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10.01.2019

08:49

Gastkommentar

Altmaier muss Klarheit beim Netzausbau schaffen

Von: Ingrid Nestle

Der Wirtschaftsminister muss das Chaos beseitigen. Es braucht mehr Offenheit für neue Technologien. Ein Gastbeitrag der Grünen-Politikerin Ingrid Nestle.

Die Bundesregierung muss die drängenden Fragen zum Netzausbau beantworten. dpa

Arbeiten am Umspannwerk

Die Bundesregierung muss die drängenden Fragen zum Netzausbau beantworten.

Nach Jahren intensiver Arbeit kommt der Ausbau des Stromnetzes endlich voran. Dafür braucht man gute Bürgerbeteiligung und einen langen Atem. Politik muss sich kümmern. Auch deshalb haben Landesminister der Grünen den Netzgipfel zwischen Bund und Ländern im letzten Herbst eingefordert.

Und für einen schnellen Netzausbau müssen Antworten her. Es sind immer wieder die gleichen Punkte, die die Menschen vor Ort interessieren. Da mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien auch weiterer Übertragungsbedarf entsteht, erhalten diese Fragen mit der Veröffentlichung des neuen Netzentwicklungsplanes (NEP) Ende des Monats eine ganz neue Brisanz. Zum ersten Mal ist der NEP auf einen Erneuerbaren-Anteil von 65 Prozent ausgelegt – deutlich mehr als bisher.

Somit macht es natürlich einen Unterschied, ob Kohlestrom die Leitungen verstopft und ob das Bestandsnetz durch innovative Technik optimal genutzt wird. Branchenkenner sagen, dass allein durch zwei erprobte Technologien drei Viertel der heutigen Netzeingriffe („Redispatch“) eingespart werden könnten. Zwar halte ich es für möglich, dass die Regierung im neuen NEP innovative Annahmen trifft. Zentral ist aber, dies für jeden verständlich und bewertbar zu machen.

Die Autorin ist Sprecherin für Energiewirtschaft der Grünen-Bundestagsfraktion. Ingrid Nestle

Ingrid Nestle

Die Autorin ist Sprecherin für Energiewirtschaft der Grünen-Bundestagsfraktion.

Genau darin liegt die Aufgabe von Minister Altmaier: Klarheit schaffen! Und nicht auf Zuruf dieser oder jener Gruppierung, denen er zufällig auf einer Netzreise begegnet, diejenigen Punkte wieder aufzuschnüren, die seit Jahren geklärt sind. Wie etwa die Frage der wiederkehrenden Vergütung für Landeigentümer. Oder die Frage, wo Pilotprojekte für die Erdverkabelung von Höchstspannungstrassen aufgebaut werden. Minister Altmaier wollte den Netzausbau zur Chefsache machen, stattdessen hat er ihn vor allem chaotisiert.

Trotzdem gibt es endlich Fortschritte. Doch gerade jetzt, wo erste Erfolge beim Netzausbau bereits sichtbar werden, vernachlässigt man die Erneuerbaren. Das Jahrhundertprojekt Energiewende wird nur dann gelingen, wenn Netz- und Ökostromausbau endlich gemeinsam vorangetrieben werden. Dafür muss die Regierung ihre eigenen Erneuerbaren-Ziele ernst nehmen. Ansonsten stehen wir in 10 Jahren vor dem Dilemma neu gebauter Leitungen, ohne diese mit ausreichend grünem Strom füllen zu können.

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