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21.09.2022

12:42

Generationen

Was Generation Z und Babyboomer voneinander denken

Von: Mona Fromm

Gibt es Konflikte zwischen Generationen? Zwei aus der Generation Z und zwei Babyboomer sprechen übereinander. Sie wünschen sich mehr Verständnis und Zusammenarbeit.

Vier Menschen der Generation Babyboomer und Generation Z sprechen miteinander Unsplash Markus Spiske, Franziska Krug, Leonie Krüger, Remo Neuhaus, BVI50PLUS

Zwei Generationen, zwei Perspektiven?

Die jungen Generation Z will vieles anders machen. Damit müssen Ältere aus der Babyboomer-Generation erst einmal klarkommen.

Düsseldorf Deutschland ist im Dauerkrisenmodus. Das spüren Jung und Alt offenbar gleichermaßen: Laut einer aktuellen Prognos-Umfrage blicken zwei Drittel der sogenannten Generation Z (13- bis 26-Jährige) und etwa genauso viele der Babyboomer-Generation (52- bis 66-Jährige) düster auf die bevorstehenden Jahre unserer Gesellschaft. Ein Negativrekord.

So einig sich die Generationen in Sachen Zukunftspessimismus sind, so unterschiedlich gehen sie die großen Fragen in ihrem Leben zu Wohlstand, Klima und Karriere an. Das Handelsblatt hat zwei Vertreter der Generation Z und zwei „Babyboomer“ zu ihrem Verhältnis zur jeweils anderen Generation befragt.

Die wichtigste Lehre: Wir müssen mehr miteinander ins Gespräch kommen.

Yaël Meier aus der Generation Z: „Distanz verhindert, dass wir als Gesellschaft vorankommen“

Yaël Meier, 22, ist Unternehmerin und Gründerin der Schweizer Beratungs- und Marketingagentur Zeam. Als Vertreterin der Generation Z möchte Meier traditionellen Unternehmen die Denkweise der jungen Menschen erklären.

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    „Ich bin ein positiver Mensch. Wie viele andere in meiner Generation sehe ich natürlich auch kritisch in die Zukunft – aber auch mit viel Zuversicht. Ich denke, dass wir alle bevorstehenden Herausforderungen meistern können. Für mich sind die wichtigsten Themen: Altersvorsorge und der Arbeits- und Fachkräftemangel – neben der Klima- und Energiekrise.

    Yaël Meier, Unternehmerin, Gründerin der Beratungs- und Marketingagentur Zeam Remo Neuhaus

    Yaël Meier

    Unternehmerin, Gründerin der Beratungs- und Marketingagentur Zeam

    Als junger Mensch hast du oft das Gefühl: Du kannst wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch nicht wirklich mitreden und schon gar nicht mitentscheiden. Deshalb entstehen Bewegungen wie Fridays for Future.

    Dennoch können junge Leute aus meiner Sicht allein weniger bewegen. Wir sollten zusammen an Lösungen arbeiten. Am Ende haben wir alle das gleiche Ziel. Der Generationenkonflikt ist in erster Linie ein Kommunikations- und Kulturproblem. Denn junge Menschen reden anders als ältere und haben andere Lebenswelten. Die Gefahr: Die Distanz verhindert, dass wir als Gesellschaft vorankommen.

    Mit unserer Agentur Zeam wollen wir Unternehmen helfen, die Generation Z zu verstehen und zu erreichen. Ich sehe uns als Brücke in die Wirtschaftswelt. Denn wir müssen miteinander sprechen statt übereinander. Eine Möglichkeit zusammenzukommen ist zum Beispiel das Karrierenetzwerk LinkedIn. Es ist das erste soziale Medium, wo Generationen zusammenfinden. Das ist spannend, denn einen solchen Ort für Austausch gibt es in der physischen Welt selten. Auf Instagram waren vornehmlich Millennials, auf Tiktok nur die Gen Z.“

    Uwe-Matthias Müller aus der Generation Babyboomer: „Es gibt einen Generationenkonflikt“

    Uwe-Matthias Müller, 66, ist Vorstand des Bundesverbands Initiative 50 plus und vertritt damit die Interessen jener Menschen, die kurz vor dem Ruhestand stehen oder bereits in Rente sind. Er will für die Folgen des demografischen Wandels sensibilisieren.

    Uwe-Matthias Müller, Vorstand Bundesverband Initiative 50 plus BVI50PLUS

    Uwe-Matthias Müller

    Vorstand Bundesverband Initiative 50 plus

    „Ich sehe kritisch in die Zukunft. Das Rentensystem in Deutschland ist verfehlt und nicht demografiefest. Umlageverfahren und Generationenpakt funktionieren seit Jahren nicht. Das Gesundheitssystem ist personell und finanziell schlecht ausgestattet. Auch beim Klimaschutz wurde in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig gemacht.

    Ältere wie jüngere Menschen haben die Probleme verstanden. Aber es gibt einen Generationenkonflikt. Seit mehr als 100 Jahren glaubt die jeweils jüngere Generation, dass die ältere Generation am Unglück dieser Welt schuld ist. Und die Älteren haben einen positiveren Blick auf sich selbst als die Jüngeren. Beide Generationen brauchen mehr Lernbereitschaft. Ein Beispiel: Die Jungen legen Wert auf die Work-Life-Balance. Die Älteren kennen das nicht, sie haben immer viel gearbeitet, um etwas aufzubauen. Aber ich kann die Jüngeren auch verstehen.

