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10.09.2022

11:15

Ratgeber für Büro und Karriere

Empfehlungen für die Leseliste: Diese neuen Managementbücher lohnen sich im englischen Original

Von: Lazar Backovic, Julia Beil, Mona Fromm

Was bei Netflix-Serien und Kinofilmen dazugehört, setzt sich immer mehr auch am Buchmarkt durch: englische Originalware. Tipps für Ihre Leseliste.

Bücher Unsplash Thought Catalog

Englische Bücher

Bücher über Führung und Management enthalten ohnehin viel Denglisch. Daher lohnt sich der Blick ins Original.

Düsseldorf, Berlin Es gibt Buchtitel, die lassen sich nur schwerlich übersetzen. Clayton Christensen und sein „Innovator’s Dilemma“ etwa. Das Standardwerk des bekannten, 2020 verstorbenen Harvard-Business-Professors heißt auf Deutsch genauso wie im englischen Original. „Der Titel wurde so belassen, weil es sich um einen Weltbestseller handelt, der auch deutschsprachigen Lesern bekannt war“, erklärt Kurt Matzler, Professor für Strategisches Management in Innsbruck und Co-Autor der deutschsprachigen Version.

Doch auch was zwischen den Buchdeckeln steht, ist oft auf Englisch besser nachzuvollziehen als in der deutschen Übersetzung. Viel Denglisch, schiefe Metaphern und die gelegentliche Frage, wie dieser Satz wohl ursprünglich mal gelautet hat, gehören oftmals zur Realität von Leserinnen und Lesern gedolmetschter Management- und Karriereliteratur.

Und so wundert es nicht, dass sich auch am Sachbuchmarkt immer mehr durchsetzt, was bei Netflix-Serien und Kinofilmen seit Jahren zum guten Ton gehört: englischsprachige Originalware. Mehr als fünf Millionen Deutsche lesen laut dem „Börsenblatt“ des deutschen Buchhandels regelmäßig Bücher oder Zeitungen auf Englisch, Französisch oder Spanisch. Doch welche aktuellen Management- und Businesstitel lohnen sich?

Das Handelsblatt hat vielversprechende Neuerscheinungen aus dem Bereich auf Englisch gesichtet – sechs Empfehlungen für Ihre Leseliste in diesem Jahr:

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    Tony Fadell: Build – An Unorthodox Guide to Making Things Worth Making

    Wie man Produkte herstellt, die andere begeistern, dürfte kaum jemand besser wissen als Tony Fadell. Der Computeringenieur gilt als Erfinder des iPods, hat an Apples iPhone mitgewirkt und gründete 2010 den Thermostathersteller Nest, der mittlerweile zu Google gehört.

    Tony Fadell: Build.
    Bantam Press
    London 2022
    416 Seiten
    24,75 Euro

    Sein Buch „Build“ ist eine Mischung aus Erinnerungen, neuesten Tech-Gerüchten und Karrieretipps, die der Tüftler unter anderem von Steve Jobs erhalten hat. Einer der wichtigsten: „Stay a beginner“, also: Behalte den Blick des Anfängers und zeige dich lernwillig.

    Diese Haltung, mit der Fadell verlässlich in die Kerben moderner Managementliteratur schlägt, sei nötig, um etwas Neues aufzubauen oder zu gründen. Die besten Führungskräfte sind aus Fadells Sicht die, die niemals aufhören, im positiven Sinne Ärger zu machen und Altes infrage zu stellen. „Shit-stirrer“ nennt der 53-Jährige sie – man kann gespannt sein, wie die Übersetzer hier dolmetschen.

    Johann Hari: Stolen Focus. Why You Can’t Pay Attention – and How to Think Deeply Again

    Lesen, scrollen, E-Mails checken, fernsehen: geht alles gleichzeitig. Nett ausgedrückt ist das Multitasking. Treffender ist es der dramatische Verlust unserer Aufmerksamkeit – und eines der einschneidendsten psychologischen Probleme unserer Zeit. Für sein Buch „Stolen Focus“ reiste der britische Journalist Johann Hari rund um den Globus, überall fand er dasselbe Muster: Die Menschheit hat systematisch verlernt, sich zu fokussieren, im Moment zu leben.

    Johann Hari: Stolen Focus.
    Bloomsbury Publishing
    London 2022
    352 Seiten
    23,99 Euro

    Zwar fühlen wir uns alle angesprochen, dennoch schreibt Hari nicht von oben herab. Denn wir verlieren nicht nur unsere Konzentration, sondern, so die These, sie werde uns aktiv gestohlen. Nur so funktionierten die Geschäftsmodelle einiger großer Tech-Konzerne.

