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19.02.2020

00:01

Gastkommentar

Bosch macht 20.000 Mitarbeiter fit für die Entwicklung und Verwendung von KI

Von: Volkmar Denner

KI wird nicht nur uns im Alltag und der Arbeitswelt weiterhelfen, sondern auch der Umwelt. Dabei darf es keine Abwägung von Leben gegen Leben geben.

KI: Bosch macht 20.000 Mitarbeiter fit  Robert Bosch GmbH

Volkmar Denner

Volkmar Denner ist seit dem 1. Juli 2012 Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH sowie Gesellschafter der Robert Bosch Industrietreuhand KG.

Es ist an der Zeit, Künstliche Intelligenz nicht mehr mit künstlicher Distanz zu betrachten. Wir müssen ihren Nutzen im täglichen Leben in den Blick nehmen. KI soll dem Menschen dienen, nicht umgekehrt. Wie können künstliche und menschliche Intelligenz sich ergänzen? Auf Fragen wie diese will Bosch mit einem Kodex, der den Wert, aber auch die ethischen Grenzen der KI reflektiert, Antworten geben.

Er stellt Entscheidungskriterien bereit für die Entwicklung und Verwendung von intelligenten Systemen. Auch und gerade in Zeiten der KI sind Werte entscheidend: Verantwortung schafft Vertrauen. Noch immer bestimmen Vorbehalte oder gar dunkle Science-Fiction-Szenarien das Bild.

Wenn es nach diesen Visionen geht, überholt KI die menschliche Intelligenz, sie erweist sich als unbeherrschbar und kostet die Menschen mindestens ihre Jobs. Bosch folgt einem anderen Bild: Wir wollen KI für die Menschen sicher, robust und nachvollziehbar machen.

Und in der Arbeitswelt prognostizieren wir nicht nur technischen Wandel, sondern auch Facharbeitermangel – und vor diesem Hintergrund gewinnt die Zusammenarbeit von Menschen und mitdenkenden Maschinen an Bedeutung.

Das setzt Unternehmen voraus, die strategisch die digitale Transformation mit gezielter Personal- und Bildungspolitik gestalten – Unternehmen, die in die Qualifikation ihrer Mitarbeiter ebenso wie in die Intelligenz ihrer Maschinen investieren. Auch Bosch versteht sich als lernendes Unternehmen – in den nächsten zwei Jahren machen wir 20.000 Mitarbeiter fit für die Entwicklung und Verwendung von KI.

Doch geht der gesellschaftliche Nutzen von KI über Alltag und Arbeitswelt noch hinaus: So wird KI auch dem Umwelt- und Klimaschutz zugutekommen. Schon jetzt nutzt Bosch intelligente Algorithmen auf seiner Energy-Management-Plattform, um kurzfristig Abweichungen im Energieverbrauch jeder einzelnen Maschine zu erkennen und Lastspitzen aufzufangen.

Damit ließ sich der Kohlendioxidausstoß je nach Werk binnen zwei Jahren um gut zehn Prozent verringern. Und mit KI können wir den Energieverbrauch in Zukunft auch langfristig prognostizieren und reduzieren. Das alles ist Anlass genug, sich nicht länger in Debatten über Technologierisiken zu verlieren, sondern vielmehr die Technologiechancen in den Blick zu nehmen.

Vertrauen in die KI entwickeln

Unternehmen müssen zwei Wege gehen, damit aus KI eine Erfolgsgeschichte wird. Die technischen Voraussetzungen und Lösungen zu entwickeln, um mit Innovationen neues Geschäft zu erschließen – das ist das eine. Die Gesellschaft vom Nutzen der KI zu überzeugen – das ist das andere. Eben deshalb hat Bosch einen Kodex für den verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz erarbeitet.

Wir müssen beides entwickeln, KI, aber auch Vertrauen in die KI – das eine wird sich nur mit dem anderen durchsetzen. Dieses Vertrauen entscheidet über den Erfolg im digitalen Geschäft genauso, wie das klassische Produktgeschäft mit Qualität steht und fällt.

Was aber ist entscheidend in der ethischen Annäherung an die KI? Vor allem, dass die Menschen die Kontrolle an Systeme der Künstlichen Intelligenz nicht vollständig abgeben, also in die Entscheidungen dieser Systeme einbezogen bleiben. Beispiel Fahrerassistenz: Hier unterstützt die KI, sie entlastet den Fahrer – der aber bleibt verantwortlich und kann sie übersteuern.

Grundsätzlich sollen die Algorithmen von KI-Modellen keine „black box“ sein, sie sollen sorgfältig und transparent zugleich entwickelt werden. Nur so bleiben automatisierte Entscheidungen fair und für Fachleute nachvollziehbar. Zur Ethik der KI vermittelt Bosch Leitlinien nicht nur den eigenen Entwicklern, wir streben dazu auch einen öffentlichen Diskurs an.

Welche Entscheidungen können wir Maschinen überlassen, wann und wo sollen Menschen intervenieren – über solche Fragen müssen Unternehmen offen mit Politik, Wissenschaft und Gesellschaft diskutieren.
Letztendlich geht es hier um die wichtige Balance zwischen der wirtschaftlichen und der gesellschaftlichen Dimension unternehmerischer Verantwortung.

Auf den ersten Blick erscheint ein Paradoxon: Wir wollen das Geschäft mit KI erschließen, setzen der technischen Entwicklung aber ethische Grenzen. Doch nur, wenn wir diese Grenzen einhalten, entsteht Vertrauen, das nach unserem Selbstverständnis das Geschäft auf Dauer trägt. So, und nur so, löst sich das Paradoxon auf.

Und die ethischen Grenzen werden im neuen KI-Kodex durchaus konkret: etwa keine Abwägung von Leben gegen Leben. Einfach macht es sich der neue Kodex nicht. Aber er übersetzt das Leitmotiv von Bosch in die Zukunft: Auch Künstliche Intelligenz muss „Technik fürs Leben“ sein.

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