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11.12.2018

16:29

Die Deutschen haben ein zwiegespaltenes Verhältnis zum digitalen Wandel. dpa

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Die Deutschen haben ein zwiegespaltenes Verhältnis zum digitalen Wandel.

Gastbeitrag

So denken die Deutschen über die Digitalisierung

Von: Meike Terstiege

Was macht die Digitalisierung mit unserer Gesellschaft? Und was überwiegt bei den Menschen: die Ängste oder die Hoffnungen? Eine neue Studie gibt Aufschluss.

Auf diese Fragen gibt das „DigitalBarometer Deutschland“, eine repräsentative Umfrage der International School of Management (ISM) in Köln und des Hamburger Marktforschungsunternehmens EARSandEYES unter 1.000 Personen mitunter überraschende Antworten und zeigt, wie die „digitale“ Stimmung in der Bundesrepublik ist.

Angst um den Arbeitsplatz

So hat etwa jeder zehnte Befragte Angst durch die Digitalisierung seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Die Digitalisierung schafft zwar neue Märkte und auch Jobs, aber die individuelle Gefahr, dabei als Verlierer dazustehen, ist offensichtlich präsent. 4 von 10 Befragten sind der Ansicht, dass die Digitalisierung Arbeitsplätze vernichtet.

Die Befragten sind sich dabei der temporeichen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt bewusst. Die Unsicherheit, ob man mithalten kann, der eigene Job erhalten bleibt oder man gegebenenfalls in einem anderen Beruf sein Glück finden muss, ist groß.

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Standort erkennen

    Angesichts dieser Verunsicherung ist der Mangel an Vertrauen gegenüber Politik und Wirtschaft beträchtlich: Auffällig ist das fehlende Vertrauen der Befragten in die für die Digitalisierung verantwortlichen Politiker – nur jeder Zehnte traut ihnen zu, die anstehenden Herausforderungen zu meistern. Und grundsätzlich nur jeder Fünfte traut dies der derzeitigen Regierung zu.

    Doch auch die Unternehmensseite schneidet nicht wesentlich besser ab. Nur knapp jeder Fünfte (18 Prozent) glaubt, die Verantwortlichen aus der Wirtschaft werden den digitalen Wandel erfolgreich managen.

    Meike Terstiege ist Professorin an der International School of Management in Köln. Sie verantwortet den Studiengang Digital Marketing und ist die Gründerin und Initiatorin des „Digital-Barometers Deutschland“. Pressefoto

    Die Autorin

    Meike Terstiege ist Professorin an der International School of Management in Köln. Sie verantwortet den Studiengang Digital Marketing und ist die Gründerin und Initiatorin des „Digital-Barometers Deutschland“.

    Insgesamt glauben nur 15 Prozent der Befragten, dass Deutschland für die Digitalisierung gut aufgestellt ist.

    Eine der größten Sorgen in Bezug auf die Digitalisierung ist die Gefahr einer „totalen Überwachung“. Jeder Zweite trägt derartige Bedenken. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass der Wunsch nach einem deutlich besseren Umgang mit Daten sehr ausgeprägt ist: Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) wünscht sich eine Stärkung der Verbraucherrechte. Es wird interessant sein zu sehen, ob und wie die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) etwas an diesem Bild ändert.

    Zu diesen Befürchtungen kommt die Angst vor (einer zunehmenden) Anonymität. Etwa jeder Zweite vertritt die Ansicht, die Digitalisierung führe zu einer Anonymisierung der Gesellschaft. Soziale Medien führen demnach aus Sicht der Bevölkerung weniger zu einem Gefühl erlebter Gemeinschaft als vielmehr zu zunehmender Oberflächlichkeit und Selbstdarstellung. So bietet die Digitalisierung zwar vielfältige Möglichkeiten der Kommunikation und zum Austausch, jedoch scheint sie kein echtes Miteinander zu schaffen.

    Die positiven Seiten der Digitalisierung

    Die Digitalisierung wird jedoch nicht nur negativ gesehen. Auch positive Aspekte werden geäußert.

    Drei von vier Deutschen befinden, dass die Digitalisierung den Zugang zu Wissen und Bildung erleichtert. So trägt die Digitalisierung auch zur Wissensdemokratisierung bei, macht Bildung also einer breiten Bevölkerungsgruppe zugänglich.

    Ähnlich positiv schätzen die Deutschen die Bedeutung der Digitalisierung für die Wirtschaft ein: Für die Mehrheit der Befragten (61 Prozent) ist sie die Voraussetzung schlechthin für wirtschaftlichen Aufschwung. Ohne digitalen Fortschritt scheint ein wirtschaftlicher Aufschwung in Zukunft undenkbar. Obwohl die Bedenken der Befragten groß sind, ist sich die Mehrheit darüber im Klaren, dass die Wirtschaft sich der Digitalisierung nicht entziehen kann und den Herausforderungen stellen muss.

    Persönlicher Gewinn

    Was das Privatleben betrifft, sind mehr als die Hälfte der Befragten der Meinung, dass die Digitalisierung das Leben einfacher macht (59 Prozent). Digitale Tools erleichtern den Alltag, sparen Zeit, schaffen Freiraum und Freizeit. Dementsprechend erscheint die Digitalisierung für viele insgesamt als ein Gewinn (41 Prozent). Dies gilt noch mehr für die Berufswelt: Für über die Hälfte der Befragten (56 Prozent) stellt die Digitalisierung einen Gewinn für die Arbeit dar.

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    Alle reden über schnelles Internet. Doch eine Studie zeigt: Um als Region die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, sind andere Faktoren ebenso wichtig.

    Dieser Optimismus beruht auf der Überzeugung, bei der Digitalisierung nicht den Anschluss zu verlieren – nur etwa jeder Zehnte hat Angst im Zuge des digitalen Fortschritts „abgehängt“ zu werden.

    Digitales Happy End?

    Menschen gehen unterschiedlich mit Veränderungen und Herausforderungen um. Die Digitalisierung allerdings ist mit dramatischen Umbrüchen verbunden – im Berufs- und Privatleben, in Gesellschaft und Wirtschaft. Insofern ist es nachvollziehbar, dass Menschen teils mit Ängsten, teils mit Hoffnungen reagieren – ob begründet oder nicht.

    Diese Gefühlslage sollten Politik und Wirtschaft ernst nehmen und entsprechend darauf reagieren. Es gilt zu informieren, kommunizieren, differenzieren und konkretisieren.

    Die Menschen gehen zwar selbstverständlich und unbekümmert – und teilweise grenzenlos naiv – mit den digitalen Möglichkeiten um, hegen gleichzeitig jedoch Zweifel und misstrauen gegenüber den Entwicklungen, die sie vielleicht nicht ganz durchschauen und deren Folgen sie nicht abschätzen können. Regierung und Unternehmen müssen den Diskurs führen, sollten Grabenkämpfe wie aktuell um den Digitalpakt jedoch vermeiden. Das schafft nur noch mehr Unsicherheit.

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