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13.09.2019

03:57

Gastkommentar

Deutschland braucht mehr Tempo bei der Energiewende – und muss auf Wasserstoff setzen

Von: Stephan Weil

Um die Klimaziele zu erreichen, muss Wasserstoff zum zentralen Element des Klimaschutzes werden. Bund und EU sollten ihre Förderpolitik umstellen.

Deutschland muss bei der Energiewende mehr auf Wasserstoff setzen dpa

Stephan Weil

Stephan Weil (SPD) ist Ministerpräsident von Niedersachsen.

Wir müssen schleunigst etwas gegen den Klimawandel tun, die Zeit drängt. Um die verbindlichen Klimaschutzziele erreichen zu können, muss Deutschland bis 2030 den Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch von momentan knapp 40 auf 65 Prozent erhöhen. So steht es im Koalitionsvertrag.

Aber während alle Welt über Klimaschutz redet, ist der Zubau bei der Windenergie in Deutschland so niedrig wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. Windenergiegipfel hin oder her – Minister Altmaier steht nach wie vor auf der Bremse, schlimmer noch, es droht der Rückwärtsgang: Ab 2020 sollen – so ein Verordnungsentwurf der Bundesnetzagentur – nochmals 13 Prozent weniger Ausschreibungen für Windräder an Land zugelassen werden als bislang.

Auf diese Weise wird die mühsam in Deutschland aufgebaute Windkraftanlagenfertigung nach und nach wieder zurückgefahren. Weitere Arbeitsplatzverluste wären zwangsläufig die Folge – und das in einer Zukunftsindustrie. Das Schicksal der Solarindustrie lässt grüßen. 

Ohne erneuerbare Energien kann Klimaschutz nicht gelingen, das steht fest. Wir brauchen einen Neustart der Energiewende durch den Bund: Mutige und großzügige Ausbaupfade für On- und Offshorewind sowie Photovoltaik müssten definiert und verbindlich geregelt werden. Der Ausbau der Stromtrassen muss beschleunigt werden, gleichzeitig gilt es, dezentrale Erzeugungsstrukturen aufzubauen.

Wenn es uns zukünftig gelänge, in ganz Deutschland mehr Strom aus erneuerbaren Energien zu erzeugen, bräuchten wir weniger Stromtrassen. Anlagen zur Stromproduktion aus erneuerbaren Energien müssten nicht abgeregelt werden, wenn bessere Rahmenbedingungen die Sektorenkopplung und zuschaltbare Lasten ermöglichen würden. 

Entscheidendes Element

Bislang ignoriert der Bund in unverantwortlicher Weise die vielfältigen Möglichkeiten, erneuerbare Energie in Wasserstoff umzuwandeln und zu speichern. Es ist längst möglich, aus erneuerbar erzeugtem Strom Wasserstoff oder Methan herzustellen.

Eine leistungsstarke Wasserstoffwirtschaft wäre ein wichtiger energiepolitischer Baustein neben Elektromobilität, Windkraft und Co. Sie kann den Weg ebnen zu einer kohlenstofffreien Wirtschaft. Die Technik ist erprobt, zur Speicherung könnte auf eine bestehende Erdgasinfrastruktur zurückgegriffen werden.

Wasserstoff kann und muss ein zentrales Element einer wirksamen Klimaschutzstrategie werden, denn Wasserstoff hat vielfältige Nutzungsmöglichkeiten: Er kann wesentliche Beiträge liefern zu einer deutlichen CO2-Reduzierung in der Industrie, in der Wärmeversorgung und im Verkehr. Schon jetzt zeichnet sich eine Vielzahl konkreter Einsatzmöglichkeiten ab: Mit Wasserstoff könnte beispielsweise die Stahlproduktion sauberer werden, auch in der Chemieindustrie gibt es große Nutzungspotenziale.

Aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen aber steht die Umsetzung im großindustriellen Maßstab noch aus. Noch blockiert die hohe Belastung des Strompreises durch Umlagen die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft. Investitionen in eine klimafreundliche Technik können sich nicht rechnen, weil die Politik dies verhindert. Das genaue Gegenteil wäre richtig: Die Wasserstoffwirtschaft muss gezielt gefördert werden.

