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01.04.2018

09:02

Gastbeitrag zu Frauen in Führungspositionen

Zeigt Mut: Warum es sich lohnt, die Komfortzone zu verlassen

Von: Sabine Mueller

Aus Komfortzonen werden keine Führungskräfte geboren – im digitalen Wandel erst recht nicht. Was jetzt zu tun ist, wenn Sie erfolgreich Ihre Karriere boosten wollen.

Sabine Mueller engagiert sich für die Förderung von Gender-Balance in der Führungsebene. (Credit: Privat)

CEO von DHL Consulting

Sabine Mueller engagiert sich für die Förderung von Gender-Balance in der Führungsebene.
(Credit: Privat)

Bonn Sabine Mueller, CEO von DHL Consulting, engagiert sich leidenschaftlich für die Förderung von Gender-Balance in der Führungsebene. Für unser Businessnetzwerk Leader.In hat die erfolgreiche Top-Managerin diesen Gastbeitrag geschrieben.

In Zeiten, in der digitale Transformation alle Branchen nicht nur beeinflusst, sondern auf den Kopf stellt, erweisen sich Komfortzonen als Problem. Mein Rat an alle Frauen mit Führungsambitionen gilt deshalb jetzt mehr denn je: Zeigt Euren Mut, verlasst die Komfortzonen!
Die Logistikbranche ist dynamisch und aufregend und ich nenne sie seit zwei Jahrzehnten mein Zuhause. Derzeit befinden wir uns allerdings in einem grundlegenden Wandel: Big Data, künstliche Intelligenz, Robotik, Drohnen und Game-Changer wie die Blockchain-Technologie treiben die Logistik an, sich konstant weiter zu entwickeln und immer wieder neu zu erfinden.

In diesem Umfeld flexibel zu bleiben und agil zu handeln ist wichtig für alle Marktakteure. Unternehmenslenker, das ist meine Meinung, dürfen sich deshalb nicht nur den neuen Begebenheiten anpassen, sondern müssen richtungsweisend agieren.

Doch engagiert und authentisch als digitales Vorbild voranzuschreiten ist leichter gesagt als getan. Zunächst bedeutet das, den von der Digitalisierung ausgelösten Paradigmenwechsel zu verstehen und anzunehmen, auch wenn das in vielen bestehenden Strukturen zu Beginn vielleicht schwerfällt. Meiner Erfahrung nach ist das jedoch genau der richtige Weg: Hätte ich mich nicht immer wieder selbst dazu angetrieben, meine Komfortzone zu verlassen und neue Perspektiven einzunehmen, wäre ich nicht die, die ich heute bin.

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    Zu viel Komfort, zu wenig weibliche Führungskräfte

    Die Bereitschaft, gegebene Verhaltens- und Denkweisen in Frage zu stellen, hat also einen wesentlichen Teil dazu beigetragen, dass ich heute ein Unternehmen leite – davon bin ich überzeugt. Ich befinde mich als eine führende Frau in Deutschland aber nach wie vor in der Minderheit.

    Zwar hat sich in den letzten 20 Jahren die Diversität in den verschiedenen Bereichen, die ich durchlaufen habe, deutlich verbessert. In der Führungsebene sind Frauen aber immer noch stark unterrepräsentiert. Ich würde mich freuen, wenn mein Werdegang und Engagement mehr Frauen mit Leitungsmotivation dazu inspiriert, ihre Karriereentwicklung so selbstbewusst wie möglich zu gestalten.

    Tipps, wie Laien zu Netzwerk-Experten werden

    Freiwillig aushelfen

    Wer Probleme damit hat, auf Fremde zuzugehen, sollte den Veranstaltern kurz vor dem Event seine Hilfe anbieten. So geht der angehende Netzwerker auf Nummer sicher, dass er nicht nur dumm in der Ecke rumsteht – schließlich hat er durch sein Engagement eine klare Aufgabe. Und währenddessen kommt er ganz zufällig mit neuen Menschen ins Gespräch, ohne dafür selbst den ersten Schritt machen zu müssen.

    Gewohntes Umfeld verlassen

    Leute außerhalb des direkten Umfeldes können dafür sorgen, dass man eine ganz neue Perspektive auf Projekte oder Probleme einnehmen kann. Jedem sollte eine Chance gegeben werden: Schließlich weiß man nie, wer einen interessanten Kontaktpartner ausmacht.

    Frühzeitig da sein

    Ganz wichtig beim Netzwerken: die Ruhe vor dem Sturm ausnutzen. Um neue Kontakte während einer Veranstaltung zu knüpfen, bietet es sich an, etwas früher da zu sein als die Mehrheit der Gäste. Denn wenn nur ein paar Menschen da sind, bleibt einem nichts anderes übrig, als auf diese zuzugehen. Und dann ist auch die Chance groß, die Organisatoren oder Sprecher wichtiger Organisationen zu erwischen, bevor sie von einer Meute umringt werden, die sich gerne vorstellen will.

    Nicht sofort drauf losschießen

    Der angehende Netzwerker ist überpünktlich da, überwindet seine Hemmungen und gesellt sich zu einer kleinen Gruppe. Den größten Fehler, den er dann machen kann: einfach drauf losplappern. Wenn es zu einem Gespräch kommt, sollte er lieber erst einmal aufmerksam zuhören und Fragen stellen. Schließlich ist Netzwerken keine Einbahnstraße: Wenn man ehrliches Interesse an den Problemen anderer zeigt, werden sie wahrscheinlich auch dasselbe für ihr Gegenüber tun.

