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12.02.2019

15:12

Gastkommentar

Deutschland darf den 5G-Ausbau nicht verschlafen

Von: Miriam Meckel

Deutschland kann es sich nicht leisten, die nächste Generation des Mobilfunks zu ignorieren. 5G wäre das richtige Thema, um in Europa vom Getriebensein auf Treiber umzuschalten.

Miriam Meckel ist Gründungsverlegerin von ada in der Handelsblatt Media Group und Professorin für Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen, Schweiz. Frank Beer [M]

Die Autorin

Miriam Meckel ist Gründungsverlegerin von ada in der Handelsblatt Media Group und Professorin für Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen, Schweiz.

Kein Anschluss unter dieser Nummer – diese Ansage hat sich in Zeiten der Mobiltelefonie eigentlich überlebt. Aber nur im konkreten Sinne. In übergeordneter Sicht droht Europa gerade den Anschluss zu verlieren. Weil es nicht mehr weiß, wie es sich in die Zukunft einwählen soll.

Selten war die EU so wenig überzeugend wie darin, eine klare gemeinsame industriepolitische Position zu finden für 5G, die nächste Generation des Mobilfunks. Das Problem ist zum Teil hausgemacht.

Europas Telekommunikationsbranche hat im internationalen Vergleich an Bedeutung verloren. Etwa 200 Betreiber bewirtschaften einen kleinen, fragmentierten Markt, jeweils unter hohem Kostendruck. Das sieht in China und den USA anders aus. Eine Mischung aus Nationalstolz und hoher Investitionsbereitschaft sorgt für erhebliches Druckpotenzial.

Jetzt droht Europa im Wettbewerb der beiden Großen unter dem Deckmantel von Sicherheitsbedenken zum Spielball industriepolitischer Interessen zu werden.

Das ist im Fall 5G besonders heikel. Hier wird mit Angst knallharte Interessenpolitik gemacht. So wollen die USA bei 5G keine Huawei-Technologie einsetzen und üben international wachsenden Druck auf andere Länder aus. Im Fall Australiens und Neuseelands scheint der schon erfolgreich gewesen zu sein.

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Und Deutschland? Ist in Europa natürlich ein wichtiger Signalgeber. Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, sieht „das Risiko eines unbefugten Zugangs und bösartiger Cyberaktivitäten“, wenn Huawei bei 5G zum Zuge kommt. Kein Huawei in Deutschland hätte Folgen für die ganze EU.

Fakt ist: Bisher hat nach allem, was öffentlich bekannt ist, kein Geheimdienst einen Hinweis darauf gefunden, dass Huawei Sicherheitslücken, sogenannte „Backdoors“, in seine Geräte einbaut.

Richtig ist auch: Was nicht gefunden wurde, kann doch existieren. Aber die Beweislage ist bislang mehr als dürftig, sie ist nichtig. Das war an anderer Stelle schon mal anders.

Erinnern wir uns kurz an das Jahr 2014, als das Datenleak des früheren CIA-Mitarbeiters Edward Snowden offenlegte, dass die NSA solche „Backdoors“ seit Jahren in Router und Server der Firma Cisco eingebaut hatte, die dann exportiert und als Abhörvehikel eingesetzt wurden.

Auch damals warnten US-Behörden davor, Technologiekomponenten der chinesischen Firmen Huawei und ZTE einzusetzen, während sie gleichzeitig international mithörten. Worum geht es hier also? Um Sicherheitsfragen oder um Industriepolitik?

Sicherlich um beides. Aber ein wenig Vernunft sollte nun in die Diskussion einziehen. Es ist richtig, dass die Bundeskanzlerin vor der Kabinettsbefassung etwas Druck aus dem Kessel genommen hat. Denn gekocht wird hier das Süppchen anderer. Wer hat die Nase vorn bei einer der wichtigsten Technologieausbaustufen der Kommunikationsgesellschaft? China oder die USA?

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Mit einem Eilantrag geht Telefónica gegen die 5G-Auktion vor. Die Telekom folgt womöglich. Die Sorge wächst, dass das Verfahren ausgesetzt wird.

Deutschland kann diese Frage für sich nur beantworten, indem es sich nicht von einem Land oder Anbieter abhängig macht. Deshalb gilt es nun, zwei Interessen zu verbinden: höchste Sicherheit im Ausbau des 5G-Netzwerks zu gewährleisten und gleichzeitig plattformneutral die besten technologischen Möglichkeiten zu nutzen.

Dafür müssen zum einen alle Technologiekomponenten unabhängig zertifiziert werden. Zum anderen müssen die Anbieter den Quellcode kritischer Hardware hinterlegen. In diese Richtung gehen die Überlegungen zur Ergänzung des Telekommunikationsgesetzes. Nur: Deutschland ist hier bislang allein zu Hause. Die Telekommunikationsindustrie aber ist ein globales Geschäft.

Deutschland braucht 5G dringend

Kriegte die EU sich einmal auf die Reihe, um diese Anforderungen durchzusetzen, würde sie plötzlich interessant. Einen Markt mit mehr als 500 Millionen Menschen kann man nicht so leicht aushebeln wie einzelne Staaten. Die EU-weite Anforderung, Zertifizierung und Hinterlegung des Quellcodes zum Standard zu machen, würde die Verhandlungsposition eines jeden Staates gegenüber China und den USA stärken. Und ganz nebenbei wüsste man dann, welche Seite sich denn wohl am heftigsten gegen solche Sicherheitsstandards wehrt.

Deutschland braucht 5G dringend. Eine weitere Technologieausbaustufe zu verschlafen kann sich das Land nicht leisten. 5G wäre deshalb das richtige Thema, um in Europa vom Getriebensein auf Treiber umzuschalten. Sonst leidet bald nicht nur die deutsche Milchkanne unter Anschlussproblemen.

Kommentare (1)

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Herr Jochen Roß

13.02.2019, 11:19 Uhr

Meiner Ansicht nach gehören lokal Anbieter wie Ericsson oder NOKIA mehr gefördert... Auch durch Aufträge aus der EU... Schließlich sprechen wir hier von wichtigen Arbeitsplätzen der Zukunft...

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