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Gallup Engagement Index

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Mitarbeitergespräche verfehlen ihr eigentliches Ziel

Kommen wir jetzt zum heikleren Teil der Studie. Haben Sie in diesem noch relativ jungen Jahr schon unter vier Augen mit ihrem Chef gemeinsam Bilanz über die Ergebnisse und Leistungen der zurückliegenden Monate gezogen und neue Ziele für die Zukunft vereinbart? Termin steht noch aus? Dann sind Sie vermutlich nicht der Einzige. Feedbackgespräche gelten häufig als lästige Pflichtaufgabe. Dabei ist das direkte Gespräch doch die beste Gelegenheit, um Wertschätzung zu vermitteln, Ängste oder Kündigungsabsichten abzubauen und Mitarbeiter zu binden.

Doch nicht einmal jeder zweite Arbeitnehmer (45 Prozent) gibt in der Studie an, dass er im letzten halben Jahr mit seinem Vorgesetzten ein Gespräch über seine Leistung bei der Arbeit geführt hat. Nur 16 Prozent der Arbeitnehmer sind mit Herz, Hand und Verstand bei der Arbeit. Die große Mehrheit, 68 Prozent der Beschäftigten, machen lediglich Dienst nach Vorschrift. 16 Prozent der Werktätigen sind emotional ungebunden und haben innerlich bereits gekündigt.

Tipps für das Mitarbeitergespräch

Nehmen Sie den Termin ernst

Planen Sie für Ihre Vorbereitungen ein paar Stunden Zeit ein, und starten Sie am Besten nicht auf den letzten Drücker, für den Fall, dass Sie noch Informationen einholen müssen. Halten Sie Ihre Leistungen, Argumentationen und Ziele ruhig schwarz auf weiß fest. Liebt Ihr Chef Zahlen oder Kurven, bereiten Sie Ihre Leistungen in entsprechender Form vor. Analog verfahren Sie mit Chefs, die es lyrisch, kurz und knackig oder visionär mögen.

Leitfaden beachten

Im Idealfall hangeln Sie sich an den Jahresgespräch-Unterlagen der Personalabteilung entlang. Ihr Chef wird sie auch als Leitfaden für den Termin benutzen. Notieren Sie aber auch Aspekte, die Ihnen jenseits des Fragenkatalogs wichtig sind.

Üben Sie das Gespräch

Üben Sie das Gespräch – ähnlich wie ein Gehalts- oder Bewerbungsgespräch – zu Hause mit Freunden oder dem Partner. Spielen Sie Ihre Argumentationen durch.

Bleiben Sie realistisch

Bleiben Sie in Bezug auf Ihre Leistungen selbstkritisch und realistisch. Eine offensichtlich schlechte Performance partout schön zu reden ist genauso unsouverän wie nach Ausreden und Ausflüchten zu suchen. Räumen Sie Fehler ruhig ein – sofern Sie in keinem Unternehmen arbeiten, in dem ein Schuldeingeständnis einem Karriere-Kamikaze gleichkommt – bieten Sie dem Chef aber auch Lösungen zur Verbesserung an. Da, wo Selbsterkenntnis schlecht ankommt, sollte man Schuldeingeständnisse vorsichtiger dosieren.

Gesprächsführung

Nimmt der Chef die Gesprächsführung nicht in die Hand – was eigentlich seine Aufgabe wäre – sondern mäandert unstrukturiert durch die Themen, übernehmen Sie sanft die Zügel und lotsen ihn zu den Themen, die Ihnen wichtig sind.

Haken Sie nach

Ist Ihnen im Gespräch selbst noch etwas unklar, sind Sie mit einer Regelung nicht einverstanden oder fühlen sich überfahren, haken Sie unbedingt ein: Mir ist das Ziel noch nicht klar, können wir da noch mal ran? Oder: Um dieses Ziel zu erreichen, würde ich … benötigen. Kann ich da mit Ihrer Unterstützung rechnen?

Geschickt kontern

Falls der Chef Sie als unliebsamen Mitarbeiter abstrafen will – Motto: Sie haben Ihre Ziele nicht erreicht – kontern Sie mit guten Gegenbeispielen. Was haben Sie alles unternommen, um doch noch die Kurve zu bekommen?

Lösungen anbieten

Müssen Sie Fehler oder mangelhafte Leistungen einräumen, bieten Sie Lösungen an: … ist schief gegangen, weil … passiert ist. Damit dies nicht wieder passiert, werde ich ...

Alles Übungssache

Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn der Termin noch nicht so reibungslos verläuft wie erhofft. Auch Jahresgespräche sind Übungssache – und Ihr Chef ist Ihnen einige Trainingsrunden voraus.

Durch diese mangelnde Bindung in den Unternehmen entstehen der deutschen Wirtschaft erhebliche Kosten: Sie verliert durch Produktivitätseinbußen jährlich zwischen 76 und 99 Milliarden Euro. „Emotional hoch gebundene Mitarbeiter zeichnen sich durch eine Reihe von Verhaltensweisen aus, die die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen unterstützen“, erklärt Marco Nink von Gallup. „Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Arbeitnehmer mit einer hohen Bindung weniger Fehlzeit aufweisen als Beschäftigte ohne emotionale Bindung, sie dem Unternehmen länger treu bleiben und als Markenbotschafter die Dienstleistungen und Produkte des Arbeitgebers eher weiterempfehlen.“

Allein extreme Fehlzeiten – im Schnitt sind das in Deutschland 74,2 Millionen Fehltage – schlagen bei den Unternehmen mit 18,9 Milliarden Euro im Jahr zu Buche. Würde man bei einem Unternehmen mit 500 Mitarbeitern die Fehlzeit auf die Größenordnung der Beschäftigten mit hoher emotionaler Bindung an ihre Firma reduzieren (5,8 Tage pro Jahr), so würde das eine jährliche Einsparung von 278.000 Euro ausmachen. Bei einer Firma mit 2.000 Mitarbeitern betrüge die Kostenentlastung schon 1,1 Millionen Euro und ein Konzern mit 30.000 Mitarbeitern könnte seine Kosten um 16,7 Millionen Euro reduzieren.

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    Wenn also gerade das Mitarbeitergespräch so eine elementare Bedeutung für die emotionale Bindung hat – wie geht dann richtig Reden? Worauf müssen Chefs achten, wenn Sie die Zufriedenheit ihrer Angestellten mit Gesprächen steigern wollen?

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