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25.06.2022

12:31

Job-Rückkehr

Mehr Gehalt durch Rückkehr zum Ex-Arbeitgeber: Wie Sie sich geschickt anstellen

Von: Julia Beil

Im Talent-Wettbewerb müssen sich Firmen künftig ihre Ex-Mitarbeiter als Kandidaten-Pool erschließen. Wie Bewerber das für sich nutzen.

Wer geschickt mit seinem Ex-Arbeitgeber verhandelt, kann eigene Pluspunkte zu Geld machen. (Foto: Unsplash)

Bewerbungsgespräch

Wer geschickt mit seinem Ex-Arbeitgeber verhandelt, kann eigene Pluspunkte zu Geld machen.

(Foto: Unsplash)

Berlin Zurück zum Ex-Arbeitgeber: Ist das ein Rückschritt? Nicht unbedingt, so sieht es jedenfalls ein beträchtlicher Anteil der deutschen Arbeitnehmer. 40 Prozent von ihnen sind offen für eine Jobrückkehr. Knapp ein Drittel ist sogar schon einmal zurück zum ehemaligen Arbeitgeber gewechselt. Das ergab eine Umfrage, die die Jobplattform Indeed unter 1000 Angestellten für das Handelsblatt durchgeführt hat.

Doch welche Vorteile bietet eine solche Rückkehr? Der Berliner PR-Experte Klaas Geller weiß es: Im Frühjahr ging der 34-Jährige nach dreieinhalb Jahren zurück zu seiner ehemaligen Agentur. Vor allem vier Gründe motivierten ihn dazu – einer davon betraf auch das Gehalt.

  1. Geller kennt die Struktur des Unternehmens. „Ich hatte sie damals schließlich selbst mitgeformt“, sagt er.
  2. Er freut sich über die Stabilität. Der PR-Fachmann kannte sowohl die Geschäftsführung als auch viele Kolleginnen und Kollegen.
  3. Er musste keinen aufwendigen und zeitfressenden Bewerbungsprozess fürchten, sondern bekam nach nur einer Verhandlungsrunde ein passendes Angebot.
  4. Es fiel ihm leicht zu argumentieren, weshalb man ihm sein Wunschgehalt zahlen sollte. „Meinen Ex-Chefs war klar, welche Kompetenzen ich mir in der Zwischenzeit angeeignet hatte“, sagt er.

Bumerang-Arbeitnehmer: Das ist die Bezeichnung für Menschen, die sich nach einiger Zeit an einem anderen Arbeitsplatz entschließen, den Rückweg zum ehemaligen Arbeitsplatz anzutreten. Unternehmen täten gut daran, sich bei der Personalsuche stärker auf diese Menschen zu fokussieren, meint Annina Hering, Arbeitsmarktökonomin bei Indeed: „Der Fachkräftemangel erfordert neue Maßnahmen im Recruiting. Eine davon ist die Akquise sogenannter Bumeranger.“

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    Dass es zukünftig immer mehr von ihnen geben wird, glauben auch renommierte Experten wie der Managementprofessor Anthony Klotz von der Texas A&M University. Klotz beschäftigt sich intensiv mit Kündigungen, prägte den Begriff „Great Resignation“, mit dem die große Kündigungswelle während der Pandemie bezeichnet wird. Er meint: In den kommenden fünf Jahren werden mehr und mehr Angestellte an ihren früheren Arbeitsplatz zurückkehren.

    „Bumeranger“ als Potenzial für Unternehmen

    Jens Hohensee ist davon überzeugt, dass dieser Wille zur Rückkehr für Arbeitgeber großes Potenzial bietet. Hohensee leitet bei der Boston Consulting Group (BCG) den Karrierebereich, er berät unter anderem ausscheidende und ehemalige BCG-Mitarbeiter. Auch er ist ein „Bumeranger“: 2005 verließ er BCG, nach zwei Zwischenstopps bei anderen Personalberatungen kehrte er 2013 zurück.

    „Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass Unternehmen mit Ehemaligen den Kontakt halten“, meint Hohensee. „Zu viele Arbeitgeber vernachlässigen es aber.“ Nicht so BCG: Hier hat man die Bedeutung der Jobrückkehrer schon seit Jahrzehnten verinnerlicht – wohl auch, weil die Fluktuation in kaum einer Branche höher ist als bei Beratungsfirmen. Das Unternehmen ist bekannt für sein großes Ehemaligen-Netzwerk, das man dort seit Ende der Neunzigerjahre pflegt: Im deutschsprachigen Raum sind darin mehr als 4000 Alumni organisiert, weltweit sind es mehr als 30.000.

    Und das Netzwerk trägt Früchte: Rund 300 Rückkehrerinnen und Rückkehrer finden sich mittlerweile in der BCG-Belegschaft. Die Alumni genießen ebenfalls Vorteile: Sie können etwa jederzeit eine kostenfreie Karriereberatung bei BCG in Anspruch nehmen.

    So wohlwollend wie bei BCG blickten in der Vergangenheit längst nicht alle Arbeitgeber auf Ex-Mitarbeiter. „In meiner Zeit als Headhunter habe ich Kandidatinnen und Kandidaten deswegen immer davon abgeraten, zu ihrem ehemaligen Arbeitgeber zurückzukehren“, sagt Karriereexperte Jens Hohensee.

