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11.04.2022

10:00

Great Places to Work

Unternehmenskultur und flache Hierarchien: So überzeugen die besten Arbeitgeber Deutschlands

Von: Andreas Schulte

Die Unternehmenskultur spielt im Kampf um Fach- und Führungskräfte eine zunehmend wichtigere Rolle. Gerade kleine Betriebe können sich damit hervortun.

Wie können Unternehmen in Zeiten von Remote Work ihre Unternehmenskultur pflegen? Salesforce

Salesforce-Ranch in Kalifornien

Wie können Unternehmen in Zeiten von Remote Work ihre Unternehmenskultur pflegen?

Düsseldorf Es ist ein spektakulärer Ort, an dem sich Salesforce-Mitarbeiter ausgangs der Pandemie endlich persönlich treffen. Sie nennen ihn „Ranch“. Inmitten der Mammutbäume im kalifornischen Scotts Valley hat der IT-Konzern eine Mischung aus Schulungszentrum, Hotel und Erlebnisort eingerichtet. Seit Februar begegnen sich hier Mitarbeiter aus aller Welt, um Strategien zu schmieden, den Teamgedanken zu festigen und Fähigkeiten zu erlernen.

„Wir wissen aus regelmäßigen Befragungen, dass sich unsere Mitarbeiter für die Zukunft ein hybrides Arbeitsmodell wünschen, das zudem die Möglichkeit zur Interaktion bietet. Die Ranch ist ein Baustein dazu“, sagt Joachim Schreiner. Hierzulande hat der Salesforce-Deutschlandchef seit 2020 mehrere Hundert Mitarbeiter eingestellt.

Persönlich kennengelernt haben sich nur die wenigsten. „Da stellt sich natürlich die Frage, wie man eine Firmenkultur schafft.“

Schreiner ist mit seinem Bemühen um einen möglichst attraktiven Arbeitsplatz durchaus erfolgreich. Diesen Schluss lässt zumindest die jüngste Untersuchung von Great Place to Work zu. Das Forschungs- und Beratungsinstitut zeichnet regelmäßig Unternehmen für deren hervorragende Arbeitsplatzkultur aus.

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Standort erkennen

    Die Landesgesellschaft von Salesforce schaffte es im Deutschlandranking auf Platz eins in der Kategorie der Unternehmen mit bis zu 2000 Mitarbeitern und liegt mit seinem Engagement für eine bessere Arbeitsplatzkultur voll im Trend.

    Die Pflege der Unternehmenskultur ist längst in der Breite angekommen

    Eine Wohlfühlatmosphäre wie im sonnigen Kalifornien sei jedoch nur die Zugabe, findet Schreiner. „Allein deswegen kommt keiner. Fachkräfte müssen eine gute Aufgabe haben und die Möglichkeit zur Weiterentwicklung.“ Im Wettbewerb um die besten Kräfte sieht Schreiner Salesforce eine Nasenlänge voraus. „Wir wachsen schneller als der Wettbewerb, und neue Mitarbeiter wollen im gleichen Tempo mitwachsen.“

    Vor einigen Jahren noch war die Pflege der Arbeitsplatzkultur die Domäne einer überschaubaren Zahl innovativer Unternehmen. Jetzt ist der Trend in der Breite angekommen. „Die Entwicklung einer positiven und attraktiven Unternehmenskultur ist mittlerweile überlebenswichtig beim Werben um Fachkräfte“, sagt Frank Hauser, Geschäftsführer bei Great Place to Work.

    So sind es nicht mehr nur hauptsächlich IT-Firmen, die traditionell zu den besten Arbeitgebern zählen, weil mobiles Arbeiten und flache Hierarchien für diese Branche ohnehin typisch sind. Mit der Bewo Plus Jugendhilfe Köln und den St. Gereon Seniorendiensten aus dem nordrhein-westfälischen Hückelhoven zählen auch zwei soziale Einrichtungen zu den Siegern.

    Dass auch Unternehmen aus dem Niedriglohnsektor ausgezeichnete Arbeitsplätze bieten können, zeigt die Gebäudereinigungsfirma Wasserle. Die Münchener belegen im Ranking Platz zwei bei den Firmen mit bis zu 500 Mitarbeitern. Personalmangel? „In der Branche schon, bei uns nicht“, sagt Geschäftsführer Markus Wasserle. Er lockt mit zig Vergünstigungen.

    Der Wettbewerb

    Der Preis

    Zum 20. Mal hat das Kölner Institut Great Place to Work „Deutschlands Beste Arbeitgeber“ ermittelt. In diesem Jahr beteiligten sich mehr als 800 Unternehmen an dem Wettbewerb – zusammen beschäftigen sie mehr als 270.000 Mitarbeiter.

    Die Methode

    In jedem teilnehmenden Unternehmen wird eine standardisierte Mitarbeiterbefragung und eine Maßnahmenevaluation durchgeführt. Im ersten Schritt befragt das Institut stets die Beschäftigten der Firma. Diese Erhebung macht drei Viertel des Wettbewerbsergebnisses aus. Gefragt wird etwa nach dem Wertemodell des Unternehmens, nach dem Teamgeist, der Arbeitsatmosphäre und der Vergütung. In den zweiten Teil der Wertung fließen Gespräche des Instituts mit dem Management ein. Das Kultur-Audit wird mit einem Viertel gewichtet.

    Das Resultat

    Nach Auswertung aller Daten werden die 100 bestplatzierten Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten in sechs verschiedenen Größenklassen mit dem Label „Great Place to Work“ ausgezeichnet.

    Das Institut

    Das Institut "Great Place to Work" ist in 60 Ländern aktiv. Das Forschungsinstitut erstellt auf Basis von Befragungen von Mitarbeitern Analysen über die Arbeitsplatzkultur. Seit 2008 erscheint die Liste "Deutschlands Beste Arbeitgeber" im Handelsblatt.

    Die Palette reicht von Deutschkursen, Werkswohnungen oder Unterstützung bei Behördengängen bis zur kostenfreien Nutzung der eigenen Kfz-Werkstatt. Wenn es sein muss, spricht das Unternehmen auch mit Gläubigern der Mitarbeiter. 90 Prozent der 350 Mitarbeiter haben einen Migrationshintergrund. „Viele schicken einen Großteil ihres Gehalts in ihre Heimatländer. Wenn dann eine ungeplante Ausgabe wie die Reparatur des Autos ansteht, wird es häufig knapp“, erklärt Wasserle.

    Zudem können sich Mitarbeiter mit Jahresraten von 50 bis 1200 Euro am Betrieb beteiligen und so am Wachstum teilhaben. „So erreichen wir, dass die Mitarbeiter deutlich länger bei uns bleiben als in der Branche üblich“, sagt Wasserle. Führungskräfte der Gebäudereinigerbranche kennen bereits, was andere Manager in der Pandemie erst lernen mussten: den Umgang mit dezentralen Teams.

    Das verändert die Rolle. „Manager sind durch die Distanz stärker in der Beziehung zu den Beschäftigten gefordert“, sagt Hauser. „Führungskräfte müssen den emotionalen Raum schaffen, der bei vielen vorher durch die Begegnung im physischen Raum stattgefunden hat.“

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