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12.11.2022

11:00

Prüfers Kolumne

Der Kokosriegel ist ein Opfer der Wirtschaftskrise

Von: Tillmann Prüfer

Es gibt die guten Dinge in der Süßwarenwelt und es gibt die mit Kokos. In Großbritannien schmeißt nun ein Großkonzern Kokos aus seiner Süßwarenmischung. Und das sagt einiges über Marktgesetze.

Handelsblatt: Prüfers Kolumne

Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Es gibt eine Süßwarenmischung, die bei uns öfter auf den Tisch kommt, sie heißt Celebrations und ist ein Produkt des Mars-Wrigley-Konzerns. Es gibt von Mars zum Beispiel Twix, Mars, Snickers, Milky Way und Bounty. All diese Riegel sind im Miniformat in dieser Mischung enthalten.

Wenn man sich mal an einem Abend vornimmt, etwas zu essen, das zwar auf der Lebensmittelampel rote Punkte bringt, dafür aber den Blutzuckerspiegel angenehm in die Höhe treibt, dann ist das genau das richtige Produkt. Es bleiben schnell nicht viele Riegelchen übrig. Aber eine Sorte immer, nämlich der Kokosriegel „Bounty“.

Niemand mag die Bountys essen. Ich weiß nicht, warum – oder ich weiß doch, warum. Weil sie nach Kokos schmecken und ihre Konsistenz nicht fluffig oder cremig, auch nicht knusprig, sondern eher holzig ist.

Wenn wir Kokos essen, denken wir heute nicht mehr an Südseestrände, das war vielleicht einmal so in den 80er-Jahren. Nach meinem Gefühl gibt es eher weniger Kokos-Süßwaren als früher. In der Colorado-Mischung von Haribo ist auch ein Lakritzkonfekt dabei, das einen Kokosmantel hat – das isst in unserer Familie auch niemand.

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    Ich habe nun gelesen, dass in Großbritannien Celebrations künftig ohne Bounty angeboten wird. Es soll sogar auf der Packung ausgezeichnet werden, dass „kein Bounty“ mehr dabei ist. Es ist das erste Mal, dass ich erlebe, dass ein Produkt damit beworben wird, dass etwas nicht mehr drin ist. Also klar, weniger Zucker, weniger Fett, kein Palmöl – also Sachen, die gemeinhin als schädlich gelten. Aber ein Produkt, das mit weniger Produkt wirbt?

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    Ich habe gelesen, dass Bounty seit 1951 vertrieben wird, vor allem in Europa, in den USA dagegen wenig, dort isst man ein Konkurrenzprodukt namens „Mounds“. Man fragt sich: Warum gibt es Bounty dann überhaupt? Vielleicht brauchen wir ja Dinge in unserem Alltag, die wir nicht mögen, um die anderen wieder mehr zu schätzen.

    Wenn es kein Bounty mehr gibt, findet man vielleicht Snickers nicht mehr so lecker. Vielleicht wurde Bounty nur deswegen geschaffen, um die Menschheit zu strafen oder zumindest nicht zu verwöhnen. Vielleicht, damit Mütter ihren Kindern etwas Süßes in die Schule mitgeben können, das einfach nicht so gut schmeckt und dann doch nicht verputzt wird. Ein Lifehack quasi.

    Laut Medienberichten fürchtet der Mars-Wrigley-Konzern, dass wegen der Inflation Verbraucher Produkte meiden, die sie nicht ganz aufessen. Deswegen werde Celebrations probeweise mehr auf Konsumvorlieben angepasst. Damit wäre Bounty ein Opfer der Wirtschaftskrise. Wenn Haribo Colorado demnächst ohne das weiße Konfekt angeboten wird, ist die Rezession auch bei uns angekommen.

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