    Etwa 15 Jahre ist das jetzt her. Seitdem habe sich vieles geändert: Heute sei eine „Bumerang-Bewegung“ im Lebenslauf nichts mehr, das negativ auffalle. „Der Arbeitsmarkt wird immer flexibler, auch im Hinblick auf Erwerbsbiografien“, sagt Hohensee. „Unternehmen können es sich nicht mehr erlauben, von Bewerberinnen und Bewerbern die klassische ,Schneller-höher-weiter‘-Vita zu verlangen.“

    Was Sie bei einer Jobrückkehr bedenken sollten

    Das sieht auch Julia Held so, auch sie kennt sich mit Jobwechseln aus. Für die Personal- und Managementberatung Kienbaum berät sie Führungskräfte, die sich beruflich neu orientieren. Jobrückkehrer kennt sie sowohl aus ihrem eigenen Arbeitsumfeld als auch aus ihrem Kundenkreis. „Wir werden auf dem Arbeitsmarkt in Zukunft immer mehr solcher Bumerang-Bewegungen sehen“, sagt Held.

    Wer darüber nachdenkt, zum Ex-Arbeitgeber zurückzugehen, sollte allerdings wohlüberlegt vorgehen, sagt die Beraterin.

    Folgende Fragen sollten sich Rückkehrwillige vor ihrer Entscheidung stellen:

    1. Ist der Ausstieg sauber abgelaufen?

    „Ein großes Thema in meiner Beratung ist immer: Wie schaffe ich es, keine verbrannte Erde zu hinterlassen?“, berichtet Julia Held. Ihre Erfahrung: Wer ein Unternehmen verlässt, sollte stets darauf achten, eine gute Übergabe zu machen, fair zu bleiben und Kontakte weiter zu pflegen – selbst wenn er zum Zeitpunkt seines Weggangs noch nicht über eine mögliche Rückkehr nachdenkt.

    Gab es Ärger bei der Kündigung oder hat danach jahrelang Funkstille geherrscht, sollte man Rückkehrpläne zumindest überdenken.

    2. In was für ein Unternehmen kehre ich zurück?

    Bernd Fricke ist wie Julia Held für Kienbaum tätig. Er berät sowohl die Unternehmens- als auch die Führungskräfteseite bei Trennungen. Fricke warnt: Wer die Rückkehr zum Ex-Arbeitgeber erwägt, sollte nichts romantisieren. „Menschen neigen dazu, die Vergangenheit immer etwas positiver zu sehen, als sie in Wirklichkeit war.“

    Außerdem sei das Unternehmen von damals oft nicht mehr dasselbe, weil sich womöglich der Kollegenkreis geändert habe, die Unternehmensphilosophie, die Kultur oder gar das Produkt. Auch könne man nicht davon ausgehen, dass alle anderen Mitarbeiter begeistert seien, wenn man als Ehemaliger zurückkomme. „,Bumeranger‘ sollten sich vor ihrer Entscheidung gründlich bei Ex-Kolleginnen und -Kollegen umhören, um abzuklopfen, wie wohlgesonnen man ihnen dort ist“, rät Fricke.

    3. Wie verkaufe ich mich am besten?

    Genau wie Klaas Geller, der PR-Experte aus Berlin, können viele „Bumeranger“ mit etwas Entscheidendem punkten: Bei ihnen wissen die Ex-Arbeitgeber genau, was sie bekommen. Ein zusätzliches Argument, das Jobrückkehrer auf ihrer Seite haben: Sie bedeuten fürs Unternehmen in der Regel wesentlich weniger Aufwand als ein Unbekannter.

    „Wer ein Unternehmen bereits kennt, ist sehr schnell wieder ,up to speed‘“, erklärt Jens Hohensee von BCG. Will heißen: Jobrückkehrer sind oft schon mit Abläufen, Ansprechpartnern und womöglich auch der Technik vertraut. Sie kosten ihre Arbeitgeber weniger – weil sie schneller arbeitsfähig sind.

    Kandidatinnen und Kandidaten, die geschickt verhandeln wollen, sollten diese Pluspunkte im Jobinterview ansprechen, um sie zu Geld zu machen. Die besten Chancen auf eine satte Gehaltssteigerung haben dabei Angestellte, deren Ex-Arbeitgeber sie zurückgewinnen wollen. Unternehmen, die gezielt Alumni ansprechen, können kaum anders, als ihnen ein attraktives Lohnplus anzubieten.

    Doch auch wenn ein Mitarbeiter von sich aus auf den ehemaligen Arbeitgeber zugeht, kann sich das am Ende positiv auf dem Gehaltszettel zeigen: Etwa dann, wenn die betreffende Person – wie Klaas Geller – anderswo neue Kompetenzen dazugewonnen hat und beim Ex-Unternehmen deswegen in einer höheren Position eingestellt wird.

    Diverse Studien zeigen: Arbeitnehmer, die häufiger querwechseln, erzielen im Verlauf ihrer Karriere größere Gehaltssprünge als diejenigen, die über lange Zeit beim selben Unternehmen bleiben.

    Eine Erfahrung, die auch PR-Fachmann Geller machte. „Ich konnte mein Gehalt durch den Bumerang-Wechsel um ungefähr 15 Prozent steigern.“ Er sagt: Wäre er zwischendurch nicht weg gewesen, wäre ihm das wohl nicht gelungen.

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