    Aktuell wird wieder über ein soziales Pflichtjahr oder eine allgemeine Dienstpflicht debattiert. Ich finde die Idee ganz gut. Auch für den Austausch zwischen den Generationen. So könnten die Jungen im Dienst an der Gemeinschaft Zeit investieren und das für sich selbst als Findungsphase nutzen. Wenn sich da jemand verweigert, finde ich das diskussionswürdig. Denn wer keine Pflichten übernimmt, der hat aus meiner Sicht auch kein Recht, sich zu beschweren.“

    Oliver Sachsze: „Die Älteren denken, die Jugend fordere nur“

    Oliver Sachsze, 21, setzt sich seit zehn Jahren für die Belange von Schülerinnen und Schülern ein. Seit Kurzem ist er Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz und ist dadurch im Austausch mit vielen Politikerinnen und Politikern.

    Oliver Sachsze, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz Leonie Krüger

    Oliver Sachsze

    Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz

    „Bei vielen wichtigen Debatten fehlt die Jugend am Tisch. Wir wollen wahrgenommen werden. Aber es gibt ein Kommunikationsproblem. Wenn ich eins in zehn Jahren Schülervertretung gelernt habe, dann, dass wir uns gegenseitig zuhören sollten. Meine Generation ist kompromissbereit. Ich wünsche mir, dass die ältere Generation versucht, uns zu verstehen, und nicht abrupt Vorschläge abschmettert.

    Das Verhältnis zu meinen Eltern ist wirklich gut, sie haben mich immer unterstützt. Mit der Generation der Babyboomer insgesamt ist es jedoch schwieriger, man begegnet sich eher mit einem Stirnrunzeln. Beispiel Fridays for Future: Die Älteren denken, die Jugend fordere nur. Das geht ihnen gegen den Strich. Dabei setzt sich die Bewegung für unseren gemeinsamen Planeten ein.

    Die wichtigsten gesellschaftlichen Themen sind für mich aktuell Corona, die Digitalisierung an den Schulen und der Krieg in der Ukraine. Persönlich treiben mich meine Jobaussichten um. Ich habe meine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel abgeschlossen. Aber ich weiß noch nicht, was ich damit jetzt machen will. Die Berufsorientierung ist zu starr. Früher hatten die Menschen die Wahl zwischen nur wenigen Berufen. Heute stehen uns alle Türen offen. Auch hier fehlt mir der Blickwinkel, die ältere Generation zu verstehen – sie wissen nicht, wie es sich anfühlt, vor einer riesigen Auswahl zu stehen. Deswegen müssen wir mehr kommunizieren.“

    Alexandra von Rehlingen: „Ich glaube, ich gehe meinen Kindern auf die Nerven“

    Alexandra von Rehlingen, 63, ist PR-Beraterin und geschäftsführende Gesellschafterin der Agentur Schoeller & von Rehlingen. Sie setzt sich vor allem für Umweltschutz und für generationsübergreifenden Austausch ein.

    Alexandra von Rehlingen, PR-Beraterin, geschäftsführende Gesellschafterin Schoeller & von Rehlingen Public Relations Franziska Krug

    Alexandra von Rehlingen

    PR-Beraterin, geschäftsführende Gesellschafterin Schoeller & von Rehlingen Public Relations

    „Ich spüre den Generationenkonflikt eher weniger. Vermutlich deshalb, weil ich mich seit Jahren für Umwelt- und Naturschutz einsetze – ein Thema, das viele Junge umtreibt. Zudem veranstalte ich oft Networking-Dinner rund um das Thema und achte immer darauf, dass der Austausch generationsübergreifend ist.

    Dass die Deutschen sich um Wohlstand und Umwelt sorgen, ist evident. Aber dass die Ängste bei beiden Generationen so ähnlich sind, finde ich erstaunlich. Mir persönlich bereitet die Überbevölkerung am meisten Sorge und wie wir mit dem Planeten und der Biodiversität umgehen. Ich bin seit 25 Jahren Vegetarierin und seit zwei Jahren vegan. Ich fahre selten Auto, wenn, dann mit meinem E-Smart, und sammle Plastikmüll ein. Über Erziehung kann man viel erreichen, und man sollte früh bei Kindern anfangen, die Themen zu erklären.

    Meinen vier Kindern zwischen 18 und 29 gehe ich damit, glaube ich, manchmal schon auf die Nerven. Trotzdem haben sie viel mitgenommen und leben auch umweltbewusst. Wir haben ein sehr gutes und enges Verhältnis. Wir tauschen uns viel aus und können uns auch mal streiten.

    Insgesamt ist das Verhältnis zwischen Gen Z und Babyboomern meiner Meinung nach eine Bildungsfrage. Die Menschen können sich gegenseitig inspirieren. Die Generationen sollten zusammenarbeiten, denn letztlich haben wir gemeinsame Probleme zu bewältigen. Das hat nichts mit dem Alter zu tun.“

    Erstpublikation: 16.09.2022, 04:20 Uhr.

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