    Haris tiefe Analyse ist nicht überraschend – doch sie ist alarmierend. Studien und Experteninterviews verdeutlichen die permanente Verführung, sich ablenken zu lassen. Zwar können wir die Benachrichtigungen für Instagram und Co. ausschalten – oder gar die Apps löschen. Doch der Autor fordert die Veränderung der Algorithmen: System-Probleme, so Hari, verlangten System-Lösungen.

    Ein paar handfeste Tipps gibt es auch, etwa die Zehn-Minuten-Regel. Die geht so: Sobald wir den Drang verspüren, Nachrichten zu prüfen, zehn Minuten abwarten. Meist ist der Impuls, das Handy zu checken, dann doch verflogen.

    C. Dewar, S. Keller, V. Malhotra: CEO Excellence – The Six Mindsets that Distinguish the Best Leaders from the Rest

    Wenn Berater eine Frage beantworten, suchen sie im Vorfeld gern nach Vorbildern für ihren Business-Case. So verwundert es nicht, dass die McKinsey-Partner Carolyn Dewar, Scott Keller und Vikram Malhotra für ihr Buch „CEO Excellence“ 67 (!) Vorstandsvorsitzende verschiedener Industrien und Länder gefragt haben, was eigentlich einen guten Chef ausmache.

    Darunter sind bekannte C-Level-Größen wie JP Morgans Jamie Dimon („Der beste Teamplayer ist der, der offen widerspricht, wenn eine Entscheidung nicht im Sinne des Kunden oder des Unternehmens gefällt wurde“), Ken Chenault von American Express („Die Rolle einer Führungskraft ist, die Realität zu definieren und ansonsten Hoffnung zu geben“) und der ehemalige Adidas-Chef und heutige FC-Bayern-Präsident Herbert Hainer.

    Carolyn Dewar, Scott Keller, Vikram Malhotra: CEO Excellence.
    Scribner
    New York 2022
    384 Seiten
    12,99 Euro

    Herausgekommen sind sechs Mindsets, hinter denen alte Managementtugenden stehen: Große Veränderungen ausführen, bevor es die Konkurrenz tut – und das am besten schnell und häufig. Sein Alleinstellungsmerkmal finden. Das Team zum Star machen und – Stichwort Zeitmanagement – mit viel Energie zur richtigen Zeit am richtigen Ort innerhalb der Firma sein. Die meisten Tipps aus besseren Zeiten gelten eben auch in der Krise.

    Matthew E. Kahn: Going Remote – How the Flexible Work Economy Can Improve Our Lives and Cities

    Handelsblatt Rethink Work: Löst eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf den Fachkräftemangel?

    Handelsblatt Rethink Work

    Löst eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf den Fachkräftemangel?

    Eva Klimpel hat eine Job-Plattform für Mütter gegründet, Roman Gaida schreibt über das Leben als „Working Dad“. Im Podcast „Rethink Work“ diskutieren sie, wie Eltern auf dem Arbeitsmarkt bleiben.

    Wären Sie nicht gern ein bisschen wie Harrison Ford? Gute Nachricht: Vermutlich sind sie es. Denn Ford ist ein Remote-Worker, so wie Abermillionen Büroangestellte es seit der Pandemie geworden sind. Seit Jahrzehnten nimmt sich der Hollywoodstar die Freiheit, einen Teil des Jahres in L.A. und den anderen in seinem Haus in Wyoming zu verbringen.

    Folgerichtig argumentiert der Städteökonom Matthew E. Kahn in seinem neuesten Werk „Going Remote“, dass wir alle kleine Harrison Fords geworden seien – und das vermutlich auch so bleibe. Auch wenn Kahn zu Recht darauf hinweist, dass nicht jeder Berufstätige über das Ford’sche Budget verfügt.

    Matthew Kahn: Going Remote.
    University of California Press
    Berkeley 2022
    265 Seiten
    20,33 Euro

    Kahn blickt in seinem Buch mit ansteckendem Optimismus auf die Chancen des Homeoffice – und mit der Brille eines globalen Städteplaners: Von zu Hause arbeiten, das könne Großstädte erschwinglicher machen, ländliche Regionen, günstige, weniger beliebte Städte stärken und das Individuum von starren Bürostrukturen und lästiger Pendelei befreien.

    Kahns Schlussfolgerung: Indem man „die Geografie beeinflusst, in der erfolgreiche Menschen leben“, schaffe das Arbeiten aus der Ferne neue Wachstumsmöglichkeiten in Gebieten, die seit Jahrzehnten hinterherhinken. Ein frischer Blick auf den Homeoffice-Hype.

