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16.04.2022

11:22

Prüfers Kolumne

Die ungeschriebenen Gesetze der Duschkopf-Community

Von: Tillmann Prüfer

Mit dem Kauf eines Duschkopfs ist unser Autor unfreiwillig Mitglied einer Community geworden. Doch die Regeln dieser neuen Gruppe kennt er nicht.

Handelsblatt: Prüfers Kolumne

Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“.

Ich habe einen Duschkopf im Internet gekauft. Der Duschkopf soll besonders wassersparend sein, und gleichzeitig soll er einen kräftigeren Strahl machen, quasi einen Massagestrahl. Ich habe den Duschkopf sofort erworben.

Im Paket war ein Zettel, auf dem stand, ich sei nun willkommen in der Duschkopf-Community. Das hat mich dann erstaunt, warum war ich jetzt Mitglied einer Community geworden? Also einer Gemeinschaft Gleichgesinnter?

Was macht man denn als moderner Duscher? Ich nehme an, dass man vor allem dafür ist, Wasser zu sparen. Das kann ich, glaube ich, auch überzeugend vertreten. Ich habe gelesen, dass ein herkömmlicher Duschkopf 14 Liter Wasser verbraust – in der Minute! Das ist schon eine ordentliche Menge.

Ich würde auch ohne Weiteres zu meiner Meinung stehen, dass man grundsätzlich eher sparsam mit Wasser umgehen soll. Allerdings höre ich auch immer wieder, dass Wassersparen ökologisch nicht sinnvoll ist, weil die Kanalisation schon jetzt vielerorts zu wenig Wasser führt und unzureichend gespült wird. Ich bin mir also nicht sicher, ob ich ein wirklich vollwertiges Mitglied der Duschkopf-Community bin.

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    Wie erkenne ich eigentlich andere Mitglieder dieser Community? Das ist ja eine wichtige Voraussetzung. Man sieht es einem anderen Menschen ja nicht gleich an, dass er einen besonderen Duschkopf hat.

    Ein Mitglied der Dusch-Community in freier Wildbahn. dpa

    Neue Gemeinschaft

    Ein Mitglied der Dusch-Community in freier Wildbahn.

    Ich müsste vielleicht, wenn ich neue Menschen treffe, fragen, ob ich bei ihnen „mal das Bad benutzen“ dürfte – um dann zu gucken, was in der Dusche los ist. Wenn ich einen Wasserspar-Duschkopf fände – ich weiß nicht, was dann passieren würde. Würden wir dann unsere Duscherfahrungen austauschen?

    Ich habe einmal im Internet einen kleinen elektronischen Schreibcomputer gekauft, eine Art elektronische Schreibmaschine. Dabei bin ich Mitglied der Schreibmaschinen-Community geworden. Ich werde seitdem mit E-Mails bedacht, die mich informieren, wie viel tausend Wörter andere Mitglieder der Schreibmaschinen-Community schon wieder in ihr Gerät gekloppt haben.

    Mich hat das eher unter Druck gesetzt. Ich mag nicht so gern Mitglied in einer Community sein, in der ich mich als Minderleister fühlen muss. Jedenfalls nicht, nur weil ich irgendein Gerät gekauft habe. Ich hätte auch keine Lust, in ein Wettduschen einzusteigen.

    Außerdem habe ich gelesen, dass Wassersparen erst dann Sinn macht, wenn man warmes Wasser spart. Denn für jenes muss ja Heizleistung erbracht werden, und dadurch wird der Planet aufgeheizt.

    Wahrscheinlich würde sich in der Duschkopf-Community bald eine Gruppe radikaler Kaltduscher hervortun, die solche Warmduscher wie mich abkanzeln würden, weil wir nicht hundertprozentig hinter der Duschkopf-Sache stehen würden. Ich dusch lieber für mich allein.

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