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21.12.2017

15:27 Uhr

Gastbeitrag zur Kryptowährung Bitcoin

Eine Gefahr für Anleger und die Finanzstabilität

VonSahra Wagenknecht , Fabio De Masi

Der Bitcoin-Hype nährt die Illusion, man könne ohne Arbeit reich werden. Das ist meist nur Vermögenden oder Betrügern vergönnt. Umso unverantwortlicher ist es, dass Finanzwetten mit Bitcoin erlaubt sind. Ein Gastbeitrag.

Sahra Wagenknecht ist Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke. Der Beitrag wurde zusammen mit ihrem Fraktionskollegen Fabio De Masi verfasst. dpa

Die Autorin

Sahra Wagenknecht ist Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke. Der Beitrag wurde zusammen mit ihrem Fraktionskollegen Fabio De Masi verfasst.

Bei Bitcoins herrscht Goldrausch. Der Kurs hat sich innerhalb nur eines Jahres verzwanzigfacht und zwischenzeitlich die Marke von 20.000 US-Dollar übersprungen. Immobilien, Rohstoffe, Kunstwerke oder eben Krypto-Währungen eignen sich gut für Spekulationen, da sie sich nicht beliebig schnell vermehren lassen und ihre Preise daher bei starker Nachfrage durch die Decke gehen. Heftige Kurseinbrüche, die Flash Crashs, verdeutlichten jedoch die Gefahr für Anleger und Finanzstabilität.

Es ist ein altes Spiel: Ob Tulpenrausch im 17. Jahrhundert, Gold oder New Economy: Immer wieder herrscht die Illusion, man könne ohne Arbeit reich werden. In der Realität aber ist das zumeist nur Vermögenden oder Betrügern vergönnt. Umso unverantwortlicher ist die Zulassung von Finanzwetten mit Bitcoin (Derivaten) durch die US-Finanzaufsicht.

Die Anhänger von Bitcoins sind überzeugt, dass Krypto-Währungen eine Alternative zum Bankengeld sein könnten. Es gibt gute Gründe, unser Geldsystem nicht den Banken zu überlassen. Aber Bitcoins schaffen nicht mehr Sicherheit, sondern verstärken Unsicherheit.

Schon Mitte des 20. Jahrhunderts hat der Kopf der Freiburger Schule, Walter Eucken, dafür plädiert, im Interesse einer stabilen Finanzarchitektur den privaten Banken die Möglichkeit zur Geldschöpfung zu nehmen. Dennoch wird unser Geld nach wie vor – ja, mehr denn je – nicht vorrangig durch Zentralbanken „gedruckt“, sondern durch private Marktteilnehmer geschaffen. Der überwiegende Teil unser Geldmenge – etwa 97 Prozent je nach Definition – sind Schuldverschreibungen von Geschäftsbanken – und nicht von der Zentralbank in Umlauf gebrachte Scheine. Das so genannte Giral- oder Buchgeld entsteht per Knopfdruck.

Spielgeld für neue Finanzwetten

Wenn Banken privaten Haushalten oder Unternehmen Kredit geben, schaffen sie neue Guthaben. Und zwar unabhängig davon, ob sie zuvor Ersparnisse anderer Kunden eingeworben haben. Die Banken haben ein großes Interesse daran, dass aus den 97 Prozent irgendwann 100 Prozent werden. Denn je geringer die Rolle des Bargelds, desto größer die Gewinnmöglichkeiten und die Macht der Banken.

Welche Rolle aber spielen Zentralbanken? Sie können Geschäftsbanken Wertpapiere abkaufen, um Reserven (Guthaben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank) zu schaffen, und sie können Wertpapiere verkaufen, um Reserven zu vernichten. Die Europäische Zentralbank tut im Rahmen des OMT-Programms vor allem ersteres: Sie hat durch den Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen bis zu 60 Milliarden Euro monatlich in den Markt gepumpt und auch die Zinsen auf null gedrückt.

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Tatsächlich wurde Spielgeld für neue Finanzwetten geschaffen. Denn billiges Geld landet bei Kürzung von öffentlichen Investitionen, Löhnen und Renten auf den Finanzmärkten, nicht in der realen Wirtschaft. Daher sind auf den Vermögensmärkten gigantische Blasen entstanden. Der aktuelle Kurs des Bitcoin ist eine davon. Und wie jede Finanzblase wird diese irgendwann platzen. Dadurch wird nicht nur Vermögen vernichtet, sondern erneut dürfte ein rapider Wertverfall bei Aktien, Anleihen oder auch Immobilien Banken im Euro-Raum gefährden.

Die Politik wird dann, entweder dem Zusammenbruch des Zahlungsverkehrs und der Enteignung von Millionen Kleinsparern tatenlos zusehen müssen – oder, was wahrscheinlicher ist, erneut Steuergeld in die Rettung privater Institute und ihrer Anleger pumpen. Wobei dies angesichts der Zunahme der Staatsverschuldung seit der Finanzkrise in einigen Ländern kaum noch möglich ist. Vielleicht ist das der Grund, weshalb die EZB kürzlich in einer Stellungnahme anregte, die EU-weite gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Konto im Falle einer schweren Finanzkrise – also dann, wenn man sie braucht! – auszusetzen.

Kommentare (3)

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Herr Carlos Santos

21.12.2017, 16:49 Uhr

@
G. Nampf21.12.2017, 16:01 Uhr


DAS HANDELSBLATT REDAKTION IST BLIND AUF DEN EINEN AUGE...

UND LÖSCHT IHRE DIREKTE BELEIDIGUNGEN ÜBER FRAU WAGENKNECHT NICHT ?

SIE MÜSSEN NICHT SACHLICH BLEIBEN ?

@ HANDELSBLATT :

WELCHE GERICHTLICHE WAAGE HABT IHR ?????

Herr Helmut Metz

21.12.2017, 18:31 Uhr

Es ist sonnenklar, dass die überzeugte Marxistin Sahra Wagenknecht De-Regulierung und De-Zentralisierung hassen muss. Marxisten kennen nur das Gegenteil, obwohl ihre verheerende Ideologie grandios gescheitert ist.
Und das, obwohl das Blut unserer Wirtschaft, das Geld, VOLLSOZIALISTISCH ist und eben NICHT kapitalistisch. Das vollsozialistische, staatsmonopolistische, zentralistische Zwangsgeld und die Zentralbanken sind nämlich eine 1:1-Umsetzung einer zentralen Forderung aus dem Kommunistischen Manifest von Marx / Engels!!!

>>"5) Centralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol."<<
https://de.wikisource.org/wiki/Manifest_der_Kommunistischen_Partei_(1848)

Solange das Geld zentralplanerisch-sozialistisch ist, wird auch die Wirtschaft selber niemals marktwirtschaftlich sein können - und die Menschen werden unfrei sein. Nur wenn das Geld frei ist, werden letztendlich auch die Menschen frei sein. Aber freie Menschen wollen Sie ja in Wirklichkeit auch gar nicht, Frau Wagenknecht. Dann hätten Sie als marxistische Politikerin nämlich nichts mehr zu regulieren und wären arbeitslos.

Enrico Caruso

21.12.2017, 18:49 Uhr

<<Der Bitcoin-Hype nährt die Illusion, man könne ohne Arbeit reich werden.>>

Das ist ja mal ein Brüller! Kann uns die Autorin feundlicherweise nur ein einziges Beispiel nennen, wie und wo man MIT Arbeit reich werden kann?


Zu den Löschungen: Ich habe hier schon einmal geschrieben, was ich von der Frau Wagenknecht halte - und das wurde selbstverständlich sofort gelöscht.

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