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17.06.2022

15:29

Gastkommentar

Wir stehen vor einem Jahrzehnt erhöhter Inflation – und das ist gar nicht so schlecht

Wir sollten uns mittelfristig auf Preissteigerungen von bis zu vier Prozent einstellen. Die gute Nachricht: Bei der notwendigen Transformation könnte das sogar helfen.

Marcel Fratzscher ist Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und Professor für Makroökonomie an der Berliner Humboldt-Universität. imago images/Montage Handelsblatt

Der Autor

Marcel Fratzscher ist Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und Professor für Makroökonomie an der Berliner Humboldt-Universität.

Mit aktuell mehr als acht Prozent ist die hohe Inflation nicht nur in der Euro-Zone zum Problem geworden. Dabei dürften die aktuellen Preissteigerungen nicht einmal die größte Herausforderung sein – sie sind vor allem das Resultat zeitlich begrenzter Faktoren wie Russlands Krieg gegen die Ukraine, der Pandemie und unterbrochener Lieferketten.

Die ungleich größere und deutlich unterschätzte Herausforderung ist eine andere: Tiefgreifende Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft könnten dazu führen, dass unsere bisherige Definition von Preisstabilität längere Zeit unerfüllbar bleiben wird.

Deshalb sollten die Europäische Zentralbank (EZB) und andere Notenbanken jetzt die notwendigen Vorkehrungen treffen, um in einer längeren Phase erhöhter Inflationsraten handlungsfähig zu bleiben. Fast alle Wirtschaftsprognosen gehen nach einer viel zu hohen Inflation 2022 und 2023 von einer dann folgenden Normalisierung auf einem Niveau aus, dass sich in der Euro-Zone um die zwei Prozent bewegt, was dem avisierten Ziel der Preisstabilität entspräche.

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