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01.08.2019

12:55

Prüfers Kolumne

Emojis – zwischen Werbung und Weltsprache

Von: Tillmann Prüfer

Täglich werden Emojis verschickt. Doch verwundert es immer wieder, welche Zeichen selbsternannte Sprachschützer durchgehen lassen – und welche nicht.

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Der Autor

Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „ZEIT“-Magazins.

Bald werden wieder neue Emojis veröffentlicht. Mit dabei ist auch ein Pick-up-Truck. Er ähnelt stark dem Ford-Modell F-150, was wohl auch daran liegt, dass es die Firma Ford war, die den Vorschlag für das Pick-up-Emoji mittels einer PR-Firma eingereicht hatte. In einem Youtube-Clip feiert sich Ford für den neuen Wagen, der bald über unsere Displays fahren wird.

Das hat natürlich sofort für eine Debatte gesorgt, denn darf eine Firma mit einem Emoji Werbung für das eigene Produkt machen? Wohl eher nicht. Emojis sollen zum Beispiel nicht aussehen wie Markenprodukte. Außer natürlich wie Markenprodukte des jeweiligen Smartphoneherstellers. So zeigt etwa das Emoji für „Desktop-Computer“ auf dem iPhone unzweifelhaft einen iMac-Computer von Apple.

Emojis sind heute als eine Art neue Weltsprache zu verstehen. Man kann Emojis überall auf der Welt verstehen – und nun wird man weltweit „Ford“ verstehen, wenn man „Pick-up“ meint. Es ist klar, dass dies für Unmut sorgt. Denn längst haben sich die weltweiten Sprachschützer auch auf die Handydisplays ausgebreitet und sind eigentlich bemüht, dort eine Symbolwelt einzurichten, die ohne Arg und Pein ist.

Emojis ernähren sich gesund

Es gab einmal ein Pistolen-Emoji – das ist mittlerweile von allen großen Emoji-Alphabeten in ein Wasserpistolen-Emoji gewechselt worden. Man kann sich via WhatsApp nun nicht mehr zu einer Schießerei verabreden, was grundsätzlich gut ist. Es gibt auch kein Emoji für Panzer, was ebenfalls gut gemeint ist, denn damit wird verhindert, dass die nächste Kriegserklärung als Instagram-Post kommt.

Interessant sind auch die Emojis zur Ernährung. Es gibt 26 Emojis für frisches Obst und Gemüse – aber keines zeigt eine Soft-Drink-Dose. Man hat eigentlich schon gesund gegessen, wenn man nur einmal auf sein Handydisplay guckt. Wenn Emojis also eine Sprache sind, dann eine, in der es nur nette Worte gibt. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass man einem wütenden Smiley begegnet.

Nun gibt es in dem Zeichensatz allerdings auch solche Symbole, die etwas darstellen, das nicht alle gut finden. Zum Beispiel Flugzeuge. Startende und landende Flugzeuge. Wenn man nun ein Freund der „Fridays for Future“-Bewegung ist und der Meinung ist, dass das Fliegen allgemein abgeschafft gehört, wird man nicht viel Gutes daran finden können, dass in Emojiland immer noch Jets starten. Und was ist eigentlich mit den Autos? Für die gibt es bei den Emojis mannigfaltige Beispiele.

Zum einen als Funktionsautos: Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen. Dagegen ist nichts zu sagen. Was aber ist mit dem SUV, der sich ebenso in dem Pixelsatz findet? Dieses Auto ist einerseits als schlimmer Klimaeinheizer verschrien, als Emoji sieht der SUV aber aus wie ein niedliches Spielzeugauto, dem nicht einmal eine klitzekleine Klimakatastrophe zuzutrauen ist.

Und sogar ein Rennauto ist im Emoji-Satz mit dabei. Warum, könnte man fragen, soll man den Rennwahnsinn auf der Welt auch mit Pixeln unterstützen? Noch dazu ist das Rennauto eindeutig rot. Womit klar sein dürfte, dass der Firma Ferrari schon lange vor der amerikanischen Konkurrenz ein PR-Coup gelungen ist.

Mehr: Wer in den Urlaub fährt, hinterlässt vorher eine automatische Abwesenheitsnachricht im E-Mailpostfach. Das erinnert an Anrufbeantworter von früher.

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