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16.09.2019

13:43

Leader.In-Community-Tipps

Wie kommt man mit einem Narzissten klar?

Von: Carina Kontio

Nichts kann einem die Freude an der Arbeit mehr versauen als ein cholerischer, ewig nörgelnder Chef, der stets unzufrieden ist, seine Qualitäten allerdings maßlos überschätzt. Die besten Tipps zum Umgang.

Umgangssprachlich versteht man unter einem „Narzissten“ einen Menschen, der ausgeprägten Egoismus, Arroganz und Selbstsüchtigkeit an den Tag legt. Wie geben Tipps zum Umgang. Unsplash

Narzissmus

Umgangssprachlich versteht man unter einem „Narzissten“ einen Menschen, der ausgeprägten Egoismus, Arroganz und Selbstsüchtigkeit an den Tag legt. Wie geben Tipps zum Umgang.

Bonn Sie haben einen Chef oder eine Chefin, der/die bei der kleinsten Kleinigkeit schnell außer Rand und Band gerät? Oh je. Ein cholerischer oder narzisstischer Chef kann einen kaputt und den Arbeitsalltag zur Hölle machen. Es ist unter Personalern ein bekanntes Phänomen: Mitarbeiter trennen sich nicht von ihrem Job, sondern von ihrer Führungskraft.

Der schlimmste Chef, den ich bisher hatte, kratzte sich immer mit der Hand nervös an der Backe, bevor er los brüllte und seine Leute vor versammelter Mannschaft zur Schnecke machte. Nennen wir ihn Franklin. Franklins Verhalten war unhöflich und herabwürdigend. Da fielen auch schon mal Sätze wie: „Du machst hier alles falsch!“ oder „Ihr seid doch echt alle Nieten hier!“
Ich bekam nach einem halben Jahr heftige Rücken- und Magenschmerzen und nachts kein Auge mehr zu. Nach neun Monaten zog ich die Reißleine und kündigte.

Die Wahrscheinlichkeit, dass man am Arbeitsplatz auf Narzissten trifft, ist laut Experten sogar vier- bis sechsmal höher als im privaten Alltag. Warum das so ist? Miese Chefs steuern gerne Wirtschaftskonzerne an, weil sie sich von dem dort herrschenden Wettkampf angezogen fühlen.

Ellbogen sind in vielen Firmen leider noch gefragt. Auch wenn ich glaube, dass dieser Typ Chef genauso sicher aussterben wird wie die Dinosaurier. Ich bin davon überzeugt, dass ein menschenfreundlicher Führungsstil für die Zukunft jedes Unternehmens überlebenswichtig ist.

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    „Muss ja!“, „So ist der Job halt!“

    Das Verhalten von Narzissten kann für die Wirtschaft richtig teuer werden. Schlechte Führung kostet Geld. Viel Geld, wie die jährlichen Zahlen des Gallup Engagement-Index zeigen. Das Beratungsinstitut schätzt den Schaden bei deutschen Unternehmen auf rund 105 Milliarden Euro. Die summieren sich aus Fehlzeiten und Leistungseinbußen der Mitarbeiter oder Sabotageakten. Für 105 Milliarden Euro könnte man auch 1 Million Einfamilienhäuser bauen. Oder 420 Fußball-Stadien in der Größe der Münchner Allianz-Arena.

    Eine Studie des TÜV Rheinland ergab sogar, dass 20 Prozent aller Suizide eine Folge von Schikanen im Job sind. Jeder zweite Mitarbeiter, das haben amerikanische Unternehmensberater herausgefunden, hat ein gestörtes Verhältnis zu seiner Führungskraft.

    Die Hitliste der Chef-Lügen

    „Bei mir steigen Teamarbeiter auf“

    Die Absicht: Sie sollen selbstlos schuften und Erfolge teilen, Konflikte schlichten und andere motivieren, kurz: einen Teil der Chefarbeit unentgeltlich übernehmen.

    Die Wahrheit: Befördert wird immer der Einzelne, der aus der Masse herausragt und kein ganzes Team. Wer Ellenbogen zeigt und Erfolge für sich verbucht, hat beste Chancen auf den Aufstieg.

