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Gastbeitrag zur Kryptowährung Bitcoin

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Totale Privatisierung des Geldes

Die Geldpolitik der Zentralbanken erreicht somit kaum noch die reale Wirtschaft. Zentralbanken können zwar die kurzfristigen Zinsen verändern, um Kreditschöpfung anzukurbeln oder zu verteuern. Aber eine Senkung der Zinsen führt bei schwacher Nachfrage nicht automatisch zu mehr Krediten und Investitionen, zumal die Geschäftsbanken Kredite rationieren und niedrige Zinsen nur selektiv weitergegeben.

So müssen kleine Unternehmen nicht selten einen Teil ihres Finanzierungsbedarfs durch teure Dispokredite abdecken. Auch die Kaufkraft ärmerer Familien wird durch Wucher-Zinsen für Überziehungskredite geschmälert. Eine extreme Erhöhung der Zinsen hingegen kann zwar jede Spekulationsblase zum Platzen bringen und Kredite verteuern. Solche Zinserhöhungen treffen aber nicht nur einzelne Märkte, wie den Immobilienmarkt, sondern würgen meist die komplette Wirtschaft ab.

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Kryptowährungen bieten jedoch keine Alternative zu diesen Schwächen des Geldsystems. Sie dienen der totalen Privatisierung des Geldes, was immer wieder in Krisen mündet. Wir brauchen daher mehr statt weniger öffentliche Kontrolle der Geldsystems. Dazu muss die Rolle von Zentralbanken gestärkt werden. Hier vier Ideen, die teilweise bereits erfolgreich praktiziert wurden:

Erstens könnten Zentralbanken Geschäftsbanken zwingen, Kredite (nicht Guthaben) in einem Land oder in einem Wirtschaftszweig, in dem es zu Blasen kommt, mit hohen Mindestreserven zu unterlegen. So könnte Überhitzungen – etwa im Immobiliensektor oder bei unterschiedlichen Konjunkturen im Euro-Raum – chirurgisch präzise begegnet werden. Dies ist bei einer Inflation auf den Finanz- und Vermögensmärkten, aber auch bei einer Depression in der Realwirtschaft oder unterschiedlichen Dynamiken in Euro-Ländern zielführender als der Hammer der Zinspolitik.

Blick auf die Finanzkrise

Zweitens könnten Zentralbanken den privaten Haushalten und Unternehmen ermöglichen, ihr Girokonto sicher auf Konten bei der Zentralbank zu führen oder sie könnten Banken zwingen, kurzfristige Kundeneinlagen mit 100 Prozent Reserven zu unterlegen. Dann wären diese Kundeneinlagen so sicher wie Bargeld und der Geldschöpfung der Geschäftsbanken entzogen. Die schwedische Reichsbank diskutiert die Einführung einer solchen von der Zentralbank garantierten E-Krone für das digitale Zeitalter.

Drittens könnten Zentralbanken den Geschäftsbanken Liquidität nur dann gewähren, wenn diese einen gewissen Prozentsatz der Kredite für sinnvolle Investitionen vergeben, etwa in Forschung, Bekämpfung des Klimawandels oder die Schaffung von Arbeitsplätzen in schwachen Regionen. Japan hat sein Wirtschaftswunder in der Nachkriegsära auch derartiger Kreditsteuerung zu verdanken.

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Viertens könnte die Zentralbank im Rahmen ihres Inflationsziels und ihrer gewünschten Zinspolitik direkt öffentliche Investitionen anschieben, statt über den Kauf von Wertpapieren die Börsen und Vermögenden zu subventionieren. In Kanada war es bis in die 1970er Jahre üblich, dass die Zentralbank auch Staatsausgaben finanzierte.

Es ist nicht einsichtig, warum Geld für Investitionen inflationär wirken sollte, während Finanzwetten und enthemmte Geldschöpfung der Banken als unproblematisch gelten. Zentralbanken könnten über ihre Zinspolitik jederzeit staatliche Investitionen wieder verteuern. Es ist auch wenig überzeugend, dass Banken unser Geld angeblich jederzeit besser verteilen als Zentralbanker oder Finanzminister. Ein Blick auf die Finanzkrise oder auf die von Banken finanzierten Immobilienwüsten an spanischen Stränden genügt, um diese Annahme zu widerlegen.

Dr. Sahra Wagenknecht ist Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag. Fabio De Masi ist Abgeordneter der Linken im Bundestag.

Kommentare (3)

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Herr Carlos Santos

21.12.2017, 16:49 Uhr

@
G. Nampf21.12.2017, 16:01 Uhr


DAS HANDELSBLATT REDAKTION IST BLIND AUF DEN EINEN AUGE...

UND LÖSCHT IHRE DIREKTE BELEIDIGUNGEN ÜBER FRAU WAGENKNECHT NICHT ?

SIE MÜSSEN NICHT SACHLICH BLEIBEN ?

@ HANDELSBLATT :

WELCHE GERICHTLICHE WAAGE HABT IHR ?????

Herr Helmut Metz

21.12.2017, 18:31 Uhr

Es ist sonnenklar, dass die überzeugte Marxistin Sahra Wagenknecht De-Regulierung und De-Zentralisierung hassen muss. Marxisten kennen nur das Gegenteil, obwohl ihre verheerende Ideologie grandios gescheitert ist.
Und das, obwohl das Blut unserer Wirtschaft, das Geld, VOLLSOZIALISTISCH ist und eben NICHT kapitalistisch. Das vollsozialistische, staatsmonopolistische, zentralistische Zwangsgeld und die Zentralbanken sind nämlich eine 1:1-Umsetzung einer zentralen Forderung aus dem Kommunistischen Manifest von Marx / Engels!!!

>>"5) Centralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol."<<
https://de.wikisource.org/wiki/Manifest_der_Kommunistischen_Partei_(1848)

Solange das Geld zentralplanerisch-sozialistisch ist, wird auch die Wirtschaft selber niemals marktwirtschaftlich sein können - und die Menschen werden unfrei sein. Nur wenn das Geld frei ist, werden letztendlich auch die Menschen frei sein. Aber freie Menschen wollen Sie ja in Wirklichkeit auch gar nicht, Frau Wagenknecht. Dann hätten Sie als marxistische Politikerin nämlich nichts mehr zu regulieren und wären arbeitslos.

Enrico Caruso

21.12.2017, 18:49 Uhr

<<Der Bitcoin-Hype nährt die Illusion, man könne ohne Arbeit reich werden.>>

Das ist ja mal ein Brüller! Kann uns die Autorin feundlicherweise nur ein einziges Beispiel nennen, wie und wo man MIT Arbeit reich werden kann?


Zu den Löschungen: Ich habe hier schon einmal geschrieben, was ich von der Frau Wagenknecht halte - und das wurde selbstverständlich sofort gelöscht.

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