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20.05.2019

10:08

Gastkommentar

Europa ist mit seinen Werten eine gute Wahl

Von: Hubertus von Baumbach

Migrationskrise, Handelsstreit, Brexit – die EU erlebt schwierige Zeiten. Bei den Europawahlen geht es für den Kontinent ums Ganze.

Der Gastautor ist Chef von Boehringer Ingelheim.

Hubertus von Baumbach

Der Gastautor ist Chef von Boehringer Ingelheim.

Europa erlebt bewegte Zeiten. Das Jahr 2019 wird in vielerlei Hinsicht ein politisch entscheidendes Jahr, in dem Weichenstellungen für die Zukunft unseres Kontinents anstehen – mit langfristigen Auswirkungen auf uns als europäische Bürger, auf unsere Wirtschaft und auf unsere Unternehmen. Es liegt an uns Europäern, wie wir unsere Zukunft und die der EU gestalten.

Die aus den Trümmern der Weltkriege entstandene europäische Friedensordnung, der auf gemeinsamen Werten basierende, kontinuierliche Prozess einer stufenweisen Integration Europas, der gemeinsame Binnenmarkt als großer und attraktiver Markt: all das ist in der europäischen wie in der Weltgeschichte trotz aller Schwierigkeiten ein bis heute beispielloses Erfolgsprojekt.

Und doch wollen nationalpopulistische Bewegungen das Rad der Geschichte zurückdrehen. Sie stellen die europäischen Werte und grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien infrage. Damit gefährden sie den Zusammenhalt in Europa und riskieren unsere Zukunft. Ihre kurzfristigen Erfolge und Umfragewerte bereiten Sorgen – mir nicht nur als EU-Bürger, sondern natürlich auch als Unternehmer. Aber diesem negativen Populismus können wir am besten mit stabilen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entgegenwirken: So schaffen wir Verlässlichkeit und Zukunftsperspektiven für alle Bürger in Europa.

Schauen wir als globales Unternehmen auf Europa, so gilt für uns: Hier haben wir unsere Wurzeln, hier liegen wichtige Schwerpunkte unserer Forschung, Entwicklung und Produktion, hier können wir uns auf die Unterstützung vieler erfahrener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlassen, und hier wollen wir uns – wie in den anderen Märkten — kontinuierlich weiterentwickeln.

Wir bekennen uns klar zu Europa. Aus Sicht eines globalen Familienunternehmens, das in Generationen denkt und handelt, ist und bleibt ein stabiler und verlässlicher europäischer Handlungsrahmen die Grundvoraussetzung für Investitionen, Wachstum und vor allem internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Daher wird es in den nächsten Jahren darauf ankommen, dass sich die EU politisch und strukturell stärkt, reformiert und – deutlicher als bisher – auf Wachstum und Innovation setzt. Dazu gehören aus meiner Sicht die Stärkung des Binnenmarkts, die Stabilisierung der Wirtschafts- und Währungsunion, ein an globalen Rahmenbedingungen ausgerichteter Wettbewerb und ganz besonders das Einstehen für offene Weltmärkte und den freien Handel.

Ein gutes Beispiel ist das Freihandelsabkommen mit Kanada, das neue und gute Standards setzt – und die Wirtschaft auf beiden Seiten stärkt. Dass solche Verträge vor allem in Deutschland erneut infrage gestellt werden, ist gefährlich für die Zukunftsfähigkeit der Europäischen Union – auch und gerade im internationalen Kontext. Wir müssen in Europa jetzt die Voraussetzungen dafür schaffen, dass wir uns langfristig im globalen Innovationswettlauf nicht nur behaupten können, sondern eine Führungsrolle bei den Schlüsseltechnologien der Zukunft besetzen.

Dafür müssen wir unsere Infrastruktur erneuern und besser vernetzen, unsere (Aus-)Bildungssysteme über die nationalen Grenzen hinaus stärker öffnen und europäische Exzellenz auf allen Ebenen fördern. Die Förderung unserer heimischen Forschung und Innovationskraft sollten wir Europäer als Investition in unsere gemeinsame Zukunft verstehen. Auch hier kommt Deutschland als größter Volkswirtschaft innerhalb Europas eine Führungsrolle zu. Wir sollten uns trauen voranzugehen, können gleichzeitig aber auch von anderen Ländern lernen, beispielsweise im Bereich der steuerlichen Forschungsförderung.

Europa wird erfolgreich bleiben

Das immer noch viel zu große Leid durch Krieg und Vertreibung in der Welt, die sich eintrübenden Handelsbeziehungen und das anhaltende Ringen um die Ausgestaltung des Brexits führen uns täglich vor Augen, welche Verantwortung und Erwartung sich mit Europa verbinden.

Wir müssen diese Verantwortung stärker als bisher annehmen und entsprechend handeln. Unsere europäische Wertegemeinschaft hat schon mehrfach Wellenbewegungen erlebt; manchmal erliegen wir auch der Bequemlichkeit, die Errungenschaften wie Frieden und Freiheit oder den gemeinsamen Binnenmarkt als etwas allzu Selbstverständliches anzusehen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass Europa weiter erfolgreich sein wird, wenn es uns gelingt, für Stabilität, nachhaltiges Wachstum, Beschäftigung, Wohlstand und damit für sozialen Ausgleich in unserer Bevölkerung zu sorgen. Hinzu kommen Herausforderungen wie die globale Migration und der Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen, die nur gemeinsam gelöst werden können. Auch wenn wir Europäer bereits viel erreicht haben: Jetzt geht es um unser aller Zukunft, um die Gestaltung des Europas, in dem wir unsere Kinder aufwachsen sehen wollen. Um nicht weniger als das geht es bei der Europawahl Ende Mai. Wir alle, jeder Einzelne von uns, kann dazu seinen Beitrag leisten.

Mehr: Die Europawahl 2019 bestimmt das Europa der Zukunft. Lesen Sie hier das große Handelsblatt-Special.

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