    Gegenstrategie: Zwingen Sie den Chef, konkret zu werden. Was müssen Sie für den nächsten Karriereschritt erreichen? Schnell wird er dann wieder bei Einzelleistungen landen.

    „Ich würde Ihr Gehalt ja erhöhen - aber das Geld fehlt...“

    Die Absicht: Sie sollen den Chef als Ihren Förderer ansehen, dem leider die Hände gebunden sind. So legen Sie sich doppelt für ihn ins Zeug. Nach dem Wirtschaftsaufschwung bekommen sie jedoch eine neue Phrase zu hören.

    Die Wahrheit: Die Firma hat Geld, mit dem sie wirtschaften kann - sonst wäre sie pleite. Sie will diese Mittel vielleicht nur nicht in Gehalt investieren.

    Gegenstrategie: Machen Sie deutlich, dass die Firma unterm Strich ein Geschäft macht: Sie haben Ihre Leistung ausgebaut und bringen der Firma mehr Geld. Davon wollen Sie lediglich einen fairen Anteil.

    „Es fehlt die Stelle, um Sie zu befördern“

    Die Absicht: Der Chef signalisiert seine Bereitschaft, Sie auf der Karriereleiter voranzubringen. Leider fehlt die dafür nötige Sprosse. Er ermutigt Sie, unter Volldampf weiterzuarbeiten.

    Die Wahrheit: In der modernen Personalpolitik werden nicht Menschen für Stellen gesucht, sondern Stellen für Menschen geschaffen. Deshalb hat der Chef womöglich kein Interesse an einer Beförderung. Vielleicht will er seinen besten Spieler nicht an eine höhere Liga verlieren?

    Gegenstrategie: Machen Sie deutlich, dass Sie unbedingt aufsteigen wollen. Signalisieren Sie, dass sie dafür auch zu einer anderen Firma wechseln würden. Die Aussicht, Sie komplett zu verlieren, könnte seine Meinung ändern.

    „Überstunden sind die Ausnahme...“

    Die Absicht: Im Vorstellungsgespräch sollen Bedenken zerstreut werden. Die Formulierung ist mit Absicht schwammig: Auch wenn Sie an zwei von fünf Wochentagen Überstunden leisten müssen, liegt eine „Ausnahme“ vor.

    Die Wahrheit: Im Einstellungsgespräch kommt alles an die große Glocke, was für die Firma spricht. Nachteile werden verschwiegen. Sobald die Probezeit begonnen hat, schnappt die Falle zu - eine Kündigung wäre ein Schandfleck im Lebenslauf.

    Gegenstrategie: Zeigen Sie sich als Wortspalter - freundlich im Ton und bestimmt in der Sache: „Was meinen Sie damit? Einmal im Monat? Einmal in der Woche? Wie viele im ungünstigen Fall?“

    „Wenn Sie gehen, ist die Tür für immer zu!“

    Die Absicht: Sie sollen das Gefühl bekommen, bei einem Wechsel verbrannte Erde zu hinterlassen. Gerade in engen Märkten ist diese Behauptung vorzüglich geeignet, um Sie zu halten.

    Die Wahrheit: Exzellente Mitarbeiter sind Mangelware - Ihnen wird sich die Tür auch ein zweites Mal öffnen. Wichtig sind die Umstände: Geben Sie so früh wie möglich Bescheid oder erst in letzter Sekunde? Erledigen Sie Ihre Aufgaben nach der Kündigung mit alter Zuverlässigkeit oder sind Sie in Gedanken schon bei Ihrem neuen Arbeitgeber.

    Gegenstrategie: Lassen Sie sich nicht einschüchtern, falls Sie einen Wechsel planen. Sollte Ihr Herz noch an der alten Firma hängen, warum geben Sie ihr nicht noch eine Chance? „Ich habe ein Angebot, das sehr interessant ist. Allerdings fühle ich mich ziemlich wohl hier - und würde am liebsten weiter zum Erfolg unserer Firma beitragen...“

    „Sprechen Sie offen - ich behalt's für mich“

    Die Absicht: Ihr Chef will alles von Ihnen erfahren. Über ein gescheitertes Projekt oder über einen unfähigen Mitarbeiter. Sie wollen weder Schaden anrichten, noch der Aufforderung des Chefs nicht Folge leisten. Seine Schweigeversprechen scheint daher ideal.

