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05.01.2022

11:49

Handelsblatt Karrierecoach

Wie führe ich ein Team und kann weiterhin fachlich arbeiten?

Ein Beschäftigter hadert mit seiner Doppelbelastung: Er ist Teamleiter und kümmert sich nebenbei weiter um das Alltagsgeschäft. Für keine der Aufgaben bleibt genügend Zeit.

Lieber ein paar Fünf-Minuten-Gespräche mit einzelnen Mitarbeitern als eine lange Videokonferenz mit allen. dpa

Gespräch

Lieber ein paar Fünf-Minuten-Gespräche mit einzelnen Mitarbeitern als eine lange Videokonferenz mit allen.

Düsseldorf Regelmäßig präsentieren wir Ihnen an dieser Stelle eine Frage zu Job, Gehalt oder Karriere – mit einer Antwort eines unserer renommierten Experten. Wenn Sie auch eine Frage an den Handelsblatt Karrierecoach haben, schicken Sie uns eine E-Mail an [email protected] – wir leiten Ihre Frage anonymisiert an unsere Experten weiter.

Das Problem in dieser Woche:

Sven M. reagiert nur noch zynisch, wenn ihm wieder einmal vorgeworfen wird, sich hinter seiner Sacharbeit zu verstecken. „Du setzt die falschen Prioritäten und nimmst deine Führungsrolle nicht ernst genug“, zitiert er süffisant seinen Vorgesetzten. Niemand scheint es ihm zu danken, dass er sogar an Wochenenden arbeitet, um mit seinen Mitarbeitern gemeinsam das Alltagsgeschäft am Laufen zu halten. Und die Coronasituation macht das zu einer besonderen Herausforderung.

Er bereut immer häufiger, die Teamleitung damals überhaupt übernommen zu haben. „Aus dieser Zwickmühle kommt man nicht mehr heraus. Und das geht hier nicht nur mir so.“

Karrierecoach Michael Alznauer antwortet:

Es gehört zu den altbekannten Herausforderungen einer Führungslaufbahn, mit dem stetigen Verlust fachlicher Autorität seinen Frieden machen zu müssen. Man ist aufgefordert, vieles loszulassen, verstärkt zu delegieren und die gewonnene Zeit für die anstehenden Führungsaufgaben einzusetzen.
Aber das ist nur die eine Perspektive.

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    Denn gleichzeitig sucht mittlerweile jedes zweite Unternehmen vergeblich nach Fachkräften. Und so wird es für Führungskräfte immer schwerer, sich die notwendigen Freiräume von der inhaltlichen Arbeit zu schaffen. Wer heute Mitarbeiterverantwortung trägt, wird daher einen neuen Weg durch das Spannungsfeld von Sach- und Führungsarbeit finden müssen. Wem das nicht gelingt, der gefährdet seinen Ruf und auf Dauer auch seine Gesundheit.

    Lieber Herr M., lassen Sie uns überlegen, wie Sie das vermeiden und – auch aus Führungsperspektive − Ihre Zuversicht und Handlungsfähigkeit zurückgewinnen können.

    Mein Tipp: Mehr Mut zu Experimenten

    Bei Stress und Erschöpfung wird unser Blickfeld eng. Wir drehen uns immer unreflektierter im „Hamsterrad der Gewohnheiten“ und befürchten, keinen Ausweg finden zu können. Die Lösung soll dann irgendwo „von oben“ kommen. Tut sie aber selten.

    Handelsblatt Karrierecoach: In dieser Rubrik können Leserinnen und Leser ihre Fragen zu Job und Karriere stellen – die Antwort hat diesmal Führungscoach Michael Alznauer geliefert.

    Handelsblatt Karrierecoach

    In dieser Rubrik können Leser ihre Fragen zu Job und Karriere stellen – die Antwort hat diesmal Führungscoach Michael Alznauer geliefert.


    Daher ist es zunächst wichtig, dieses Hamsterrad jetzt zu verlassen. Treten Sie einen Schritt zur Seite, und fragen Sie sich: Wie kann ich mit meinem Verhalten experimentieren? Was könnte ich einfach einmal anders angehen?

