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09.08.2022

04:00

Gastkommentar

Deutschland und Japan sollten stärker zusammenarbeiten

PremiumIm Indopazifik werden die Handelsbeziehungen gerade neu geordnet. Deutsche und japanische Konzerne ergänzen sich bei grünem Wasserstoff besonders gut, meint Nobuhiko Sasaki.

Der Autor ist Chairman und CEO der Japan External Trade Organization, vergleichbar mit der deutschen Außenhandelskammer. PR

Nobuhiko Sasaki

Der Autor ist Chairman und CEO der Japan External Trade Organization, vergleichbar mit der deutschen Außenhandelskammer.

Die Coronapandemie und der russische Überfall auf die Ukraine überschatten mit schwerwiegenden Störungen der Lieferketten und stark steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen die globale Wirtschaft. Gleichzeitig gilt es, globale Ziele wie die digitale Transformation von Gesellschaft und Wirtschaft sowie die Karbonneutralität zu erreichen.

Wir leben in einer Zeit des großen Wandels. Jeder Staat und jedes Unternehmen muss die Lage jetzt nutzen, um die Basis für künftiges Wachstum zu schaffen. Das japanische Wort für Krise lautet „Kiki“ und besteht aus zwei Zeichen: „Gefahr“ und „Gelegenheit/Chance“. Es kommt also darauf an, die Krisen als Chance zu nutzen.

Der Indopazifik als Ausgangspunkt für eine Neuordnung

Im Indopazifik-Raum gibt es verstärkt Bemühungen um eine Neuordnung. Die Allianz von Japan, den USA, Australien und Indien (QUAD) oder das vom US-Präsidenten Biden initiierte Abkommen „Indo-Pacific Economic Framework (IPEF)“ sind Beispiele dafür.

Die Wirtschaft in der Region wird sich langfristig weiterentwickeln und wachsen. Allerdings verändern sich auch hier die Rahmenbedingungen rasant – Lieferketten werden neu aufgesetzt und eine politische Neubewertung einiger Länder durch den Westen bedroht die wirtschaftliche Sicherheit.

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    Auch Deutschland zeigt steigendes Interesse an der Region, wie die 2020 von der Bundesregierung beschlossenen „Leitlinien zum Indo-Pazifik“ belegen.

    Einen bedeutenden Meilenstein markiert das im Januar 2022 in Kraft getretene Freihandelsabkommen RCEP, das Japan mit den ASEAN-Ländern China, Südkorea, Australien und Neuseeland geschlossen hat. Es ist eines der weltweit größten Freihandelsabkommen und fördert den Aufbau einer freien und fairen Handelsordnung sowie resilienter Wertschöpfungsketten. Bei einer konsequenten Umsetzung der vereinbarten Regeln durch die Mitgliedstaaten wird es der Region weiteres Wachstum bescheren.

    Das IPEF ist eine von den USA vorgeschlagene multilaterale Wirtschaftsinitiative und nimmt eine Schlüsselposition in der Indopazifik-Strategie der US-Regierung ein. Hier soll Japan führend zwischen den teilnehmenden Ländern vermitteln, damit die Initiative auf die tatsächliche Situation und die Bedürfnisse in Asien einzahlt und das Wachstum in der Region anschieben kann.

    Deutschland und Japan teilen dieselben Werte

    Um die vielfältigen aktuellen Schwierigkeiten zu überwinden, sollten globale Lieferketten, die sich bisher in starker Abhängigkeit von bestimmten Staaten befanden, diversifizierter und resilienter werden.

    Um das Ziel der Karbonneutralität zu erreichen, brauchen wir neue Technologien. Dafür spielt die Innovationsgeschwindigkeit eine wichtige Rolle. Um karbonneutral zu werden, ist es unerlässlich, dass Länder mit gemeinsamen Werten wie Japan und Deutschland stärker zusammenarbeiten.