    Die Wahrheit: Der Chef wird dafür bezahlt, Schaden von der Firma abzuwenden. Erzählen Sie ihm pikante Details, wird er sicher nicht schweigen.

    Gegenstrategie: Als Antwort ist „Ich kann Ihnen da nicht helfen“ genau richtig - sofern Sie Schaden von sich und anderen abhalten wollen.

    „Mal privat telefonieren oder frühen gehen - das stört mich nicht“

    Die Absicht: Ihr Chef will nicht nur als Aufpasser gelten. Schließlich sollen Sie für ihn durchs Feuer gehen, wenn es mal eng wird. Oft senkt ein solches Angebot auch die Quote der Privatgespräche und Frühabgänge.

    Die Wahrheit: Kein Chef hat es gern, wenn seine Mitarbeiter private Schwätzchen am Telefon halten oder vor Feierabend aus der Firma spazieren. Er fürchtet Kettenreaktionen.

    Gegenstrategie: Verlegen Sie private Gespräche auf Zeitpunkte, zu denen Ihr Chef nichts mitbekommt. Müssen Sie einmal früher gehen, nennen Sie ihm den (wichtigen) Grund und fragen noch einmal nach, ob es ok ist.

    „Ich kann Sie rauswerfen, wenn's Ihnen hier nicht passt!“

    Die Absicht: Sie sollen das Gefühl bekommen, dass Ihr Chef Sie in der Hand hat. Wenn Sie nicht klein beigeben, können Sie jederzeit auf der Straße landen.

    Die Wahrheit: Kündigungen sind leicht anzudrohen und schwer durchzusetzen. Ein Mitarbeiter kann sowohl gegen Abmahnungen als auch gegen Kündigungen juristisch vorgehen. Sollte die Firma aufgrund der Wirtschaftslage gezwungen sein, Personal abzubauen, wackeln vor allem die Stühle der Frischlinge.

    Gegenstrategie: Wenn dieser Satz fällt, ist Feuer unterm Dach. Sagen Sie, dass sie für sachliche und konstruktive Kritik an Ihrer Arbeit offen sind, sich Drohungen aber verbitten.

    „Tut mir leid, dafür sind Sie zu alt/jung!“

    Die Absicht: Offensichtlich will sich Ihr Chef nicht auf sachliche Argumente einlassen. Vielleicht hofft er auch, Sie mit Ihrem Alter an einem wunden Punkt zu erwischen.

    Die Wahrheit: Nirgendwo steht geschrieben, wie jung oder alt man für eine bestimmte Aufgabe sein muss. Alter sagt nichts über Qualifikation oder Qualität aus.

    Gegenstrategie: Lenken Sie das Gespräch zurück auf eine sachliche Ebene. Fragen Sie beispielsweise: „Welche Qualitäten hätte ich Ihrer Meinung nach, wenn ich fünf Jahre älter (oder jünger) wäre?“ Nun wird der Chef mit Stichworten reagieren - und Sie können aufzählen, was Sie auf diesem Gebiet bereits geleistet haben.

    Die meisten Menschen nehmen das so hin. Weil es, so seltsam das klingt, leichter ist, zu leiden. Sie leiden still und leisten weiter ihre Arbeit. Denn das Gros der Mitarbeiter will in erster Linie unauffällig sein: 70 Prozent der Beschäftigten sind laut Gallup-Institut emotional gering gebunden und machen nur noch Dienst nach Vorschrift. „Muss ja!“, „So ist der Job halt!“

    Gallup-Studienleiter Marco Nink sagte kürzlich im Interview mit dem Handelsblatt: „Menschen, die innerlich gekündigt haben, wirken auf ihr Umfeld wie ein Energiestaubsauger. Wenn Sie jeden Mittag mit so jemandem in die Kantine gehen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein Ansteckungseffekt greift – was gefährlich ist.“

    Aber: Sie müssen gar nix. Sie sind ein Mensch. Und Sie können etwas gegen diese Zustände tun. Nur lassen Sie mich zunächst noch sagen, dass das hier immer nur ein Anfang sein kann. Konfliktmanagement zwischen Konferenzraum, Kaffeeküche und Kopierer ist ein weites Feld - ich könnte dazu ein ganzes Pro-Seminar abhalten.