    Dabei geht es nicht um demonstrativ provokante Aktionen, mit denen Sie auf Ihre schwierige Lage aufmerksam machen. Es geht vielmehr darum, dass Sie sich selbst wieder als bewussten Akteur erleben.

    Hier ein paar Anregungen:

    1. Eine neue Form der Absprache mit Ihrem Vorgesetzten

    Vermutlich wiederholen sich seit geraumer Zeit die Gespräche, die Sie mit Ihrem Vorgesetzten führen. Ich könnte mir vorstellen, dass es Ihnen dabei in erster Linie um mehr Verständnis für Ihre Lage und zusätzliche Ressourcen geht. Da das offenbar nichts ändert, sollten Sie nun einen anderen Weg testen.

    Bereiten Sie eine Liste der Aufgaben vor, die Sie (a) mit Ihrem Team in der kommenden Woche angehen werden und (b) bewusst in diesem Zeitraum liegen lassen. Planen Sie gegebenenfalls Zeiträume für mögliche „Feuerwehraktionen“ ein.

    Dann ergänzen Sie den Aufwand für die Führungsaufgaben, auf die es Ihrer Meinung nach gerade unbedingt ankommt.

    2. Die Führung auf das Entscheidende beschränken

    Diskutieren Sie nicht länger die pauschale Frage, ob Sie Zeit für Führung haben oder nicht. Entscheidend ist, dass Sie den Blick für das große Ganze und Ihre Mitarbeiter nicht verlieren. Lassen Sie deshalb nie eine Wochenbesprechung ausfallen: Wie geht es jedem Einzelnen? Besteht die Gefahr, etwas Wichtiges zu übersehen? Stimmen Ihre Prioritäten mit denen des Teams überein?

    Machen Sie sich Notizen, wer gerade welche Art der Führung von Ihnen benötigt. Stellen Sie sicher, dass Sie diese Dinge in Ihrem Wochenplan berücksichtigen.

    Teilen Sie den Kontakt mit Ihrem Team in kleine Zeiteinheiten auf. Lieber ein paar Fünf-Minuten-Gespräche mit einzelnen Mitarbeitern als eine lange Videokonferenz mit allen. Und natürlich können Sie auch in der Pandemie einfach mal zum Telefonhörer greifen.

    Auf diesem Weg werden Sie schrittweise ein breiteres Repertoire an Lösungen und Führungsansätzen gewinnen.

    3. Den Blick nach vorn richten

    Aber natürlich kann es nicht nur darum gehen, sich in dieser für Sie unbefriedigenden Lage „einzurichten“. Deshalb ist es wichtig, dass Sie auch eine perspektivische Lösung entwickeln. Diese gehört dann mit auf die Agenda für das nächste Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten. Trägt er diesen Weg mit? Hat er Anregungen, und wie kann er dabei unterstützen?

    Konzentrieren Sie sich bei Ihren Überlegungen nicht auf den idealen Zustand, den Sie gern hätten. Definieren Sie stattdessen „Phasen“, die es gemeinsam zu bewältigen gilt. In Ihrer Situation könnten diese Schritte zum Beispiel „ordnen − lösen − optimieren“ lauten. Wäre das nicht auch ein guter Slogan für die nächsten Monate?

    Schaffen Sie zusammen mit Ihrem Team eine Übersicht über die gemeinsamen Aufgaben, und bringen Sie Ordnung und Prioritäten hinein. Identifizieren Sie das Kernproblem Ihrer Situation, sammeln Sie Ideen für eine Lösung, und testen Sie diese. Verfolgen und optimieren Sie den vielversprechendsten Ansatz mit vereinten Kräften.

    Und wissen Sie, was dann passiert? Das Hamsterrad wird mehr und mehr zu einem Weg. Und niemand wird Ihnen mehr vorwerfen, dass Sie Ihrer Führungsrolle nicht gerecht werden. Versprochen!

    Von

    hast

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