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13.10.2018

14:08 Uhr

Prüfers Kolumne

Achtung, der Chef ruft an – wenn unterdrückte Rufnummern durchschellen

VonTillmann Prüfer

Tillmann Prüfer sinniert über die Daueranrufe unbekannter Menschen auf seinem Handy. Am schlimmsten sind die, die ihre Nummer auch noch unterdrücken.

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Ich habe immer wieder Anrufe von einer Nummer aus Rostock bekommen. Ich kenne niemanden in Rostock. Aber offensichtlich kennt jemand mich. Die Nummer erschient immer wieder in meinem Display, zu verschiedenen Tageszeiten. Ich bin nicht rangegangen. Teils weil ich in einer Konferenz saß, teils weil ich nicht in einer Konferenz saß und Zeit hatte auf das Display zu starren.

Wer war da so versessen darauf, mich zu sprechen, dass er es immer und immer wieder versuchte? In so einem Fall gibt es zwei Möglichkeiten: 1. gute Nachrichten, 2. schlechte Nachrichten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand aus purer Langweile immer und immer wieder meine Nummer wählt. Ich sinnierte, welche gute Nachricht es denn sein könnte.

Vielleicht: Die Lottoverwaltungsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern will mir mitteilen, dass ich was gewonnen habe. Leider aber habe ich nie Lotto gespielt und das auch nicht in Mecklenburg-Vorpommern. Vielleicht ein Jobangebot aus Rostock? Aber würde ich am Meer leben wollen? Und was gibt es in Rostock eigentlich zu tun? Bleiben die schlechten Nachrichten. Möglicherweise ein Inkassobüro oder ein Rechtsanwalt?

Oder jemand, der mich einfach nur aus nichtigen Gründen anbrüllen möchte. Vielleicht, weil ich einmal im Scherz geschrieben habe, in Rostock gebe es nichts zu tun. Ich halte alles für möglich. Noch unangenehmer als Anrufe, deren Nummer ich nicht kenne, sind mir solche mit unterdrückter Rufnummer. Wenn jemand mit dem Signet „anonymer Anrufer“ sich meldet, gehe ich grundsätzlich nicht dran.

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Ich fühle mich dann wie in einem Psychothriller, wo in einem spärlich beleuchteten Raum zu nächtlicher Stunde plötzlich das Telefon anfängt zu schrillen. Bei solchen Filmszenen sind grundsätzlich Psychopathen und Mörder am anderen Ende der Leitung. Und so jemanden vermute ich auch hinter „anonymen Anrufern“. Was sonst als irgendeine unheimliche Botschaft sollte jemand vorbringen, der absichtlich seine Identität verheimlicht?

Die Nummer zu unterdrücken ist heute eine der augenfälligsten Grobheiten, die jemand anrichten kann. Dabei vergisst man leicht, dass früher grundsätzlich alle Anrufe anonym waren. Ich erinnere mich noch an eine Telekom-Werbung vor langer Zeit, die versuchte, die damals neue Rufnummernerkennung schmackhaft zu machen. Ein Mann in der Badewanne, er genießt das Leben. Das Telefon klingelt, auf dem Display steht „Chef“.

Er lässt es lächelnd läuten. Seltsam, dass man damals zu erklären versuchte, Rufnummernerkennung würde einem anzeigen, welche Anrufe man ignorieren könne. Ich kenne heute niemanden, der lächelnd wegguckt, wenn er „Chef“ im Handydisplay sieht. Eines Tages habe ich den Ruf aus Rostock dann doch angenommen. Es war das Callcenter meines Internetanbieters.

Ein junger Mann sagte mir, er würde gerne mit mir über meinen Vertrag sprechen. Er tat das so, wie die Zeugen Jehovas sagen, sie würden gerne mit einem über Gott sprechen. Ich lehnte dankend ab und meinte, er solle nicht mehr anrufen. Er sagte, er werde leider immer wieder anrufen, denn das stünde so in meinem Vertrag. So lange jedenfalls, bis ich dem schriftlich widerspräche. Hiermit geschehen.

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