    Wie kommt man mit einem Narzissten/einer Narzisstin klar?

    Es gibt, je nach Eskalationsstufe, sehr unterschiedliche Lösungen. Auch juristisch relevante Probleme wie Mobbing oder Bossing erfordern nochmal speziellere Strategien.... Es lohnt auch ein genauerer Blick darauf, was ein Narzisst eigentlich genau ist!

    Damit haben sich kürzlich unsere Kollegen im ZEIT-Magazin ausführlich beschäftigt und ein äußerst aufschlussreiches Interview mit der New Yorker Therapeutin Elinor Greenberg geführt. Alleine die Zahl der Google-Suchanfragen für „Narzissmus“ hat sich innerhalb von zehn Jahren vervierfacht. Das zeigt, wie groß und wie aufgeladen das Thema ist. „Viele Menschen ohne psychologische Vorbildung erklären sich mit dem, was sie Narzissmus nennen, eine ganze Reihe von Problemen, die sie mit anderen Menschen haben“, erklärt Greenberg, die sich auf Persönlichkeitsstörungen spezialisiert hat. „Ich glaube das Wort Narzissmus wird für zu viele Dinge verwendet.“

    Natürlich gibt es für den Umgang mit Querulanten-Chefs oder Kollegen keine Patentrezepte. Jeder Konflikt ist ein Unikat und es gibt auch Unstimmigkeiten, die sich nicht lösen lassen. Ich weiß, das hört sich alles sehr unromantisch an. Aber: isso. Trotzdem müssen Sie sich nicht alles bieten lassen.

    Wenn mich jemand fragt, wie er oder sie sich vor Chef-Wutausbrüchen schützen und schwierige Führungskräfte oder Kollegen bändigen kann, rate ich oft Folgendes:

    1. Zeigen Sie Empathie

    Selbst die übelsten Chefs sind selten wirklich schlechte Menschen. Deshalb kann es gut sein, zunächst Verständnis für die Situation des anderen aufzubringen. Meistens sind Vorgesetzte auch nur Menschen, die wie eine Scheibe Wurst in einer Sandwich-Position zwischen Top-Management und Mitarbeitern feststecken und permanent Druck aus allen Richtungen bekommen. Daher ist es wichtig, zu verstehen, warum sie sich so verhalten. Mit dieser Einstellung befreien Sie sich auch aus der Opferrolle. Wenn Sie sich in Ihre Führungskraft hineinversetzen, haben Sie ganz gute Chancen, dass er oder sie auch mit Ihnen emphatisch ist.

    2. Üben Sie Selbstreflexion

    Auch wenn Ihr Chef unfair erscheint: Es lohnt sich immer ein Blick auf sich selbst. Zwar hört das niemand gerne, aber oft sind unzufriedene Mitarbeiter, die sich mit ihrem Verhalten selbst im Weg stehen, Teil des Problems. Eine Bekannte, die als Psychologin arbeitet, erzählte mir neulich, dass viele ihrer Patienten in ihren Vorgesetzten häufig Personen aus ihrer Kindheit wiedererkennen, mit denen sie ungelöste Konflikte haben - etwa der kontrollierende Grundschullehrer oder ein herrischer Vater. Das beeinflusst dann die Beziehung mit dem Chef, obwohl eigentlich kein Problem zugrunde liegt. Wenn man sich über diese Projektionen klar wird, fällt es leichter, die alten Probleme von der neuen Situation zu trennen - und einen klaren Kopf zu bewahren.

    3. Vermeiden Sie Eskalation

    Auch wenn Sie gerne mal zurück brüllen würden: Konfrontationen mit cholerischen Vorgesetzten helfen nicht. Sobald die Kommunikation auf eine unfaire, persönliche oder unsachliche Ebene abrutscht, sollten Sie Ruhe bewahren, um objektiv bleiben zu können.
    Konflikttrainer raten, einfach zu gehen, wenn der Chef schreit. Denn rationale Argumente führen bei einem cholerischen Wutanfall nicht zum Ziel. Sagen Sie zum Beispiel: „Gut, ich werde dann jetzt die wichtige E-Mail schreiben, die ich heute noch abschicken muss.“ Genauso schnell wie er von 0 auf 100 ist kommt der Choleriker nämlich oft auch wieder runter.
    Suchen Sie später ein Gespräch unter vier Augen - denn totschweigen sollten Sie den Ausraster auf keinen Fall. Vereinbaren Sie einen Termin. Das hört sich leichter an, als es ist, ich weiß. Viele lassen sich zwischen Tür und Angel vom Chef abwimmeln - bleiben Sie hartnäckig.