Als Kraftstoff in Verbindung mit Brennstoffzellen könnte Wasserstoff die Mobilität umkrempeln. Attraktiv ist seine Nutzung insbesondere auf längeren Strecken in Lastwagen und Bussen. In Niedersachsen wird bereits der weltweit erste im Linienbetrieb eingesetzte Zug mit Wasserstoff angetrieben. Auch in der Wohnungswirtschaft ist man längst auf dieses Elixier der Nachhaltigkeit aufmerksam geworden: Wärme aus Wasserstoff als Bestandteil von energieautarken Quartieren.

Kein Hexenwerk

Das ist alles kein Hexenwerk. Pläne liegen bei vielen Unternehmen bereits in den Schubladen, ganze Regionen hätten die Chance, CO2-neutral zu werden. Wenn man nach einem archimedischen Punkt bei der Energiewende sucht, Wasserstoff könnte ihn darstellen.

Will man mit klimafreundlichen Technologien wie Wasserstoff wettbewerbsfähig sein, benötigt man eine verlässliche Anschubfinanzierung. Bund und EU müssen ihre Förderpolitik umstellen. Wenn die EU ihre „Dekarbonisierungsagenda“ ernst nimmt, muss das europäische Beihilferecht angepasst werden.

Neue Technologien müssen optimal gefördert werden. Dazu gehört sicherlich auch eine am spezifischen CO2-Ausstoß des jeweiligen Energieträgers orientierte Steuer- und Abgabenpolitik statt der bisherigen EEG-Umlage. Doch sie muss vorausschauend und realistisch angelegt sein.

Kommentare (4)

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Herr Hans A.K. Dr. Edelmann

12.09.2019, 17:57 Uhr

Es ist sehr anerkennenswert, dass Sie sich hier zu Wort melden. Wenn bei uns in Deutschland seit Jahren vorzugsweise aus Gründen des Machterhalts einzelner Länder Zukunftsentscheidungen wie der schnelle Aufbau der Trassen nicht vorgenommen wird, so verzichten wir genau auf die Voraussetzungen für die Entfaltung neuer, exportfähiger Ideen.

Herr Martin Gerlach

13.09.2019, 12:45 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Mark Hartmann

13.09.2019, 18:09 Uhr

Hier kommt eine weitere Alternative die absolut spannend ist: Die Berliner NEUTRINO ENERGY Group testet ein Gerät zur Gewinnung von sauberem Strom aus kosmischer Strahlung. Holger Thorsten Schubart, CEO des deutsch-amerikanische Forschungsunternehmen NEUTRINO ENERGY Group hat die Entwicklung eines innovativen High-Tech-Materials auf Basis einer Vielzahl von dotiertem Kohlenstoff und Silizium zum Abschluss gebracht, mit dem ein Teil der kinetischen Energie von Partikeln des unsichtbaren Strahlungsspektrums in Elektrizität umgewandelt wird. Derzeit werden die ersten industriellen Muster des sogenannten NEUTRINO POWER CUBE, eines Geräts, das saubere Energie liefert, in Deutschland unter Laborbedingungen getestet. Neutrinos, hochenergetische Teilchen, die als Teil der kosmischen Strahlung des unsichtbaren Spektrums kontinuierlich auf die Erde treffen, sind nach jüngsten Untersuchungen eine unerschöpfliche Energiequelle. "Der Energieerhaltungssatz funktioniert. ", sagt der Physiker Professor Strauss, ein ehemaliger Forscher am Massachusetts Institute of Technology, USA, und Mitglied des wissenschaftlichen Rates der NEUTRINO ENERGY Group. Die Möglichkeit, Energie durch Wechselwirkung von Neutrinos mit Materie zu gewinnen, wurde am 18. Februar 2018 vom US-Energieministerium bestätigt. Wir müssen Jetzt diese Neuheiten anwenden - dafür muss unsere Politik Steuern, damit die Wirtschaft Rudern kann.





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