    Lächle

    Noch Fragen?

    Sich ein Ziel setzen

    Schon vor der Veranstaltung sollte man sich gut überlegen, mit wie vielen Leuten man sich unterhalten will. Schließlich passt nicht jede x-beliebige Person in das persönliche Netzwerk. The Changer rät angehenden Netzwerkern deshalb dazu, sich vorab die Teilnehmerliste zu organisieren, um vorab herauszufinden, wer während des Events als möglicher neuer Kontakt geeignet ist.

    Fragen zurechtlegen

    Wenn geklärt ist, wen der angehende Netzwerker ansprechen möchte und warum, ist es sinnvoll, sich ein paar Fragen zurecht zu legen. Zum Beispiel: „Welche Vorschläge hast für mich?“ oder „Kennst du jemanden, mit dem ich mal reden sollte?“. Natürlich sollte man sich vorab auch Gedanken darüber machen, welche Fragen einem selbst gestellt werden könnten.

    Rechtzeitig weiterziehen

    Das Gespräch mit einer fremden Person kann super laufen. Das bedeutet aber nicht, dass man bis zum Ende der Veranstaltung zusammenbleibt. Spätestens nach zehn Minuten sollten Netzwerker weiterziehen – um mit möglichst vielen Menschen in Kontakt zu kommen. Wem es schwer fällt, das Gespräch zu beenden, dem rät The Changer dazu, in einem geeigneten Moment die Businesscard zu zücken und vorzuschlagen, das Gespräch zu einem späteren Zeitpunkt intensiver weiterzuführen.

    Zweitkontakt intelligent herstellen

    Der erste Kontakt wurde während des Events hergestellt. Im zweiten Schritt gilt es, den Zweitkontakt geschickt herzustellen. Wer allerdings nicht mehr zu bieten hat als „Schön, dich gestern kennengelernt zu haben“ läuft Gefahr, dass der Kontakt ins Leere läuft. Sinnvoll ist es, Informationen – zum Beispiel zu Gesprächsthemen – mitzuschicken, um zu beweisen, dass man als Kontaktperson wirklich etwas zu bieten hat.

    Netzwerk pflegen

    Netzwerken bedeutet nicht: Man tut es einmal und hakt es dann auf seiner Liste ab. Netzwerken muss vielmehr in die Arbeitsweise integriert werden. Wer wirklich von seinen Kontakten profitieren will, muss sie pflegen und Zeit investieren.

    Quelle

    Die Karriereplattform The Changer gibt in ihrem Buch „Karriere mit Sinn“ zehn Tipps, wie Laien zu Netzwerk-Experten werden.

    Leider zeigen aber auch aktuelle Zahlen immer wieder: Weibliche Chefetagen selbstverständlich als gleichwertig zu etablieren, ist kein einfaches Unterfangen. In der Führungsriege ist das Geschlechterverhältnis nach wie vor nicht balanciert. Obwohl immer mehr Frauen in Vorständen börsennotierter deutscher Unternehmen sitzen – 47 weibliche Vorstände arbeiteten im Juli 2017 in den Unternehmen aus dem Dax, MDax, SDax und TecDax, vier Frauen mehr als noch einem halben Jahr zuvor und somit 6,9 Prozent – geht die Entwicklung hin zu mehr Gender-Balance schleppend voran. Im vergangenen Jahr waren noch immer 75 Prozent aller Vorstandsgremien der börsennotierten Unternehmen in Deutschland ausschließlich männlich besetzt. Diese Zahlen verdeutlichen das Missverhältnis auf ernüchternde Art und Weise.

    Ich bin überzeugt, dass Diversität und ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in Vorständen sich positiv auf die Geschäftsleistung, Innovationskraft und Konkurrenzfähigkeit eines Unternehmens auswirkt. Das gleiche gilt natürlich für die Aufsichtsräte. Vielfalt in jeder Hinsicht ist meiner Meinung nach eine fundamentale Voraussetzung für nachhaltigen Geschäftserfolg.

    Wie kommen wir zum Ziel?

    Dass eine Gender-Diversitäts-Agenda wertvoll ist, darüber besteht kein Zweifel. Entscheidend ist jedoch, die geplanten Maßnahmen für mehr Gender-Balance auch in die Praxis umzusetzen. Das benötigt Courage, eine klare Vision und eine Kultur, die Frauen durch alle Ebenen der Organisation hindurch bestärkt. Darin, ihre Meinung und Ziele zu äußern. Risiken einzugehen. Und: ihre Fähigkeiten und Erfolge proaktiv in Unternehmen und Netzwerken zu bewerben.

    Führungskräfte müssen sich diesen Change-Prozess zu eigen machen und ihn nachdrücklich steuern. Unsere Bemühungen bei DHL Consulting ein ausgeglicheneres Geschlechterverhältnis zu etablieren, haben bereits deutliche Erfolge erzielt. Um diesen Trend aufrecht zu erhalten und bestenfalls noch zu beschleunigen, ist aber eine starke, langfristige Strategie notwendig, bei der alle am selben Strang ziehen.

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