    4. Sprechen Sie Probleme an

    Chefs haben keine Ausbildung im Gedankenlesen. Benennen Sie, dass Sie den Konflikt aus der Welt schaffen wollen. Versuchen Sie, zurückhaltend und mit Ich-Botschaften zu formulieren, wie: „Es gab in der letzten Zeit einige Situationen, die mich irritiert haben.“ Oder: „Ich fühle mich angegriffen“ statt „Sie greifen mich an“.
    Das hat eine deeskalierende Wirkung. Wörter wie „Du“, „Sie“ oder „man“ erwecken in Konfliktsituationen schnell den Eindruck, man wolle dem Gegenüber nur Vorwürfe machen oder manipulieren.

    5. Zetteln Sie eine Meuterei an

    Wenn das alles nichts bringt und die Kommunikation versagt, sollten Sie sich Verbündete suchen. Geht es Kollegen ähnlich, können Sie gemeinsam den Betriebsrat und die Personalabteilung einschalten und die Chefs der Chefs benachrichtigen.
    Im Fall von Mobbing oder Bossing raten Experten, ein Tagebuch zu führen. Das hilft einerseits, immer wiederkehrende Konflikte und Vorfälle offen zu legen und sich das System dahinter klar zu machen. Andererseits nützt es bei eventuellen juristischen Auseinandersetzungen - wenn Sie noch keine Rechtsschutzversicherung haben, wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, eine abzuschließen.
    Damit eine Meuterei Aussicht auf Erfolg hat, lassen Sie sich auch von Zeugen bestätigen, wie der Problem-Vorgesetzte Unternehmensleitlinien verletzt und das Geschäft schädigt. Je mehr Angestellte ähnliche Beschwerden vorbringen, desto schwerer wird es für die Führungsebene, das Anliegen zu ignorieren.

    5. Spielen Sie auf Zeit und gehen Sie

    Sind alle Joker gezogen, hat keine der beschriebenen Strategien gefruchtet, bestehen kaum noch Möglichkeiten, das Verhältnis zum Vorgesetzten zu verbessern? In diesem Fall ist es schlicht und einfach empfehlenswert, eine Weile Dienst nach Vorschrift zu machen, keine Angriffspunkte zu bieten und dem Chef aus dem Weg zu gehen.

    Planen Sie dann Ihren Exit und halten Sie nach Jobangeboten Ausschau, solange Sie noch angestellt sind. Aber warten Sie nicht zu lange mit der Kündigung. Wer sich langfristig Stress und seelischer Belastung aussetzt, läuft Gefahr, krank und depressiv zu werden. Für einen schlechten Chef sind Sie nicht verantwortlich - dafür, bei ihm zu bleiben, aber schon.

    Welche Mitarbeiter geliebt und welche gehasst werden

    Wer kommt ins Fadenkreuz?

    Was müssen Sie tun, um auf die Abschussliste zu geraten? Welche Mitarbeiter sind Lieblingsopfer von Mobbing? Martin Wehrle identifiziert die verschiedenen Typen. Die Vorstellung in aller Kürze...

    Der Besserwisser

    Besserwisser haben zwei Fehler: Erstens sind sie anderer Meinung als der Chef. Und zweitens sagen sie das auch noch öffentlich. Sie kratzen an der Autorität des Chefs und brauchen sich nicht wundern, wenn dieser sie zum Abschluss freigibt.

    Der Rivale

    Wenn ein Mitarbeiter alles hat, was eine Führungsposition braucht und sich zur Opposition aufbaut, muss sich der Chef Gedanken machen. Erstrecht, wenn er natürliche Autorität, Ehrgeiz und Fachwissen mitbringt. Es kann oft nur einen geben - und der Chef sitzt am längeren Hebel.

