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15.05.2018

13:53 Uhr

Gastbeitrag

Iran sieht seine Ölindustrie gestärkt – sie bleibt aber anfällig für Sanktionen

Die neuen US-Sanktionen könnten Iran pro Jahr bis zu 20 Milliarden Dollar Einnahmen aus Ölexporten kosten. Das Land hängt zu stark vom Öl ab.

Das Land hängt stark von Ölexporten ab. dpa

Petrochemiefabrik in Iran

Das Land hängt stark von Ölexporten ab.

TeheranDie Wiederaufnahme der US-Sanktionen gegen Iran soll das Land an einer wichtigen wirtschaftlichen Stelle treffen: dem Ölexport. Dazu hat das US-Finanzministerium die Öleinkaufsländer angewiesen, ihre Ölimporte aus dem Iran in den nächsten sechs Monaten deutlich zu reduzieren. Andernfalls müssten auch diese Länder mit Sanktionen der US-Regierung rechnen.

Die iranische Regierung versucht hingegen Optimismus zu verbreiten. Sie versicherte den Iranern, dass die Wiederaufnahme der US-Sanktionen weder Auswirkungen auf die politische noch wirtschaftliche Situation des Landes haben werde.

„Vor 20 Jahren konnten wir nicht einmal einen Meter Unterwasserpipelines selbst bauen“, beginnt der iranische Ölminister Bijan Zanganeh sein Interview am Sonntagabend im Fernsehen. „Heute können wir problemlos einen Kilometer Unterwasserpipelines pro Tag bauen. Dies zeigt, wie stark sich die iranische Ölindustrie in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat.“

Dazu gibt er weitere Beispiele für die technologische Unabhängigkeit des Iran. So seien lokale Maschinenbauunternehmen heute in der Lage etwa Turbinen oder Bohrplattformen, die der Iran während der letzten Sanktionszeit nicht kaufen konnte, herzustellen.

Auch in anderen Bereichen hätte Iran seine Position im Vergleich zu früher verbessert: „Eine der Bedrohungen der vergangenen Jahre war, den Import von Benzin in den Iran zu verbieten“, fährt Zanganeh fort. „Aber solche Bedrohungen funktionieren nicht mehr. Im vergangenen Jahr haben wir unsere Benzinproduktion um 40 Prozent erhöht und eine Tagesproduktion von 87 Millionen Litern erreicht. Wir können die steigende Nachfrage für die nächsten Jahre problemlos befriedigen.“

Obwohl es Iran in den vergangenen zehn Jahren gelungen ist, seine Öl- und Petrochemieindustrie zu entwickeln, besteht große Sorge um den Rohöl-Export, der eine entscheidende Einnahmequelle für die Regierung ist. Immerhin hängen 40 Prozent der iranischen Wirtschaft davon ab.

Seit Januar 2016 hat Iran seine tägliche Rohölproduktion um eine Million Barrel auf 3,8 Millionen Barrel pro Tag erhöht. Im April 2018 exportierte der Iran fast 2,5 Millionen Barrel Öl pro Tag, davon 40 Prozent nach Europa.

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Mehrere Umfragen von S&P Global Platts, einer der größten Preisberichterstatter für Öl, prognostizieren, dass mit der Wiederaufnahme von Sanktionen im November, innerhalb von sechs Monaten rund 500.000 Barrel Öl pro Tag dem Markt entzogen werden. Andere dramatische Prognosen, wie die Energieberatung FGE, erwarten, dass der iranische Ölexport bis Mitte 2019 halbiert wird.

Irans Rivalen haben bereits ihre Bereitschaft erklärt, den möglichen Ausfall zu kompensieren. „Die OPEC verfügt über genügend freie Produktionskapazitäten, um die Ölmärkte aufzufangen, wenn die USA Sanktionen gegen den Iran verhängen“, erklärte der Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail Al Mazrouei, am Montag gegenüber Bloomberg.

Das könnte aber durch Öl schlechterer Qualität geschehen. Interessanterweise fallen die Crack-Margin, ein Qualitätsmaß für Rohöl, für Irans Rohöl im Vergleich zu Saudi Arab Light und North Sea Forties deutlich höher aus. Von S&P Global Platts wird die Marge des iranischen Öls um 1,51 Dollar höher eingeschätzt als beim Arab Light pro Barrel.

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Der Qualitätsunterschied kann jedoch nicht verhindern, dass die 1,1 Millionen Barrel Öl pro Tag, die Iran nach Europa exportiert, nicht durch andere Lieferanten ersetzt werden kann.

Selbst bei dem aktuellen Durchschnittspreis für das Jahr 2018 von 65 USD/B wird es für die iranische Regierung also nicht leicht werden, einen jährliches Ausfall von fast 15 bis 20 Milliarden Dollar zu verkraften. Dies ist eine Erfahrung, die der Iran bereits mit dem Beitritt der EU zum Ölembargo im Januar 2012 gemacht hat.

Damals kamen zum direkten Einbruch der Erlöse aus dem Ölgeschäft weitere Auswirkungen der Sanktionen zu: Europa hörte nicht nur auf, Öl zu kaufen, sondern verbot den Versicherungsgesellschaften auch, den iranischen Tankern Dienstleistungen zu erbringen.

Dies brachte die ehemalige iranische Regierung dazu, riskante Lösungen zu suchen: den Verkauf von Öl durch Einzelpersonen. Der Verkauf des Rohöls ist so strategisch, dass keine Regierung zuvor versucht hat, es über den privaten Sektor zu verkaufen. Der Trick wurde für die Regierung sehr teuer, als sich herausstellte, dass Milliarden von Euro verschwunden waren.

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Der Vorsitzende der iranischen Vereinigung der Öl-, Gas- und Petrochemie Hersteller (OPEX) Saeed Rafieefar hält ein derartiges Vorgehen aktuell für unwahrscheinlich, sollten die Sanktionen den Öl-Export gefährden. „Ich glaube, unsere derzeitige Regierung ist klüger als die vorherige, nicht solche riskanten Lösungen zu wählen“, sagt Rafieefar. „Noch im Jahr 2012 versuchte die OPEX Kanäle zu finden, um das Rohöl durch den privaten Sektor zu verkaufen, aber es erwies sich als fast unmöglich.“

Von

Dr. Mahya Karbalaii

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