    Die japanische Regierung will bis 2050 karbonneutral werden und hat dazu die Strategie für grünes Wachstum (Green Growth Strategy) beschlossen. Im Fokus stehen Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz, der Ausbau erneuerbarer Energien sowie der Einsatz von grünem Wasserstoff und grünem Ammoniak.

    Hier kann Deutschland als Vorreiter der erneuerbaren Energie einen wichtigen Beitrag leisten. Viele mittelständische Unternehmen und Start-ups in Deutschland haben bereits langjährige Erfahrung mit grünen Technologien und können den japanischen Partnern die effiziente Nutzung von Wind, Sonne oder Biomasse beibringen.

    Der Einsatz von grünem Wasserstoff umfasst verschiedene Technologiebereiche wie Elektrolyse, Brennstoffzelle, Materialien, Transport, Stromerzeugung und auch Mobilität. In manchen Bereichen sind japanische Unternehmen führend, aber in anderen liegen die deutschen vorne. Wenn sie kooperieren und die Zusammenarbeit intensivieren, kann der breit angelegte Einsatz von grünem Wasserstoff schneller realisiert werden.

    Bei seinem Japan-Besuch im vergangenen Frühjahr besichtigte Bundeskanzler Scholz eine Wasserstoffanlage in der Nähe von Tokio. Derartige Projekte könnten, so der Eindruck des Bundeskanzlers, international ein Vorbild für den Aufbau länderübergreifender Lieferketten sein. Wasserstoff ist gewiss einer der Bereiche, wo Deutschland und Japan als führende Technologienationen bei der Energiewende konkret zusammenarbeiten können.

    Hohe Erwartungen an deutsche und japanische Start-ups

    Die deutsch-japanische Zusammenarbeit ist nicht nur auf Großunternehmen beschränkt. Wie in Deutschland zählen 99 Prozent der Unternehmen in Japan zum Mittelstand.

    Mit herausragenden Technologien und Produkten erschließen sich kleine und mittelständische Unternehmen neue Geschäftsfelder. Deutsche Mittelständler mit Know-how im Bereich Industrie 4.0 sind in Japan bereits bei der Digitalisierung der Produktion aktiv.

    So hat EVO, ein mittelständisches Unternehmen aus Süddeutschland, eine Niederlassung in der Präfektur Ibaraki und liefert Industrie-4.0-Software an Mittelständler in Japan. Im Bereich der Air-Mobility ziehen deutsche Start-ups mit Demonstrationsversuchen große Aufmerksamkeit auf sich. Volocopter, ein Start-up aus Süddeutschland, hat mit der Fluggesellschaft Japan Airlines (JAL) eine Kooperation zur Markterschließung und -einführung geschlossen.

    Der Drohnenentwickler und -produzent Wingcopter aus Hessen will in einem gemeinsamen Projekt mit der Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) seine Drohnen für den Transport von Medikamenten und Alltagsbedarf in entlegene Bergregionen oder auf Inseln einsetzen.

    Wir bemerken derzeit ein steigendes Bedürfnis nach Kooperationen auf beiden Seiten.

    Bei ihrem Treffen im Frühjahr haben sich die Staatsoberhäupter von Japan und Deutschland auf regelmäßige Regierungskonsultationen unter Beteiligung weiterer Minister geeinigt, um die Zusammenarbeit auf breiter Basis zu vertiefen.

    Die erste Runde soll im kommenden Jahr stattfinden, wenn Japan nach Deutschland die G7-Präsidentschaft übernimmt. Nicht nur bilateral, sondern auch im Rahmen der G7 werden sich die Beziehungen vertiefen.

    Für Deutschland und Japan bietet dies eine einmalige Chance für den Ausbau ihrer strategischen Partnerschaft in der sich anbahnenden Zeitenwende.

    Der Autor:

    Nobuhiko Sasaki ist Chairman und CEO der Japan External Trade Organization, vergleichbar mit der deutschen Außenhandelskammer.

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