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04.02.2015

12:42

Psychologe zu Depressionen

„Die Spitze des Bergs ist noch nicht erreicht“

Von: Lin Freitag
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Es gibt nicht unbedingt mehr Depressive, aber erkannt werden sie eher, sagt der Arbeitspsychologe Tim Hagemann, die gesellschaftliche Akzeptanz der Krankheit habe sich verbessert. Schon einfache Tricks können helfen.

Depressionen etwa zeigen sich häufig auch in Form von körperlichen Symptomen. dpa

Kopfschmerzen durch Stress

Depressionen etwa zeigen sich häufig auch in Form von körperlichen Symptomen.

Herr Hagemann, laut aktuellem Depressionsatlas der Techniker Krankenkasse sind die Fehlzeiten aufgrund von psychischen Erkrankungen von 2000 bis 2013 um 69 Prozent gestiegen. Sind wir jetzt alle depressiv?
Nein, sicherlich nicht. Dieser Anstieg ist auch mit der verbesserten Diagnostik zu erklären. Depressionen etwa zeigen sich häufig in Form von körperlichen Symptomen – Patienten klagen beispielsweise über Schlafstörungen oder haben Verdauungsprobleme. Früher wurden diese Beschwerden dann genauso behandelt, mit einem Schlafmittel oder Magen-Tabletten. Heute fragen Ärzte auch bei körperlichen Symptomen nach den psychischen Belastungen – dadurch werden Depressionen häufiger diagnostiziert. Zum anderen hat sich die gesellschaftliche Akzeptanz von derlei Erkrankungen verbessert. Die Menschen reden offener über ihre Probleme und suchen sich auch schneller Hilfe.

Hamburg ist laut Studie die depressivste Stadt. Wie erklären Sie die regionalen Unterschiede?
Es gibt sicherlich Unterschiede zwischen Stadt und Land. Zum einen gibt es in den Städten mehr Experten, was auch wiederum heißt, dass die Diagnostik besser ist. Aber natürlich nehmen auch andere Faktoren auf die psychische Gesundheit Einfluss. Wie etwa die Arbeitslosenquote oder das Freizeitangebot. In Hamburg kommt vielleicht erschwerend hinzu, dass es sich um eine sehr reiche Stadt handelt, die aber mit einem krassen sozialen Gefälle zu kämpfen hat. Die Schere zwischen Arm und Reich geht weit auseinander. Es gibt viele soziale Brennpunkte, in denen die Bewohner am Rande des Existenzminiums leben – das spielt sicherlich auch eine Rolle.

Tipps gegen Stress

Rituale schaffen

Versuchen Sie, ein Ritual zu finden, das den Job klar von Ihrem Feierabend und vor allem dem Wochenende abgegrenzt.

Über Stress reden

Wann immer Sie wieder gestresst sind: Geteilter Stress ist halber Stress. Also reden Sie darüber.

Aufgaben ablehnen

Sagen Sie öfter Nein.

Erfolge registrieren

Nehmen Sie Ihre Erfolge wahr, nicht nur das, was schief gegangen ist.

Zufrieden sein

Lernen Sie, mit dem, was Sie erreichen, zufrieden zu sein, auch wenn es von außen keine Anerkennung gibt. Loben Sie sich also auch einfach mal selbst, und erkennen Sie Ihre Leistungen an.

Quelle

Christiane Stenger, „Lassen Sie Ihr Hirn nicht unbeaufsichtigt! – Gebrauchsanweisung für Ihren Kopf“, 252 Seiten, EAN 9783593500126, ISBN 978-3-593-50012-6

Besonders häufig von Depressionen betroffen sind Callcenter-Mitarbeiter, Altenpfleger und Erzieher – warum gerade diese Berufe?
Alle drei Berufe haben zwei Dinge gemein: Eine hohe Arbeitsbelastung bei relativ schlechter Bezahlung. Mitarbeiter im Callcenter etwa haben viel mit unzufriedenen Kunden zu tun, in der Altenpflege bleibt immer weniger Zeit für den einzelnen Patienten, dafür kommen viele administrative Aufgaben hinzu. In der Kinderbetreuung haben die Erzieher mit einem hohem Lärmpegel zu kämpfen und bekommen vermehrt Druck von den Eltern – die Belastung in diesen drei Berufen ist seit Jahren angestiegen, die Wertschätzung aber nicht. Menschen werden depressiv, wenn sie auf Dauer das Gefühl haben, mehr zu investieren als sie zurückbekommen.

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