    Der Miesmacher

    Wenn Mitarbeiter Pessimismus verbreiten und schlechte Laune und nur Probleme sehen, wo andere Herausforderungen vermuten - dann sind sie Miesmacher und ebenfalls im Visier des Chefs. Wer die Seifenblasen der Motivation zerbläst, muss mit Mobbing-Attacken rechnen.

    Die Schlafmütze

    Wer tief im Brunnen der Frustration festsitzt und in Sitzungen apathisch aufs Ende wartet - der zieht auch gern die Wut des Chefs auf sich. Die Schlafmütze zeichnet sich dadurch aus, dass sie bei anfallender Arbeit selten zuständig ist und mit den dicken Däumchen der Routine auf die Frühverrentung wartet.

    Das Alpha-Tier

    Gefördert werden vom Chef dagegen Mitarbeiter-Typen wie das Alpha-Tier: Er ist ein geborener Führer wie der Rivale, allerdings fordert er den Vorgesetzten nicht zum Kampf auf. So schafft er es, vom Chef als Stellvertreter akzeptiert zu werden - auch ohne offizielle Ernennung. Das Team akzeptiert ihn als Leitwolf.

    Der Oberexperte

    Der Oberexperte ist quasi der Staatssekretär des Chefs, der, der die fachlichen Mängel ausgleicht. Er bereitet die Entscheidungen im Hintergrund vor und stärkt nach außen den Rücken.

    Die graue Eminenz

    Manchmal gibt es Urgesteine in einer Anteilung, die allerdings immer noch hellwach dabei sind und voller Tatkraft stecken. Der "alte Hase" steht dabei nicht im Verdacht, ehrgeizig auf den Chefsessel zu schielen.

    Der Vorzeigestar

    Das Talent, der Vorzeigestar, dessen Heldentaten die gesamte Firma aufschauen lassen. Der Chef ist stolz auf sein bestes Pferd im Stall, zumindest wenn es keinen Grund zum Zweifel an der Treue gibt.

    Der treue Paladin

    Der verlängerte Arm des Chefs - vor allem für kleinere Aufgaben. Kein schlechtes Wort über den Chef kommt über seine Lippen, aber für höhere Aufgaben eignet er sich auch nicht.

    Was man noch tun kann, wenn man es im Arbeitsalltag mit einem narzisstischen Chef oder Kollegen zu tun hat, haben wir die Mitglieder der Leader.In-Community gefragt – unser Businessnetzwerk mit dem Ziel, Female Leadership in Politik und Wirtschaft zu fördern sowie erfolgreiche Frauen und einflussreiche Männer zu vernetzen. Hier finden Sie die wirkungsvollsten Erste-Hilfe-Maßnahmen aus der Community:

