sich als Führungskraft auf die eigene Leistung konzentrieren oder auch versuchen, aus den Fehlern des Wettbewerbs zu lernen?

    Ich glaube, das Wichtigste ist, dass man aus seinen eigenen Fehlern lernt! Mein Vater hat mir mit auf den Weg gegeben: Dumm sein, Klaus, ist nicht schlimm. Aber dumm bleiben. Machen wir uns nichts vor: Jeder Mensch macht Fehler, auch ich, natürlich. Vor kurzem sagte ein Politiker in einer Talk-Runde: Manchmal gehört mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern als dabei zu bleiben. Das kann man sich zu Herzen zu nehmen. Fehler sind nicht schlimm, sondern eine Möglichkeit zu lernen. Da kann ich im Unternehmen mit gutem Beispiel voran gehen. Um eine solche Fehlerkultur zu etablieren, hatten wir bei EOS eine Weile den „Fehler des Quartals“, da konnte man einen Preis gewinnen, wenn man einen Fehler offen geteilt hat, damit auch andere daraus lernen können.

    Hatten Sie schon mal das Gefühl, überfordert zu sein?

    Überlastet in dem Sinne, ich habe Sorge, etwas nicht zu schaffen: Nein. Aber ich stand schon – wie die ein oder der andere von euch vielleicht mal in einer Klausur – wie der Ochs vorm Berg und wusste nicht, wie ich ein Thema lösen soll. Dann bin ich immer gut damit gefahren, mein Team zu fragen. In der gemeinsamen Diskussion haben wir dann eine Lösung gefunden. Ein Beispiel: Über Digitalisierungsthemen können wir Führungskräfte gar nicht ohne die Fachleute sprechen. Man ist heute vielmehr eine Art Coach, der oder die die Rahmenbedingungen setzt, Tipps gibt und schaut, ob man in die richtige Richtung unterwegs ist. Die beste Waffe gegen Überforderung ist also ein gutes Team, mit dem man vertrauensvoll zusammenarbeitet.

    Welche Fähigkeiten sind für Ihre Führungstätigkeit wichtig?

    In der Rolle von Chefin oder Chef muss man es ertragen können, in einem ständigen Zielkonflikt zu leben, aufgrund der verschiedenen Interessen von Mitarbeitern, Kunden, Gesellschaftern oder Wettbewerbern. Man muss diese Interessen gegeneinander ausbalancieren und zu all diesen Themen die richtige Dosis finden. 

    Zweitens muss man in der Lage sein, ohne vorgegebene Strukturen zu arbeiten. Also sozusagen unentdecktes Land zu beschreiten. Und dabei die Gelassenheit und das Selbstvertrauen zu haben: Wenn wir an diesen oder jenen Punkt kommen, werden wir schon eine Lösung finden.

    Vita - Heike Birlenbach

    Alter

    54

    Job

    ehemaliger CEO der EOS Gruppe

    Karriere

    Nach dem Abitur BWL-Studium an der Universität Münster; Berufseinstieg 1992 als Consultant bei der Unternehmensberatung Hüsch&Partner; nach vier Jahren Wechsel in die Inhouse-Beratung der Tengelmann-Gruppe; weitere vier Jahre später Managing Director bei [email protected], dem damaligen Gemeinschaftsunternehmen des Versandhändlers OTTO und der Baumarktkette OBI. 2006 Einstieg bei der EOS Gruppe, einem Unternehmen der Otto Group, als Managing Director für das internationale Geschäft; danach Aufstieg ins EOS Board, erst verantwortlich für Osteuropa, dann für Deutschland. Von März 2017 bis Januar 2022 CEO

     

    Übernimmt EOS als Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung?

    Die gesellschaftliche Verantwortung fängt bei unserem Kern-Geschäft an, nämlich beim verantwortungsvollen Umgang mit den säumigen Verbrauchern. Das sind ja keine bösen Menschen, die vorsätzlich ihre Rechnungen nicht bezahlen. Sondern sie sind oftmals in eine finanzielle Schieflage geraten durch Arbeitslosigkeit, Krankheit, Tod oder Scheidung. Wir suchen mit ihnen nach einvernehmlichen Lösungen und bieten ihnen eine faire Chance, ihre Schulden zurückzubezahlen.

    Darüber hinaus setzen wir uns auch intern stark für gesellschaftliche Themen ein. Als Finanzdienstleister haben wir ja keine große Lkw-Flotten oder Container-Schiffe. Aber auf der Klimaseite – Stichwort CO2-Ausstoß – achten wir auf ökologisch bewirtschaftete Büroflächen, bieten unseren Mitarbeitenden E-Autos als Firmenwagen oder Job-Bikes an. Uns sind auch alle Themen wichtig, die mit Diversität zu tun haben, für die Chancengleichheit unabhängig von Herkunft oder Geschlecht. Für mehr Frauen in Führungspositionen etwa haben wir uns selbst Quoten gegeben und unterstützen verschiedene Frauennetzwerke in der Gruppe. 

    Nimmt das Problem der Überschuldung zu?

    Ja, wir sehen an vielen Stellen, dass Menschen heute nicht mehr lernen, mit Geld umzugehen und deshalb in schwierige finanzielle Situationen geraten. Wir wissen um dieses Problem und möchten relativ jungen Schülern auch in bildungsfernen Schichten früh den richtigen Umgang mit Geld vermitteln. Da macht unsere vor zwei Jahren gegründete finlit foundation ganz tolle Sachen in den Schulen.

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