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14.08.2019

10:09

Kolumne

Warum Angst ein guter Freund beim Investieren ist

Von: Ken Fisher

Weltweit steigen die Konjunktursorgen, doch die Risiken sind bereits eingepreist. Erst wenn die Euphorie steigt, sollte man über Aktienverkäufe nachdenken.

Die aktuellen Sorgen sind gute Nachrichten für Anleger. dpa

Schlechte Stimmung an der Börse

Die aktuellen Sorgen sind gute Nachrichten für Anleger.

Die Investoren-Legende Warren Buffett sagte: „Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und gierig, wenn andere ängstlich sind.“ Sehr weise! Je ängstlicher die Anleger werden, desto optimistischer werde ich. Daher ist momentan eine gute Zeit für globale Aktien, insbesondere europäische und deutsche.

Trotz des neuen Höhenflugs der Aktien in diesem Sommer sind die Anleger übellaunig. Die Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu den Erwartungen an den Dax erreichte ein 28-Jahres-Tief.

Die Stimmungslage in Europa insgesamt ist kaum rosiger. US-Investoren ziehen Gelder aus Aktienfonds ab. Viele sind durch den Brexit, Handel und Politik beunruhigt. Die Schlagzeilen vergrößern diesen Pessimismus noch.

Diese Angst ist Ihr Freund. Warum? Märkte preisen bekannte Informationen vorab ein. Wenn die Schlagzeilen vor der schwachen Produktion in Deutschland, der angeblich schleppenden Wirtschaft in Europa oder dem Brexit warnen, bedenken Sie, dass die Aktienkurse das bereits widerspiegeln.

Alles, was weniger schlimm ist als das bereits Eingepreiste, sorgt für Erleichterung und ist positiv. Denken Sie an die Geburt des globalen Bullenmarktes im März 2009.

Die Fachleute fürchteten eine weltweite Depression im Stile der 1930er-Jahre. Die Krise 2007 bis 2009 war zwar schlimm, aber nicht so schlimm wie allgemein befürchtet. Die weltweiten Aktienmärkte kletterten 2009 um 25,9 Prozent, während das globale BIP um 1,7 Prozent zurückging.

Fundamental betrachtet ist heute nichts wie damals, aber die Furcht der Anleger ist gleichermaßen eingepreist. Die deutschen und europäischen Produktionsbetriebe mögen schwächeln, aber den Dienstleistern – dreimal so groß in Europa – geht es gut. Rezessionssorgen sind unbegründet. Das Gleiche gilt für den Brexit. Alles bereits eingepreist – und damit positiv!

Bullenmärkte können auf zwei Weisen enden: oben, wenn die Euphorie positive Überraschungen unerreichbar macht. Oder durch einen Keulenschlag – einen immensen, negativen Schock.

Die meisten Bullenmärkte endeten in Euphorie. Und die ist momentan in weiter Ferne. Auf dem Gipfel der Euphorie strotzen die Umfragen vor Optimismus, Geldflüsse füllen die Fonds, und Anleger spotten über die Bären. Die Angst vor verpassten Gewinnen ist dann größer als die vor dem Verlustrisiko.

Bevor Sie sich also von den verbreiteten Ängsten verunsichern lassen, überlegen Sie, was das über die Stimmung aussagt. Wenn die Leute begeistert Aktien besitzen, dann erst denken Sie über Ihren Ausstieg nach. Heute ist das Gegenteil der Fall. Deren Ängste sind Ihr Glück.

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