    Tipps zum Umgang mit Narzissten aus der Leader.In-Community

    • Ein liebevoller Blick: Narzissten sind meiner Meinung nach häufig tief im Inneren verunsicherte Menschen, die viel Bestätigung von außen brauchen. Aber in der Regel keine bösen oder gemeinen Menschen. Zugang zu Narzissten ist schlichtweg erstmal eine ehrlich gemeinte Wertschätzung ihrer Person, ihres Wirkens und Handelns, so dass sie sich „gesehen“ fühlen. Und dann ist auch ein „echter Kontakt“ im Sinne von Austausch möglich. (Fee Steinhoff)
    • Dem ersten Teil stimme ich zu, dem zweiten leider nicht. Da zeigt meine Erfahrung, dass es gerade im Arbeitsleben diese Ebene nicht gibt und man irgendwann die Reißleine ziehen muss, um nicht selber tiefe Wunden davonzutragen. (Anonym)
    • Auf Sachlichkeit setzen. (Stefanie Dadson)
    • Mein Tipp nach jahrelanger Studie vieler CEOs/CxOs: Wie mit jeder ‚großen“ Persönlichkeit, immer auf ihre Stärken spielen. Man kann sie ja nicht ändern, wohl aber seine eigene Reaktion und Handlung anpassen. Ohne sich zu verbiegen. Narzissten (m/w/d) sind oft sehr spannende Persönlichkeiten, voller Energie und (ja, auch ungewöhnlicher) Ideen. Das sollte man anerkennen, sie loben für diese Eigenschaften, ihnen offen applaudieren für ihren letzten Coup oder die gelungene Ansprache etc. Und wenn sie dann Lob-gesättigt und selig vor einem stehen, dann kann man auch in einen sachlich-fachlichen Modus schalten und Themen ansprechen, die dringend gelöst oder gar anders angegangen werden müssen. Sie wollen ja stets gewinnen, daher werden sie für Hilfe und Anregungen dankbar sein. Also führt man sie sanft dorthin. Wenn sie dann tatsächlich gut dastehen, lassen sie einen in Zukunft leichter an sich heran. Dennoch gilt: Eine gewisse Distanz und auch Arroganz wird es immer geben. Dann heißt es: Lächeln. Denn sie können tatsächlich nicht anders. Also, wieder von vorn: Anerkennen, loben,... Und bitte, bloß nichts persönlich nehmen, denn für eine weitere Person oder gar deren Gefühle ist in ihrem Universum eh‘ kein Platz! (Tatjana Tasan)
    • Das Problem mit Narzissten ist, dass sie viele Äußerungen absichtlich falsch verstehen. „Missverständnisse“ treten daher bei diesen Personen besonders häufig auf. Bei der Kommunikation zwischen gesunden Menschen gibt es laut Psychologen eigentlich keine Missverständnisse. Daher vermeide ich es bei (vermeintlichen) Narzissten per E-Mail oder Chat zu kommunizieren, weil das dann schnell falsch aufgenommen wird. Wenn möglich in Persona oder am Telefon klären. Da hilft Mimik, Körpersprache und ein übertriebenes Lächeln während man sich dann seinen Teil denkt... (Lisa Gradow)
    • Bin absolut bei dir, dass die Kommunikation in Persona stattfinden sollte, allerdings ALLES schriftlich dokumentieren und gegenzeichnen lassen. Denn wenn es schief läuft, erinnern sich Narzissten an nichts oder haben es total anders in Erinnerung, sehen sich nicht an Absprachen/Termine gebunden und der Fehler liegt eh IMMER am Gegenüber... (Katja Fischer)
    • Nach meiner Erfahrung muss man Narzissten auf Dauer verlassen, wenn man guten Gewissens in den Spiegel schauen will. Das erfordert Mut und Unabhängigkeit, die je nach Lebenssituation auch grade fehlen können. Aber man darf das eigene Wohlbefinden nicht dauerhaft aus dem Auge verlieren. (Ingrid Maas)
    • Mein Tipp wäre: Wir müssen uns mit den Personen beschäftigen, auf die wir in der Kindheit (aufgrund von Abhängigkeitsverhältnissen) reagieren mussten. Das prägte! Ähnlich besetzte Persönlichkeiten begegnen uns heute und lösen gleiche Gefühle oder gar Ängste aus. Daher ist der Blick in die Vergangenheit unerlässlich. Nicht mit dem Ziel einer Schuldzuweisung an andere. Ausschließlich aus Interesse an Selbsterkenntnis und aus vitalem Eigeninteresse. Dann kann es zukünftig gelingen, Narzissten/Innen selbstbewusst und angemessen zu begegnen, denn schlussendlich „leiden“ sie auch an einem mangelnden Selbstvertrauen. Menschen sollten „großzügiger“ miteinander sein. (Nicole Riggers)
    • Gerade haben wir uns im Rahmen der Coaching-Ausbildung mit dem Thema Narzissmus beschäftigt. Dabei haben wir gelernt, dass man mit einem Narzissten nicht umgeht, sondern ihn bestenfalls weiträumig umschifft. Ausgeprägte Narzissten seien weder coachbar, noch berat- oder therapierbar. Nach dem Klassifikationssystem DSM-5 gibt es für Narzissmus übrigens neun Kriterien, von denen mindestens fünf erfüllt sein müssen. Ein „Riesenspaß“, diese z.B. Mal auf einen amtierenden US-Präsidenten anzuwenden.... (Melanie Wyssen-Voß)

    „Chefs mangelt es an Selbstreflexion“: Der „Engagement-Index“ rügt deutsche Manager jährlich aufs Neue. Ein Gespräch mit dem Studienleiter über Sündenböcke und Kulturwandel.

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