    Dominique J. Darmon: Have I Got Dirt for You – Using Office Gossip to Your Advantage

    Sich an Bürotratsch beteiligen, das ist als Produktivitätskiller verschrien. Wer regelmäßig an der Kaffeemaschine ein Schwätzchen hält, arbeitet schließlich nicht, sondern streut Gerüchte, horcht Kollegen aus oder lästert. Dabei sind Klatsch und Tratsch im Job besser als ihr Ruf, zeigt Dominique J. Darmon, Kommunikationsexpertin aus den Niederlanden, in ihrem neuen Buch „Have I Got Dirt for You“.

    Dominique Darmon: Have I Got Dirt For You.
    Amsterdam University Press
    Amsterdam 2022
    260 Seiten
    33,72 Euro

    Beim „Büro-Gossip“ gehe es um mehr als den schlichten Austausch von Gerüchten, sagt sie. Wer es richtig mache, könne mit ein paar Tricks und Kniffen zu besserer Stimmung beitragen, selbst an hilfreiche Infos kommen und Kolleginnen und Kollegen leichter integrieren.

    Der Schlüssel zum Gossip-Erfolg: Sie müssen die richtige Balance finden. Wer ständig tratscht, das zeigen Studien, wird von den Kollegen schnell als wenig vertrauenswürdig eingestuft. Wer sich dagegen nie am Büroklatsch beteiligt, kann dadurch Darmon zufolge einen desinteressierten Eindruck erwecken.

    Um das richtige Gossip-Maß zu finden, müssen Berufstätige den richtigen Ort zum Tratschen finden (neben der Kaffeeküche ist auch die Raucherecke bestens geeignet), ihre Infos an die richtigen Gesprächspartner weitertragen (Chefs sollten sich etwa hüten, zu viel mit ihren Untergebenen zu tratschen) und sich über den passenden Inhalt im Klaren sein (Trauen Sie sich ruhig von Zeit zu Zeit, ein wenig zu lästern – wer ausschließlich positiven Gossip verbreitet, wird irgendwann als uninteressant wahrgenommen).

    Wie Sie diesen Balanceakt meistern? Dafür hat Darmon viele konkrete Tipps – adressiert sowohl an Chefs als auch an deren Teammitglieder.

    Markus Reitzig: Get Better at Flatter – A Guide to Shaping and Leading Organizations with Less Hierarchy

    New-Work-Jünger können es nicht oft genug betonen: Weniger Hierarchien sorgen für mehr Erfolg. Sie machen die Menschen kreativer, Entscheidungen schneller und Mitarbeitende glücklicher. So weit, so bekannt.

    Trotzdem sollte nicht jede Firma auf flache Strukturen setzen, mahnt Markus Reitzig in seinem Buch „Get Better at Flatter“. Der Organisationswissenschaftler mit deutschen Wurzeln erzählt zwar von gelungenen Organigramm-Experimenten wie bei der Outdoor-Marke Patagonia, wo Mitarbeitende ohne Erlaubnis freinehmen können, um surfen oder wandern zu gehen.

    Markus Reitzig: Get Better at Flatter.
    Palgrave Macmillan
    Basingstoke 2022
    234 Seiten
    32,09 Euro

    Aber er nennt auch Beispiele von Firmen, die wieder zum alten System zurückkehren. So musste etwa die Online-Programmierschule „Treehouse“ nach zwei Jahren wieder mehr Steuerung einführen. Viele Projekte kamen nicht zum Ende, weil es niemanden gab, der sich verantwortlich fühlte. Laut Co-Gründer Ryan Carson war der „Ohne-Chef-Ansatz“ hilfreich für Treehouse, als es rund 60 Mitarbeitende hatte – nicht aber mit 100 Angestellten.

    Damit Chefs und Chefinnen erkennen, ob die Firma weniger Ebenen braucht, bietet das Buch Flussdiagramme. Wer die Frage „Können Sie bestimmen, welche Personen die besten Ideen haben?“ beispielsweise mit „Ja“ beantworten kann, hat schon das erste Ende der Grafik erreicht: keine flachere Struktur, stattdessen ein Forum etablieren, in dem Experten zusammenarbeiten.

    Reitzigs Buch ist eine fundierte wissenschaftliche Abhandlung mit lesenswerten Anleitungen. Allerdings braucht es Konzentration und Durchhaltevermögen. Der Autor selbst empfiehlt, ruhig etliche Kapitel zu überspringen und nur bei Fragen zu bestimmten Beispielen zurückzukehren.

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