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12.09.2019

16:01

Prüfers Kolumne

Eine Rose für den Ingenieur

Von: Tillmann Prüfer

Die Castingshow „Bachelorette“ zeigt, wie man als Mann gemocht wird: Man muss kein Aufsteiger und Überperformer sein. Bachelorettes mögen es gerne konventionell.

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Vor Kurzem ist im Fernsehen „Die Bachelorette“ zu Ende gegangen. Ich habe vielleicht zu wenige Castingshows gesehen, um wirklich mitreden zu können, aber ich denke, dass sie viel mit der Zeit zu tun haben, in der wir leben. Sie sind wie das Leben: Man soll sich sehr anstrengen, um von anderen gemocht zu werden, die über einen bestimmen. Irgendwelche Typen sagen, dass du wirklich gut bist, dass du einzigartig bist, vielleicht sogar. Und was diese Menschen über dich befinden, gilt dann.

Ich finde das schon bemerkenswert. Denn es heißt ja auch immer: Glaube an dich selbst. Hör nicht auf die anderen, sondern überlege, was du willst. In den Castingshows jedoch müssen andere an dich glauben und andere sagen, was du wert bist. Vielleicht ist das näher an der Wahrheit. Denn wer in einem normalen Betrieb arbeitet, macht schließlich auch ständig die Erfahrung, dass er von anderen bewertet wird und dass andere bestimmen, ob die Arbeit, die man macht, gut ist oder nicht. Was man selbst von der eigenen Arbeit hält, ist meistens nicht weiter von Belang.

Außerdem, und auch das ist eine Parallele zu Castingshows, werden wir normalerweise von Leuten bewertet, die von dem, was wir tun, nicht mehr, sondern meistens noch weniger verstehen, als wir selbst es tun. Wenn du ein Lob vom Chef bekommst, ist es egal, ob es ein guter Chef ist oder nicht. Hauptsache, er findet dich super.

Bei der Bachelorette ist es etwas anders. Es entscheiden nicht viele über einen, sondern eine musste sich zwischen vielen entscheiden: Ein ganzer Haufen Männer, die alle aussehen, als würden sie die meiste Zeit Bankdrücken und hätten noch nie ein Eis zu viel gegessen, bewerben sich um die Liebe einer Frau. Jeder Mann, der da nicht hineinpasst, muss sich beim Betrachten einer solchen Show vorkommen wie der gesellschaftliche Bodensatz.

Allerdings denken Männer in solchen Momenten: In Wirklichkeit kommt es doch auf das Aussehen gar nicht so an. Frauen schätzen bei Männern doch Witz und Charme viel höher ein, oder? Und vor allem Leistung, Ehrgeiz, die Karriere. Schließlich sollte ein Mann im Leben doch einen ordentlichen Aufstieg gemacht haben, nicht wahr?

Bachelorettes mögen es konventionell

Zu diesem Punkt musste ich neulich aber interessante Nachrichten lesen. Bachelorettes geben nicht viel auf Aufsteiger und Überperformer, sie mögen es ganz gerne konventionell. Die Jobsuchmaschine Adzuna hat zählen lassen, wie viele Rosen die Bachelorette durchschnittlich welcher Berufsgruppe hat zukommen lassen. Eine Rose bekommt nämlich jeder am Ende einer Sendung, der eine Runde weitergekommen ist.

Dabei führen rosenmäßig die Ingenieure. Die Berufsgruppe, die am zweitmeisten geliebt wird, sind die Fitnesstrainer. Auf den eher hinteren Plätzen finden sich Ärzte und Berater. Diese sind aber noch beliebter als Werbefachleute. Jene scheiden stets als Erste aus. Man muss also nicht die Karriereleiter hochgeeilt sein, um liebenswert zu sein. Unter Umständen ist es besser, technische Zeichnungen zu machen oder im Fitnessstudio zu arbeiten. Für den Anfang zumindest. Denn im Schnitt halten die Beziehungen der Bachelorette-Gewinner nur acht Monate.

Mehr: Früher hatten Männer bis in ihr Alter hinein die Vorstellung, dass sie unwiderstehlich seien. So werden sie sich nie mehr fühlen können, meint Tillmann Prüfer.

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